Hamburg

Angeblicher van Gogh soll versteigert werden

Eine Frau fotografiert ein von seiner Echtheit her umstrittenes Van-Gogh-Gemälde, welches vom Auktionshaus Dechow in Hamburg versteigert werden soll. Das Mindestgebot für das Gemälde mit dem Titel "Die Mühle von Wijk" liegt bei 500.000 Euro.

Eine Frau fotografiert ein von seiner Echtheit her umstrittenes Van-Gogh-Gemälde, welches vom Auktionshaus Dechow in Hamburg versteigert werden soll. Das Mindestgebot für das Gemälde mit dem Titel "Die Mühle von Wijk" liegt bei 500.000 Euro.

Foto: Axel Heimken / dpa

Auktion mit Schönheitsfehler: Höchste Instanz in Fragen um den Maler erkennt das Bild nicht als Original an. Was dahintersteckt.

Hamburg. Eine brisante Auktion steht in Hamburg bei Wilhelm Dechow ins Haus. Das auf Industrieanlagen spezialisierte Auktionshaus will am 1. September ausgerechnet ein frühes Gemälde von Vincent van Gogh (1853-1890) meistbietend verkaufen – „Die Mühle von Wijk“. Während sonst Baufahrzeuge, Yachten, Maschinen, Werkzeuge und Flugzeugteile online zur Versteigerung angeboten werden, ist es diesmal offenbar ein frühes Werk des wichtigsten Wegbereiters der modernen Malerei, möglicherweise sein erstes, das noch erhalten geblieben ist.

Doch die geplante Auktion hat einen Schönheitsfehler: Das Van-Gogh-Museum in Amsterdam, die höchste Instanz in allen Fragen rund um den berühmten niederländischen Maler und seine Werke, erkennt das Bild nicht als Original an.

Van-Gogh-Versteigerung: Ort geheimgehalten

Am Montag konnten trotzdem die ersten Kaufinteressenten „Die Mühle von Wijk“ in Hamburg in Augenschein nehmen. Der Ort der Veranstaltung wurde der Öffentlichkeit vorab nicht mitgeteilt, auch über die Zahl der Kaufinteressenten hüllt man sich in Schweigen: „Wir haben den Ort der Besichtigung bewusst in ein exklusives Umfeld gelegt. Zur Anzahl der heutigen Teilnehmenden können wir aufgrund der laufenden Auktion aktuell keine konkreten Angaben machen“, sagte Jens-Peter Franz, Projektleiter vom Auktionshaus Wilhelm Dechow GmbH, am Montag auf Abendblatt-Anfrage.

Es war vor zwei Jahren, als das Service-Center des Auktionshauses am Essener Bogen eine überraschende Offerte bekam. Wie Mitarbeiter berichten, würden zwar immer wieder „skurrile Dinge“ angeboten. Teile eines Atomkraftwerkes waren genauso darunter wie ein Mondfahrzeug. Aber Kunst sei bislang „extrem selten“ gewesen. Und ein Vincent van Gogh ließ die Mitarbeiter aufhorchen. Um wissenschaftliche Expertise einzuholen, wurden Experten mit Gutachten beauftragt und die schleswig-holsteinischen Eigentümer des Gemäldes besucht. Sie hatten das Bild von der Enkelin eines Leipziger Kaufmanns erworben, der es angeblich 1904 in Paris kaufte.

Hamburger Auktionshaus sieht eine Eigenart

Van Gogh soll das Bild im Jahr 1881/82 nach einer Vorlage des niederländischen Landschaftsmalers Jacob van Ruisdael (1628-1682) gemalt, frei variiert und mit „van Gogh“ signiert haben. Das Hamburger Auktionshaus sieht in der freien Paraphrase und der Signatur durch van Gogh eine faszinierende Eigenart. Während Vincent van Gogh alle seine Bilder mit dem berühmten Schriftzug „Vincent“ schmückte, handelt es sich bei „Die Mühle von Wijk“ mit seinem Nachnamen um eine Ausnahme. Es sei daher ein Stück Kunsthistorie, heißt es beim Versteigerer. Genau diese Eigenart mache die Geschichte hinter dem Werk so faszinierend.

Doch auf der Website des Auktionshauses heißt es auch: „Die Bestätigung durch das Van-Gogh-Museum in Amsterdam blieb bislang aus.“ Medienberichten zufolge erklärte ein Sprecher der Amsterdamer Institution: „Das Museum hat diese Gemälde untersucht und denkt nicht, dass das Werk von Vincent van Gogh gemacht wurde.“ Der derzeitige Eigentümer kenne die „Meinung des Museums“.

Gutachten: Alle Expertisen zu van Gogh liegen vor

Die vom Auktionshaus eingeholten Gutachten sprechen eigenen Angaben zufolge jedoch für die Originalität. „Dechow präsentiert es transparent, auf internationaler Ebene, im bestmöglichen Umfang“, sagte Projektleiter Franz dem Abendblatt. „Unabhängig einer offiziellen Bestätigung der Originalität werden alle aktuell vorhandenen wissenschaftlichen Unterlagen und Expertisen den potenziellen Käufern zur Verfügung gestellt.“

Seine wissenschaftliche Expertise hat unter anderem Ulrich Kuder, emeritierter Kunstprofessor an der Universität in Kiel, zur Verfügung gestellt. „Mit diesem Bild haben wir eines der frühesten erhaltenen Ölgemälde von der Hand van Goghs, wenn nicht gar das erste erhalten gebliebene überhaupt, vor uns“, heißt es in seinem Gutachten. Kuder gilt eher als Experte für mittelalterliche Malerei.

Der 2017 verstorbene Gemälde-Gutachter der IHK Stade, Gerd Mettjes, war sich ebenfalls sicher: „Nach eingehender Prüfung des Gemäldes bin ich der festen Überzeugung, dass dieses Gemälde ein echtes Bild von van Gogh ist.“

Laborgutachten: Bindemittel sind „gleichmäßig gealtert“

Für die Professionalität des Hamburger Auktionshauses Dechow spricht, dass auch ein Laborgutachten vorliegt. Danach sind die Bindemittel „gleichmäßig gealtert“. „Somit sprechen die Ergebnisse nicht gegen eine Zuordnung des Gemäldes zu Vincent van Gogh beziehungsweise eine Datierung in die erste Hälfte der 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts“, heißt es.

Ob echt oder nicht: das Mindestgebot für die Online-Versteigerung am 1. September liegt bei 500.000 Euro. Experten gehen davon aus, dass bis zu zwei Millionen Euro erzielt werden können. Die renommierten Auktionshäuser Christie`s und Sotheby`s sollen eine Versteigerung abgelehnt haben.