Segeberger Geheimnisse

Die Geschichte des Herrenhauses in Borstel

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Frank Knittermeier
Axel Lohr hat die Geschichte des Herrenhauses und des Gutes Borstel recherchiert. Das Haus wurde 2016 für sieben Millionen Euro restauriert.

Axel Lohr hat die Geschichte des Herrenhauses und des Gutes Borstel recherchiert. Das Haus wurde 2016 für sieben Millionen Euro restauriert.

Foto: Frank Knittermeier

Viele Ereignisse sind mit der Zeit in Vergessenheit geraten. Das Abendblatt geht auf Spurensuche und hat interessante Geschichten entdeckt.

Borstel.  Majestätisch steht es in einem waldreichen Landschaftspark: Das Herrenhaus Borstel ist ein imposanter spätbarocker Bau, der, ganz ungewöhnlich für Schleswig-Holstein, viele Rokokoelemente enthält. Allgemein gilt es als einer der wenigen Rokokobauten des Landes.

Und ein gemauertes Wappen direkt über dem Eingang deutet an, dass hier einst zwei bedeutende schleswig-holsteinische Familien vereint wurden: Das Allianzwappen zeigt, dass Friedrich von Buchwaldt (1697-1761) mit Henriette Emilie von Holstein (1714-1774) verheiratet war. Es ist eine Verbindung (Allianz) beider Familienwappen.

Friedrich von Buchwaldt hatte das Herrenhaus Ende der 1740er-Jahre bauen lassen, nachdem im Jahr 1737 das alte Herrenhaus an anderer Stelle abgebrannt war. Der Bauherr war in der sogenannten Großfürstlichen Zeit, als die herzoglichen Anteile Holsteins aus Russland regiert wurden, einer der führenden Politiker des Landes. Er stand bis etwa 1747 im Dienst des dänischen Königs, war zunächst Kammerjunker, dann Kammerherr und Landrat. Der in Hamburg lebende Heimatforscher Dr. Dr. Axel Lohr geht in seinem 2014 erschienenen Buch über die Geschichte des Gutes Borstel ausführlich auf das Herrenhaus ein. Diese Geschichte selbst ist lang und vielschichtig und kann hier nur gestreift werden. Wer sich darauf einlässt und tief eintaucht, erfährt viel über das Leben in früheren Jahrhunderten.

Die Gutsherren besaßen rechtliche Privilegien, auch hatten sie fast unkontrollierte rechtliche und ökonomische Machtbefugnisse. Dadurch waren die adeligen Güter in Schleswig-Holstein nach innen kleine Staaten im Staat, die nach außen abgeschottet waren.

Axel Lohr: „Das Borsteler Herrenhaus stand mit seinen schlossartigen Ausmaßen stets im Mittelpunkt des Gutes.“ Es wurde im Jahr 1751 vollendet – diese Jahreszahl ist auch über dem Eingangsportal des Gebäudes zu erkennen. Wer damals der Architekt war, ist nicht bekannt. Selbst Axel Lohr, der jahrelang in Archiven recherchiert hat, mag sich nicht festlegen: „Über den Architekten gibt es viele Spekulationen, aber letztlich steht nicht fest, wer es war.“

Der Prunk des Herrenhauses ist einmalig im Land

Fest steht indessen, dass hier im Laufe von 14 Jahren Großes in vielerlei Hinsicht geschaffen wurde. Das zweigeschossige Herrenhaus hat eine Länge von 48 Metern und eine Tiefe von 16 Metern. In Schleswig-Holstein gibt es nur wenige Gebäude, die es an Prunk mit dem Herrenhaus Borstel aufnehmen können. Im Kreis Segeberg ist es einzigartig.

Heute Kultur- und Kommunikationszentrum, hatte das Gebäude zuvor eine wechselhafte Nutzung: 1930 wurde es ein Kindererholungsheim, danach war es unter den Nationalsozialisten Ausbildungsstätte für den weiblichen Arbeitsdienst und nach dem Zweiten Weltkrieg Auffanglager für Flüchtlinge.

Nach der Gründung des Forschungszentrums Borstel im Jahre 1947 diente das Herrenhaus als Laborgebäude, Bibliothek, Kantine und Repräsentationsstätte. Heute ist das Herrenhaus im Eigentum des Forschungszentrums Borstel. Der ehemals als Barockgarten angelegte und später zum Landschaftsgarten umgewandelte Garten ist in seiner Grundstruktur erhalten, gehörte einst zu den bedeutendsten Anlagen dieser Art in Schleswig-Holstein und ist als Natur- und Kulturdenkmal für Besucher geöffnet. Das sehenswerte Allianzwappen der Familien von Holstein und von Buchwaldt ist von außen gut zu sehen: Es ist genau über dem Haupteingang mit großen Portal angebracht. Der bekrönte Bärenkopf gehört zur Familie von Buchwaldt.

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