Nach Hotel-Eklat

Hamburger Bloggerin setzt sich für Übergewichtige ein

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Laura Lagershausen
Plus-Size-Bloggerin Julia Kremer ließ sich für die Kampagne #RespectMySize fotografieren.

Plus-Size-Bloggerin Julia Kremer ließ sich für die Kampagne #RespectMySize fotografieren.

Foto: Vierfotografen

Plus-Size-Influencerin Julia Kremer startet Kampagne. Diskriminierungsvorwürfe gegen Cuxhavener Hotel gaben Anlass.

Hamburg. "Fett, faul, hässlich, stinkend, ekelhaft, unsportlich, undiszipliniert, maßlos" – diese Begriffe hört Julia Kremer häufig. Der Grund? Ihr Körpergewicht. Nun will die Hamburgerin mit einer Social-Media-Kampagne für dieses Thema Aufmerksamkeit generieren. Ausschlaggebend war dafür die aktuelle Debatte um Diskriminierungsvorwürfe gegen eine Cuxhavener Hotelbesitzerin.

Für Übergewichtige: Hamburger Bloggerin startet Instagram-Kampagne

Radio Bremen hatte ursprünglich berichtet, dass in besagtem Hotel „dicke Menschen nicht willkommen“ seien. Auf der Website des Hotels im Stadtteil Sahlenburg heißt es: "Aus Haftungsgründen weisen wir darauf hin, dass das Interieur für Menschen mit einem Körpergewicht von mehr als 130 kg nicht geeignet ist."

Nachdem Kremer den Artikel gelesen hatte, sei ihr bewusst geworden, dass Diskriminierung von Übergewichtigen im Alltag dazugehöre. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Verena Prechtl habe sie daraufhin ihre Community (auf Instagram folgen der Hamburgerin mehr als 80.000 Fans) gefragt, ob diese von ähnlichen Erfahrungen berichten könnte – mit erschreckendem Ergebnis.

#RespectMySize: Plus-Size-Influencer lassen sich fotografieren

Innerhalb von 24 Stunden erreichten Kremer, die auf Instagram als "Jules SchönWild" bekannt ist, Hunderte Nachrichten. "Uns war schnell klar: Wir müssen etwas tun!", so die Hamburgerin. Am Sonntag startete sie gemeinsam mit weiteren Plus-Size-Influencern eine Kampagne mit dem Hashtag #RespectMySize. Dafür ließen sich die Frauen Begriffe wie "hässlich", "undiszipliniert" und "abstoßend" auf ihre Körper schreiben und sich damit fotografieren.

Unterstützung erhalten die Influencerinnen von Kollegen und Followern. "Wir sind überwältigt, wie viele Menschen an der Aktion teilnehmen", sagt Kremer gegenüber dem Abendblatt. Bereits 2019 hatte sie mit einer Kollegin eine ähnliche Kampagne ins Leben gerufen, als Barbara Schöneberger sich mit einem Fatsuit auf dem Cover ihres Magazins und in ihrer Instagram-Story zeigte.

"Für deine Figur hast du aber ein gar nicht mal so hässliches Gesicht"

Alltägliche Situationen gibt es laut Kremer genügende, die solche Aktionen rechtfertigen. Dazu zählen als Kompliment verpackte Äußerungen wie "Für deine Figur hast du aber ein gar nicht mal so hässliches Gesicht" oder Kommentare wie "Jetzt bewegen sich Fette gar nicht mehr" gegenüber Kremer, als sie mit einem E-Scooter in Hamburg unterwegs gewesen war. Auch die Erinnerung an einen Arztbesuch hat sich bei der Influencerin ins Gedächtnis gebrannt: Er habe ihr bei Grippesymptomen geraten, zunächst abzunehmen.

Kremer betreibt ihren Blog Schönwild seit acht Jahren. Seit fünf Jahren schreibt sie über Plus-Size-Themen. "Mit den Jahren bin ich sehr viel selbstbewusster geworden, ich habe gelernt, meinen Körper besser zu verstehen und zu akzeptieren – was nicht bedeutet, dass ich mich aufgegeben habe, viele setzen das ja leider immer gleich", sagt Kremer. Früher sei sie verschlossener gewesen. "Mittlerweile teile ich meine Erkenntnisse mit meiner Community, weil ich weiß, wie sehr ich mir damals jemanden gewünscht hätte, der mich auf meinem Weg zur Selbstliebe und Selbstbewusstsein unterstützt."

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