Michel

Ein Dankeschön für den großen Eberhard Möbius

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Edgar S. Hasse
Eberhard Möbius  im Jahr 2019 bei der Veranstaltung  „Märchen im Michel“.

Eberhard Möbius im Jahr 2019 bei der Veranstaltung „Märchen im Michel“.

Foto: Michael Rauhe

Tafel an der Hauptkirche St. Michaelis soll an verstorbenen Künstler erinnern. Stiftung ruft dazu auf, sich mit einer Spende zu beteiligen.

Hamburg. Mit berührenden Worten der Dichterin Ruth Hoffmann setzte der Hamburger Künstler Eberhard Möbius seiner 2012 verstorbenen Frau Christa ein Denkmal. Auf der Messingtafel 176 steht vor der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis: „Möchte doch ein Engel dir, als du starbst, das Haupt gehalten haben und mit meiner Stimme dir gesagt, dass ich innig dich und ewig liebe.“ Und dann fügte Eberhard Möbius hinzu: „Dir und dem Michel verbunden. Dein Möbi.“

Nun ist Eberhard „Möbi“ Möbius bei seiner Frau Christa im Himmel. Er starb am 10. Juni im Alter von 93 Jahren. An diesem Freitag findet in seiner Heimatkirche, dem Michel, eine Trauerfeier im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis statt. Wegen der Pandemie ist die Zahl der Teilnehmenden begrenzt. Wie schon bei Helmut Schmidt und Jan Fedder will die Hauptkirche den verstorbenen Theaterschaffenden jetzt mit einer eigenen Sondertafel würdigen; sie soll neben vielen anderen Gedenktafeln für Verstorbene im Boden des Vorplatzes an das Urgestein der Hamburger Kulturszene erinnern (siehe auch „Geliebt & Unvergessen“ links auf dieser Seite).

Isabella Vertés-Schütter hat die Schirmherrschaft übernommen

Die Stiftung St. Michaelis ruft deshalb interessierte Bürger dazu auf, sich ab sofort an der „Danke-Tafel“ mit ihrem Namen und einer Spende in Höhe von mindestens 300 Euro zu beteiligen. Die Intendantin Isabella Vertés-Schütter vom Ernst-Deutsch-Theater hat die Schirmherrschaft für die „Danke-Tafel“ übernommen. Das Abendblatt unterstützt die Aktion, denn der Theatermacher begleitete die Veranstaltung „Märchen im Michel“ in der Adventszeit zugunsten des Vereins „Kinder helfen Kindern“ 25 Jahre lang. „Kein Name ist mit den ‚Märchen im Michel‘ so verbunden wie Eberhard Möbius. Eine Tafel an ‚seiner‘ Kirche hätte ihm sicherlich gefallen“, sagt Vivian Hecker, Leiterin der Abteilung Marketing und Event beim Hamburger Abendblatt.

Möbius las in der Kirche immer ein Märchen vor – und war stolz darauf, in diesem Vierteljahrhundert nicht einmal gefehlt zu haben. Mit den „Michel-Tafeln“ leistet Norddeutschlands schönste Barockkirche seit 1994 einen besonderen Beitrag zu einer bundesweit einmaligen Erinnerungskultur. Mehr als 16.000 Menschen, die dem Michel verbunden sind, erinnern auf mehr als 200 einzelnen Tafeln an Schlüsselmomente ihres Lebens: Geburtsfreude, Totenklagen, Hochzeitsglück, Dankbarkeit, Gottvertrauen, Heimatliebe.

Hamburger Sparkasse unterstützt die Aktion

Unterstützt wird die Aktion von der Hamburger Sparkasse. „Aus den Erlösen fördert die Stiftung St. Michaels Projekte am Michel“, sagt ihr Geschäftsführer Michael Kutz. Die Namen erinnern beispielsweise an den Orchestermusiker James Last oder an zwei Urlauber, die von einer Wattwanderung nicht mehr heimkehrten. Auch Bilder von Windjammern, Seemannsknoten, Gedichte und sogar Elchgeweihe sind zu finden. „Durch die Vielfalt der Inschriften sind die Tafeln zu einem einzigartigen Ort kirchlicher Erinnerungskultur geworden“, sagt Hauptpastor Alexander Röder. Bald wird eine Tafel an Eberhard Möbius erinnern, den der frühere Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) einen „Hamburger aus Leidenschaft“ nannte.

Diese Persönlichkeiten sind 2020 gestorben:

Auf der geplanten Tafel ist Platz für 69 Namen von Freunden, Weggefährten und Fans – ihren Kopf ziert der Text der letzten Gravur, die Eberhard Möbius 2018 in Auftrag gab: „25 Jahre im Michel. Für Christa und mich der Beginn der Weihnachtszeit. Die Möbis.“ Insbesondere mit ihrem Theaterschiff auf dem Nikolaifleet waren Christa und Eberhard Möbius über die Grenzen des Landes hinaus bekannt geworden.

Erlös der Aktion kommt Hilfsinitiative zugute

Die „Danke-Tafel“ wird am 22. Oktober zusammen mit anderen neuen Michel-Tafeln von Hauptpastor Röder und dem Haspa-Vorstandsvorsitzenden Harald Vogelsang auf dem Kirchplatz verlegt. Der Erlös kommt der Aktion „Ein Rettungsring für den Michel“ zugute, die unlängst wegen der Erlösrückgänge durch die Corona-Pandemie gestartet wurde. Jeder Spender erhalte eine Urkunde mit dem jeweiligen Namen. „Möbi und der Michel, das war eine enge Beziehung“, sagt Hauptpastor Röder. „Der Michel war für ihn ein vertrauter und geliebter Ort. Hier war er Gott nahe, seinen Engeln und seiner verstorbenen Frau.“

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