Hamburg

Ärzte wehren sich heftig gegen Pläne von Rot-Grün

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Noch-Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks und KV-Chef Walter Plassmann

Noch-Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks und KV-Chef Walter Plassmann

Foto: Michael Rauhe

Der neue Senat will offenbar Arztpraxen innerhalb Hamburgs verlegen. KV-Chef Walter Plassmann mit scharfer Reaktion.

Hamburg. Dieser Konflikt hat sich seit Monaten angekündigt: Hamburgs niedergelassene Ärzte laufen mit harschen Worten Sturm gegen die Pläne des künftigen rot-grünen Senates, Arztpraxen innerhalb der Stadt verlegen zu wollen. „Gegen diese staatliche Bevormundung werden wir uns wehren“, sagte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Walter Plassmann.

Für die Verteilung der Praxen ist qua Gesetz die KV verantwortlich. Allerdings gibt es für die Gesundheitsbehörde mit dem neuen Terminservice-Gesetz Möglichkeiten, einen Sonderbedarf anzumelden. Hamburg gilt als gut, wenn nicht statistisch „überversorgt“ mit Praxisärzten.

Hamburg: Arztsitze sollen verlegt werden

Die aus dem Amt scheidende Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) und Grünen-Verhandlungsführerin Anna Gallina hatten jetzt bei den Koalitionsverhandlungen angekündigt, man wolle „mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten“ Arztsitze verlegen. Wer Nachfolger von Prüfer-Storcks wird, ist offenbar noch nicht ausgemacht. Gallina ist als Gesundheitsexpertin noch nicht in Erscheinung getreten. Die künftige Hamburger Gesundheitspolitik solle stärker an den sozial Benachteiligten ausgerichtet werden und an Stadtteilen, in denen die Arztversorgung nicht so gut sei.

Das finden die Ärzte empörend, denn natürlich könne nicht jeder Stadtteil die komplette Liste an Fachärzten haben. Hamburg sei klein genug, um im Nachbarstadtteil oder in gut mit Bus und Bahn zu erreichender Nähe den gewünschten Facharzt zu finden. KV-Chef Plassmann sagte, Ärzte würden ihre Praxen dort errichten, wo es gut für das Versorgungsangebot sei. „Das sind beispielsweise Knotenpunkte des öffentlichen Nahverkehrs oder Einkaufszentren.“

"Millionengrab" Notaufnahme

Er nannte „statistische Planspiele von Behörde oder Bezirkspolitikern“ kontraproduktiv. Diese Planwirtschaft in der Gesundheit sei überall gescheitert. Tatsächlich hatte Prüfer-Storcks gegen den Rat der Ärzte die neue Notaufnahme in Harburg an einem Ort durchgesetzt, der sich als „Millionengrab“ (Plassmann) entpuppte, wie das Abendblatt berichtete.

Deshalb sagt Plassmann jetzt: Diese Einmischung werde nicht nur dazu führen, dass Geld in der medizinischen Versorgung verschwendet werde. Es werde auch zu einer ungewollten Konzentration von Praxisstandorten kommen, die wiederum von Finanzinvestoren im Gesundheitswesen geführt würden.

Das ist in Teilen der Hamburger Innenstadt bereits zu beobachten. Zuletzt hatte die KV auf die steigende Zahl von Kindern und den Bedarf an Kinderärzten mit einer Sonderzulassung von vier Arztsitzen reagiert. Auch das ist im Rahmen geltender Gesetze möglich.

Plassmann meinte zu den Praxisplänen der künftigen Rathaus-Koalition in ironischer Reaktion: „Wenn solche Untoten wieder ans Licht kommen, ist dies ein untrügliches Zeichen für das Ende der Pandemie-Gefahr.“

( ryb )

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