Benefiz-Gala in Hamburg

Pflegerin: "Wir müssen uns nicht hinter Ärzten verstecken"

| Lesedauer: 6 Minuten
Franziska Coesfeld
Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig die Arbeit der Pflegekräfte ist. Hamburgs Kultur dankt den Pflegekräften in der Hansestadt am Donnerstag nun mit einer Benefiz-Streaming-Gala (Symbolbild).

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig die Arbeit der Pflegekräfte ist. Hamburgs Kultur dankt den Pflegekräften in der Hansestadt am Donnerstag nun mit einer Benefiz-Streaming-Gala (Symbolbild).

Foto: picture alliance/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Annika Diercksen wünscht sich mehr Wertschätzung – und freut sich auf die Gala, mit der Hamburgs Kultur Pflegekräften dankt.

Hamburg. Die Corona-Krise hat Annika Merrit Diercksen hautnah zu spüren bekommen. Die 20-jährige Hamburgerin war nicht an dem neuartigen Virus erkrankt. Sie hat sich um Covid-19-Patienten gekümmert, die auf der Intensivstation in der Asklepios Klinik Barmbek lagen – die schwere Verläufe der Erkrankung hatten, beatmet werden mussten und zum Teil an Corona gestorben sind. Annika Merrit Diercksen ist in der Ausbildung zur Pflegekraft, im Oktober macht sie ihren Abschluss.

Diercksen zählt zu den 2500 Hamburger Pflegekräfte in Ausbildung, denen Hamburgs Kultur nun dankt. Bei der Benefiz-Streaming-Gala "Einer kommt, alle machen mit" treten Künstler und Prominente in der leeren Elbphilharmonie auf und werden am Donnerstag via Stream (auch bei abendblatt.de) auf die heimischen Bildschirme und ins Autokino gebracht. Für 25 Euro können sich Interessenten ein Ticket für den Gala-Stream kaufen, in Zusammenarbeit mit RockCity Hamburg e.V. und der Clubstiftung wird die Online-Karte in Veranstaltungsgutscheine für Pflegende umgewandelt.

Pflegekraft: Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist

Auch Annika Merrit Diercksen ist begeistert von der Benefiz-Gala. "Ich befürworte alles, was den Beruf der Pflegekraft nach vorne bringt", sagt die 20-Jährige im Gespräch mit dem Abendblatt. "Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist." Dennoch sei ihr Beruf in der Gesellschaft unterschätzt. "Denn der Pflegeberuf ist mehr als nur Hintern abwischen." Es gebe leider immer noch viele Vorurteile.

"Der Beruf verlangt einem viel ab", sagt die junge Frau. "Aber er bringt einem auch wahnsinnig viel Erfüllung." Man sei nah an dem Menschen dran und der Beruf als Pflegekraft sei sehr abwechslungsreich. "Ich habe großen Spaß an der Arbeit." Veränderungen wünscht sie sich dennoch.

Pflegerin wünscht sich bessere Arbeitsbedingungen

Ja, es sei prinzipiell gut, dass Pflegekräften nun zunehmend mehr Respekt entgegengebracht wird. Auch durch die applaudierenden Bürger auf Balkonen in den vergangenen Wochen. "Wir sind auf einem guten Weg, aber ich wünsche mir auch ein Zeichen von der Politik", sagt Diercksen. Und das betrifft in ihren Augen nicht nur das Gehalt, sondern vor allem die Arbeitsbedingungen.

Für Diercksen steht fest: "So wie es momentan aussieht, ist die Pflege zum Scheitern verurteilt." Es mangele an qualifizierten Fachkräften. "Mit einer Akademisierung des Berufes, die es in Deutschland schrittweise gibt, könnte man mehr Abiturienten an Land ziehen." Zudem müsse es ihrer Ansicht nach mehr Werbung für das Freiwillige Soziale Jahr geben.

