Verkehrskonzepte

Bewohnerparken in Ottensen noch in diesem Jahr?

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Peter Wenig
Die Ottenser Hauptstraße (Archiv): Grüne und SPD fordern Anwohnerparken für den Stadtteil.

Die Ottenser Hauptstraße (Archiv): Grüne und SPD fordern Anwohnerparken für den Stadtteil.

Foto: Andreas Laible / HA

Bezirksversammlung beschließt entsprechenden Antrag. Zukunft des geplanten autoarmen Verkehrs im Kerngebiet aber weiter offen.

Hamburg. Seit Jahren wird in Ottensen über eine Regelung für das Bewohnerparken diskutiert. Nun macht die Bezirksversammlung Druck. Auf Antrag von Grünen und SPD forderte der Hauptausschuss die zuständige Innenbehörde sowie den Landesbetrieb Verkehr jetzt auf, noch in diesem Jahr Bewohnerparken für Ottensen und Altona Altstadt einzuführen.

"Ottensen hätte das schon längst bekommen müssen", sagt Mithat Capar, SPD-Distriktsvorsitzender: "Damit werden wir den gesamten Stadtteil verbessern und nicht nur einzelne Straßen."

Händler beklagen zu geringe Kontrollen

Gegner wie Befürworter des im Februar vorzeitig abgebrochenen Verkehrsversuchs "Ottensen macht Platz" hatten stets für Anwohnerparken geworben. Damit könne zum einen der Verkehr für die Suche nach einem Parkplatz reduziert werden, zum anderen hätten Anwohner deutlich mehr Chancen, einen Parkplatz in der Nähe ihrer Wohnung zu finden.

Viele Geschäftsleute hatten zudem in den vergangenen Monaten beklagt, dass die Halteverbote etwa in der Ottenser Hauptstraße zu wenig kontrolliert werden. Eine klassische Parkschein-Regelung könne bei entsprechender Überwachung dazu führen, dass Kunden ihre Parkplätze zügig wieder räumen.

Scheitert autofreies Ottensen an Corona?

Die weitere Zukunft der Verkehrssituation im Quartier bleibt indes weiter offen. Nach den erfolgreichen Eilanträgen von Anliegern gegen den Verkehrsversuch hatte die Bezirksversammlung mit den Stimmen von Grünen und CDU im Februar beschlossen, das Kerngebiet von Ottensen auf Dauer in eine autoarme Zone zu verwandeln.

Die Verwaltung arbeitet nun an einem ersten Konzept. Allerdings kann der Bezirk angesichts der geschätzten Kosten von mindestens einer Million Euro aus eigenen Mitteln die Umbaumaßnahmen kaum stemmen. Die Frage bleibt, ob und in welcher Höhe der Senat angesichts der immensen Corona-Ausgaben noch bereit ist, solche Projekte entsprechend zu fördern.

Forderung: Temporäre Radwege in der Krise

Die Initiative Ottenser Gestalten, die den Verkehrsversuch positiv begleitet hat, hat sich inzwischen einer bundesweiten Initiative für neue Mobilität in Zeiten der Pandemie angeschlossen. In einem Offenen Brief an Bezirksamtschefin Stefanie von Berg schreibt das Bündnis: "Der Straßenverkehr sollte bei der Bewältigung der Coronakrise unbedingt mitgedacht werden. Alle Menschen müssen sich fortbewegen können, ohne eine Ansteckung oder einen Verkehrsunfall zu riskieren. Viele haben kein Auto und müssen trotzdem weiterhin zur Arbeit kommen, Einkäufe erledigen oder sich um hilfsbedürftige Menschen kümmern."

Auf dem Rad und zu Fuß sei das Infektionsrisiko sehr viel geringer als bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Deshalb sollten auf Straßen wie der Barnerstraße und der Behringstraße temporär Radwege eingerichtet werden, Wohnstraßen wie die Klausstraße und die Eulenstraße sollten in Fahrradstraße umgewidmet werden, die Ottenser Hauptstraße und die Bahrenfelder Straße temporär autofrei werden.

Bewohnerparken in Schanze und Karoviertel

Unterdessen werden am 5. Mai wie berichtet in der Sternschanze und im Karolinenviertel zwei neue Bewohnerparkquartiere eingeführt. Anwohner können Jahres-Bewohnerparkausweise online für 25 Euro oder direkt beim Landesbetrieb Verkehr für 30 Euro beantragen.

Wer sein Auto ohne einen solchen Ausweis in den betreffenden Straßen abstellen will, braucht zwischen 9 und 24 Uhr einen Parkschein (Parkgebühr: 2 Euro je Stunde, maximal drei Stunden).

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