Paukenschlag

Aus Enttäuschung über die SPD: Johannes Kahrs wirft hin

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Peter Ulrich Meyer
Der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs.

Der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs.

Foto: Paul Zinken / picture alliance / dpa

Der Hamburger Bundestagsabgeordnete reagiert auf eine innerparteiliche Niederlage. Die hatte wohl auch mit Angela Merkel zu tun.

Hamburg/Berlin. Paukenschlag in der Berliner Politik und in der Hamburger SPD: Johannes Kahrs, der dienstälteste Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete, gibt mit sofortiger Wirkung alle politischen Ämter und Mandate auf. Kahrs, der dem Bundestag seit 1998 angehört, legt sein Mandat nieder, ist nicht mehr einer der Sprecher des einflussreichen Seeheimer Kreises der rechten SPD-Bundestagsabgeordneten und gibt auch den Posten des Kreisvorsitzenden der SPD Hamburg-Mitte auf.

Der 56 Jahre alte Vollblutpolitiker, der den Bundestagswahlkreis Hamburg-Mitte stets direkt gewonnen hat, reagiert mit seinem kompletten Politikausstieg auf eine innerparteiliche Niederlage. In der vergangenen Woche hatte die SPD-Bundestagsfraktion die Berliner Bundestagsabgeordnete Eva Högl überraschend für den Posten der Wehrbeauftragten nominiert. Obwohl sich Kahrs öffentlich nicht zu seinen Ambitionen äußerte, betrieb er intern seine Kandidatur, weil die Amtszeit des Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels (SPD) auslief.

Kahrs von innerparteilicher Niederlage enttäuscht

„Ich wollte einen Neuanfang in der Politik. Da mir die Bundeswehr sehr am Herzen liegt als Oberst der Reserve und langjähriger Berichterstatter für das Verteidigungsministerium im Haushaltsausschuss, hätte ich gerne für das Amt des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages kandidiert“, sagt der langjährige haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion jetzt. „Für das Amt bewirbt man sich nicht, man wird vorgeschlagen. Der Fraktionsvorsitzende hat Eva Högl vorgeschlagen. Ich akzeptiere dies und wünsche ihr viel Erfolg“, setzt er hinzu und die Enttäuschung über die Entscheidung klingt durch.

Kahrs hatte dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich bereits im Oktober des vergangenen Jahres sein Interesse an dem Posten bekundet. „Nach zwei Wochen Bedenkzeit habe ich die Zusage des Fraktionsvorsitzenden bekommen“, sagt Kahrs im Gespräch mit dem Abendblatt. „Anfang dieses Jahres wurde mir dann mitgeteilt, dass es wohl Schwierigkeiten mit der Union gibt, denn es sei nicht sichergestellt, dass mich alle aus der Union wählen würden“, sagt Kahrs. Mit Abgeordneten aus anderen Fraktionen – außer der AfD – habe es dann „erfreuliche Gespräche“ gegeben.

Merkel soll Bedenken gegen Kahrs gehabt haben

Namentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU) sollen nach Informationen des Abendblatts Bedenken gegen den Hamburger gehabt haben, weil sie ihm angeblich nicht zutrauten, überparteilich zu agieren. „Letzte Woche wurde mir dann durch den Fraktionsvorsitzenden kurz vor der Nominierung des Kandidaten für das Amt des Wehrbeauftragten mitgeteilt, dass ich nicht mehr gesetzt bin“, sagt Kahrs, der auch seine Accounts in den sozialen Netzwerken Twitter, Facebook und Instagram gelöscht hat.

Der Sozialdemokrat will seiner Partei trotz der großen Enttäuschung treu bleiben. Seine Eltern, ebenfalls Sozialdemokraten, waren in seiner Heimatstadt Bremen Senatoren. „Ich bin meiner Partei zutiefst verbunden und wünsche ihr von ganzem Herzen Glück und Erfolg. Ich suche nun außerhalb der Politik einen Neuanfang und melde mich hiermit ab“, sagt Kahrs.

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Der Sozialdemokrat, der seit 2018 mit seinem langjährigen Partner Christoph Rohde verheiratet ist, sieht die Entscheidung des Bundestages für die Öffnung der Ehe für Alle als seinen größten Erfolg an. Kahrs hat in den zurückliegenden Jahren unter anderem die Bundesfinanzierungen für die Sanierung des Fernsehturms und das Deutsche Hafenmuseum mit der Viermastbark „Peking“, die gerade aufwendig restauriert wird, maßgeblich durchgesetzt. Bekannt ist er wegen seiner intensiven Wahlkreisarbeit, wozu unter anderem jährlich 80 Tagesfahrten nach Berlin zählen.

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