Klein Borstel

Behörde verweist Heimatverein vom städtischen Grundstück

Heimatverein Klein Borstel muss die Container vom städtischen Grundstück an den Alsterwiesen räumen. Der ehemaliger Vorsitzender Manfred Thiele (v.l.), der Erste Vorsitzende Arnold Meinecke und Vereinsmitglied Renè Lüben haben dafür kein Verständnis.

Heimatverein Klein Borstel muss die Container vom städtischen Grundstück an den Alsterwiesen räumen. Der ehemaliger Vorsitzender Manfred Thiele (v.l.), der Erste Vorsitzende Arnold Meinecke und Vereinsmitglied Renè Lüben haben dafür kein Verständnis.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE

Bezirksamt Nord fordert Verein auf, zwei Container mit Theater-Requisten zu entfernen. Der weiß nicht wie und wohin damit.

Hamburg. Für den Heimatverein Klein Borstel mit seinen mehr als 800 Mitgliedern war die E-Mail, die das Bezirksamt Hamburg-Nord Ende vergangener Woche geschickt hat, ein Schock. Bis Ende April soll der Verein die Container von einem Gelände des Bezirks räumen. Dabei stehen die zwei Übersee-Container bereits seit den 1990er Jahren auf dem Gelände nahe der Alsterwiesen an der Wellingsbütteler Landstraße.

"Plötzlich war das Grundstück, auf dem die Container stehen, neu eingezäunt", sagt Arnold Meinecke, Erster Vorsitzender des Heimatvereins. "Der Verein besitzt keinen Schlüssel, um das neue Tor zu öffnen." In den Containern lagert der Heimatverein Requisiten für seine Laienspielgruppe Speeldeel. Bühnenbild und Kostüme werden für aktuell geplante Veranstaltungen benötigt. Die Speeldeel besteht seit 1952 und hat seitdem fast 60 plattdeutsche Theaterstücke inszeniert mit mehr als 300 Aufführungen.

Schwäne wurden gestört, Müll abgeladen

Die Fachämter für Stadtgrün gemeinsam mit dem Fachbereich für das Hamburger Schwanenwesen haben den Zaun errichten lassen. Begründet wurde die Maßnahme damit, dass es in der Vergangenheit immer wieder zu "Störungen und Verängstigungen der im Nachbargebäude untergebrachten Schwäne" gekommen sei, wie aus der Mail hervorgeht. Außerdem seien am Gebäude des Schwanenwesens Fensterscheiben zerstört, Türen, Rolltore und Hauswände mit Graffiti beschmiert und auf dem dazugehörigen Gelände Müll abgeladen worden.

"Für uns ist es unbegreiflich, dass wir Störenfriede sein sollen", sagt Arnold Meinecke. Man sei maximal acht Mal im Jahr an den Containern. Was ihn noch stört: Warum müssen sie gerade jetzt in der Coronakrise das Grundstück räumen? "Das Bezirksamt zeigt sich bislang wenig kooperativ", sagt auch Manfred Thiele. Er ist Ehrenmitglied des Vereins und leitete diesen jahrelang. In seiner Zeit als Vorsitzender in den 90er Jahren wurden die Container in Absprache mit dem damaligen Bezirksamtsleiter angeschafft und aufgestellt. "Es mangelt uns an Alternativen. Der Verein verfügt über keine geeigneten Räume für die Lagerung der Requisiten."

CDU-Politikerin kritisiert Bezirksamt Nord

Bezirksabgeordnete Klein Borstel. Damals sei die Vereinbarung mit dem Verein noch per Handschlag mit dem damaligen Bezirksamtsleiter besiegelt worden, so die Politikerin. Heute sei das im „,Grünen' Bezirksamt Hamburg-Nord bedeutungslos". Dass das Amt eine so kurzfristige Räumung verlange, sei vollkommen unangemessen in dieser Krisenzeit, so Lütjens. Eine neue Umzäunung des Geländes mache es dem Heimatverein unmöglich, derzeit zu ihrem Eigentum zu gelangen. „Dieses Vorgehen ist vollkommen inakzeptabel“, kritisiert Lütjens, „da wird ein Verein vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne dass im Vorwege nach einer gemeinsamen Lösung gesucht wurde."

So bald kann der Heimatverein die Container nicht fortschaffen. Lütjens sagt: „Der Heimatverein hat überhaupt keine Flächen, um die Container aufzustellen. Wie soll das gehen?“ Dass will die Abgeordnete nun auch vom Bezirksamt Hamburg-Nord wissen und schickte eine Anfrage an die Verwaltung. „Der Verein mit seiner Laienspielgruppe Speeldeel hat in den vergangenen 50 Jahren zum kulturellen Leben in Klein Borstel einen wesentlichen Beitrag geleistet. Durch die Corona-Allgemeinverfügungen musste auch bei ihm der Spielbetrieb ausgesetzt werden. Jetzt fehlen hier die Einnahmen, der bereits geplanten Veranstaltungen“, so Martina Lütjens.

Schwanenvater nutzt das Gelände

"Die Container sind getragen von Wünschen aus dem politischen Raum vor vielen, vielen Jahren mit Duldung des Bezirksamts dort aufgestellt worden – immer mit der Ansage, dass es sich um ein Provisorium handelt, das spätestens mit der Herrichtung der Fläche als Ausgleichsfläche enden würde", sagt Daniel Gritz, Pressesprecher vom Bezirksamt Nord.

In der letzten Zeit sei es auf dem Gelände vermehrt zu Sachbeschädigungen gekommen, die das Bezirksamt noch nicht einordnen kann. "Gleichzeitig wird das Gelände vom Schwanenvater Olaf Nieß genutzt unter anderem zur Rekonvaleszenz (Anm. der Redaktion: Genesung) von Tieren, wenn die Kapazitäten an der Dienststelle in Eppendorf erschöpft sind oder bei der Aufzucht von Schwanenküken unter erforderlichen, besonders geschützten Bedingungen." Das Bezirksamt befindet sich nun im Austausch mit dem Verein, die Container woanders zu deponieren.