Diercksen: Pflegekräfte müssen sich nicht hinter Ärzten verstecken

Zusammengefasst lautet Diercksens Wunsch: Pflege sollte auf ein professionelles Level gehoben werden."Die Pflege kann und muss selbstbewusst sein. Wir müssen uns nicht hinter den Ärzten verstecken", sagt die 20-Jährige. Überheblich klingt das bei Diercksen nicht. Es klingt viel mehr nach einer engagierten jungen Frau, die für ihren (Traum-)Beruf brennt.

Die vergangenen Wochen hat sie auf der Intensivstation am AK Barmbek gearbeitet, auf der die Corona-Patienten versorgt werden. Angst sich anzustecken hatte sie nicht. "Ich hatte großen Respekt vor der Aufgabe und habe mich sehr gefreut, dass unsere tolle Ausbildungsleitung mich auf dieser Station eingeteilt hat. Von der Corona-Pandemie und ihrer Arbeit im Krankenhaus in dieser Zeit, davon werde sie sicher noch ihren Kindern und Enkeln erzählen.

20-Jährige freut sich auf Benefiz-Gala "Einer kommt, alle machen mit"

Für Diercksen war es das erste Mal, dass sie auf einer Intensivstation gearbeitet hat. Und es war eine sehr prägende Zeit für die 20-Jährige. Im positiven Sinne. "Ich weiß jetzt, dass ich mich nach der Ausbildung für die Intensivstation bewerben möchte." Auf der Covid-19-Station hat sie Menschen betreut, die zum Teil wochenlang beatmet werden mussten. "Darunter auch sehr junge Patienten. Wenn man diese schweren Krankheitsverläufe sieht, wird einem noch einmal mehr bewusst, wie wichtig die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind."

Wie wichtig die Pflegekräfte in unserer Gesellschaft sind, das soll auch die Benefiz-Gala "Einer kommt, alle machen mit" zeigen. "Eine tolle Aktion", sagt Annika Diercksen. Sie freut sich vor allem auf eine Band: Tonbandgerät.

Johannes Oerding, Kirsten Boie und Bosse treten auf

Bei der Veranstaltung "Einer kommt, alle machen mit" am Donnerstag treten Künstlerinnen und Künstler aus Musik, Literatur und Unterhaltung auf. Mit dabei sind Anna Depenbusch, Johannes Oerding, Stefan Gwildis, Kirsten Boie, Simone Buchholz, Bosse, Salut Salon, Bernd Begemann, Peter Lohmeyer, ­Enno Bunger, Rolf Zuckowski und viele weitere. Sie kamen zwei Tage lang nacheinander in die Elbphilharmonie, um unter Corona-Auflagen ihre Songs und Beiträge aufzeichnen zu lassen.

Infos und Tickets zur Benefiz-Streaming-Gala „Einer kommt, alle machen mit“

  • Karten für 25 Euro (gilt als Spende), um den Stream der Gala-Show bereits am 16. Juni zu sehen, sind auf www.einerkommt.de erhältlich.
  • Der Stream läuft am 18.6., 20.22 Uhr u. a. auf abendblatt.de
  • Im Autokino Steinwerder läuft die Solidaritätsshow am 18.6. um 19 Uhr, Tickets 15 Euro
  • Käufer eines Tickets können den Stream bereits am 16. Juni verfolgen, am 18. Juni (20.22 Uhr) ist die Show zudem kostenlos auch auf www.abendblatt.de zu sehen.
  • Auf startnext.com/einerkommt werden ebenfalls Spenden gegen besondere Gegenleistungen von den Gala-Gästen gesammelt.
  • Auf www.keinerkommt.de kann noch bis zum 16. Juli gespendet werden

Die Veranstaltung „Einer kommt, alle machen mit“ ist eine Anschluss-Initiative an das fiktive Festival „Keiner kommt, alle machen mit“ von MenscHHamburg e.V., das im Frühjahr 444.444 Euro für die Unterstützung der Hamburger Musik- und Kulturszene gesammelt hatte.

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