Hamburg

Hamburger Kreuzfahrtschiff vor Venezuela beschossen

| Lesedauer: 3 Minuten
Die "RCGS Resolute" (hier 2019 im Hafen von Valparaiso) hieß früher "Hanseatic" und fuhr für Hapag-Lloyd Cruises um die Welt.

Die "RCGS Resolute" (hier 2019 im Hafen von Valparaiso) hieß früher "Hanseatic" und fuhr für Hapag-Lloyd Cruises um die Welt.

Foto: imago/Aton Chile

Ex-"Hanseatic" laut Hamburger Eignern vor La Tortuga gerammt und beschossen – Marineschiff aus Venezuela zerschellt und sinkt.

Hamburg. Früher hieß sie "Hanseatic" und fuhr für Hapag-Lloyd Cruises von Hamburg aus um die Welt. Heute heißt das Kreuzfahrtschiff "RCGS Resolute", gehört weiterhin einer Hamburger Stiftung, fuhr bis vergangenen Herbst für die insolvente kanadische Kreuzfahrtreederei "One Ocean Expeditions", lag – wohl wegen unbezahlter Rechnungen – für Monate im Hafen von Buenos Aires, und war vor wenigen Tagen in einen Konflikt mit der venezolanischen Marine verwickelt.

Was genau vor der Küste Venezuelas in der Nacht zum Montag passiert ist und weswegen, darüber gehen die Schilderungen erheblich auseinander: Die venezolanische Regierung teilte am Dienstag mit, die unter portugiesischer Flagge fahrende "RCGS Resolute" sei illegal in die Hoheitsgewässer des Landes eingedrungen. Daraufhin sei die Besatzung von der Küstenwache aufgefordert worden, das venezolanische Patrouillenboot "Naiguatá" in den Hafen von Margarita zu begleiten.

Der Verteidigungsminister Venezuelas, Vladimir Padrino López, teilte mit, die "Resolute" habe die "Naiguatá" daraufhin gerammt, "was ihren Untergang verursachte". Die Schiffbrüchigen seien von der "Resolute" nicht gerettet worden, die Küstenwache hätte die im Meer Treibenden aufnehmen müssen, während sich das Hamburger Kreuzfahrtschiff in Richtung Curacao entfernt habe. An Bord der "Resolute" befänden sich 160 Menschen, in der offiziellen Mitteilung heißt es weiter, die Regierung schließe nicht aus, dass das Schiff "Söldner transportiere, um Militärstützpunkte in Venezuela anzugreifen".

Hamburger Eigner: "Resolute" war in internationalen Gewässern

Völlig anders klingt die am Mittwoch veröffentlichte Mitteilung der Hamburger Firma Columbia Cruise Services, die die "RCGS Resolute" managt und der sich der Vorstand der Eigner-Stiftung (der 2006 vom inzwischen verstorbenen Unternehmer-Ehepaar Günter und Lieselotte gegründeten "G. u. L. Powalla Bunny's Stiftung") am Freitag auf Abendblatt-Anfrage anschließt: Dort heißt es, die "Resolute" sei auf einer Leerfahrt nach Curacao gewesen und habe sich zum Zeitpunkt des Zwischenfalls in internationalen Gewässern befunden.

An Bord seien laut Stiftungsvorstand Roman Bruhn keine Passagiere, da die Reederei seit einiger Zeit insolvent sei. Auf dem Schiff befinde sich nur eine 32-köpfige Crew mit einem schwedischen Kapitän. Diese sei von der venezolanischen Marine plötzlich angewiesen worden, dem Patrouillenboot "Naiguatá" in den Hafen von Margarita zu folgen. Als die "Resolute"-Besatzung nicht sofort Folge geleistet habe, sei das Schiff beschossen und gerammt worden, "anscheinend, um eine Kursänderung in Richtung venezolanischer Hoheitsgewässer" zu erzwingen, so Columbia Cruise Services.

Frühere "Hanseatic" von Marine beschossen

Auch Bruhn bestätigte im Gespräch mit dem Abendblatt, dass die frühere "Hanseatic" beschossen worden sei. Was die venezolanische Marine unterschätzte, war die höchste Eisklasse E 4 für Passagierschiffe, mit der die "Resolute" ausgestattet ist. Die Folge, so Bruhn: "Die Marine hat ihr eigenes, 300 Millionen Dollar teures Schiff versenkt."

Die "Resolute" habe ihre Position noch für eine Stunde gehalten und erst nach Rücksprache mit der internationalen Rettungsleitstelle in Curacao den Ort des Vorfalls verlassen und Kurs auf Curacao genommen. Seit Dienstagmittag liegt die "RCGS Resolute" im Hafen von Willemstad auf der Insel Curacao, die zu den Niederlanden gehört. Wie es nun mit dem fast 30 Jahre alten Schiff weiter geht, ist nach der Insolvenz der Reederei und angesichts der Corona-Krise ungewiss. Stiftungsvorstand: Roman Bruhn: "Das ist völlig offen."

Günter und Lieselotte Powalla waren ein Hamburger Unternehmer-Ehepaar, das sich auch als Mäzene engagierte. Beide fühlten sich der Hauptkirche St.Michaelis eng verbunden. Derzeit entsteht dort ein Besucherzentrum, das den Namen "Powalla-Forum" tragen soll.

( josi/esh )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg