Newsblog für Norddeutschland

Hamburgs erstes Testzentrum gescheitert – wegen der Behörde

Mit einem Abstrichstäbchen nimmt ein Arzt eine Proben in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. In Hamburg wird es vorerst weiter keines dieser Zentren geben.

Mit einem Abstrichstäbchen nimmt ein Arzt eine Proben in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. In Hamburg wird es vorerst weiter keines dieser Zentren geben.

Foto: Jens Büttner / dpa

Tschentscher äußert sich über Lockerung der Maßnahmen. Corona-Patienten aus Italien in Hamburg gelandet. Sieben Prozent neue Fälle.

Hamburg. Mehr als 2000 Infizierte und vier Tote ist die bisherige Bilanz der Coronakrise in Hamburg. Mit einem Impfstoff ist zwar kurzfristig nicht zu rechnen – dafür erklärt Prof. Dr. Marylyn Addo vom UKE, dass es bereits mehrere Kandidaten für ein Heilmittel gibt, deren Wirksamkeit gegen Sars-CoV-2 nun erforscht werden soll. Im Hamburger Umland bekommen derweil Ferienhausbesitzer aus der Hansestadt Probleme. Am Schaalsee wurden Hamburger von der Polizei aufgefordert, binnen drei Stunden ihr Haus zu verlassen, sonst würden sie, so ein Beamter wörtlich, "in Schutzhaft genommen".

Der Newsblog für Hamburg und den Norden:

Tschentscher: Lockerung der Maßnahmen nur schrittweise

Wann können die Maßnahmen, die das öffentliche Leben in der Coronakrise so massiv einschränken, wieder gelockert werden? Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher warnte davor, den Menschen zu früh Hoffnung zu machen. „Wir dürfen nicht nach dem Bauchgefühl von Politikern entscheiden. Wir müssen auf Grundlage der besten Experteneinschätzungen rational vorgehen“, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend beim ARD-Polittalk "Anne Will".

Von Spekulationen über einen möglichen Zeitpunkt, wann die Allgemeinverfügungen wieder zurückgenommen werden könnten, hält er nicht viel. „Wir dürfen keine falschen Signale und Erwartungen in die Welt setzen. Wir befinden uns nach wie vor in einer sehr ernsten Lage und müssen jetzt die Nerven behalten.“

Tschentscher geht davon aus, dass eine Lockerung der Maßnahmen wenn dann nur schrittweise erfolgen könne. Eine sofortige Aufhebung aller Verfügungen sei „zu riskant“, sagte er. „Wir müssen mit Ruhe und Vernunft überlegen, zu welchem Zeitpunkt wir wieder verantwortungsvoll aussteigen können."

Hamburgs erstes Testzentrum gescheitert

Eigentlich hätte am Dienstag Hamburgs erstes Corona-Testzentrum den Betrieb aufnehmen sollen. Doch nun folgte das Aus: Das Gemeinschaftsprojekt der Bergedorfer Ärzte, des Bethesda Krankenhauses und eines Projektentwicklers, der Räume unentgeltlich zur Verfügung stellte, ist am Veto der Gesundheitsbehörde gescheitert. „Wir bekommen keinerlei behördliche Unterstützung mehr. Damit sind alle kurzfristig anberaumten Verträge für die Fläche – einen Parkplatz an der Straße Am Schleusengraben – sowie Lager und Logistik hinfällig“, sagt der Arzt Gregor Brinckmann, Vorstandsmitglied des Hamburger Hausärzteverbandes.

„Die Kassenärztliche Vereinigung ist derzeit in der Lage, alle medizinisch notwendigen Tests durchzuführen“, stellte Gesundheitsbehörden-Sprecher Dennis Krämer klar. „Es besteht insofern aktuell kein medizinischer Bedarf für Testzen­tren.“ Dennoch seien die mehrmals von der Gesundheitssenatorin angekündigten Zentren nach wie vor „möglich“.

Corona-Patienten aus Italien landen in Hamburg

Kurz nach 18 Uhr landete der A310 der Luftwaffe auf dem Rollfeld am Hamburger Flughafen, wo Rettungswagen und Notärzte schon warteten. An Bord waren sechs schwer kranke Patienten aus der norditalienischen Stadt Bergamo, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Am Airport wurden deshalb höchste Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Nun werden je zwei Patienten in den Bundeswehrkrankenhäusern in Hamburg, Westerstede (Niedersachsen) und Koblenz (Rheinland-Pfalz) intensivmedizinisch behandelt.

Der Transport steht offenbar in keinem Zusammenhang mit der avisierten Behandlung von Italienern und Franzosen in Hamburg. Zehn Italiener mit schwerem Infektionsverlauf sollen in der Asklepios Klinik Harburg aufgenommen werden, zwei Franzosen im UKE.

Abstand! Hamburg ändert HVV-Fahrpläne

Damit Fahrgäste des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) in der Coronapandemie ausreichenden Sicherheitsabstand halten können, vergrößert die Stadt vom kommenden Mittwoch (1. April) an das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln. Das gab die Verkehrsbehörde am Sonntagnachmittag bekannt. Die Maßnahmen im Einzelnen.

  • Auf einzelnen Buslinien werden zu Stoßzeiten zusätzliche Fahrten eingeführt. Das betrifft den Airbus-Zubringer X86 sowie die Linien 12, 13, 29, 130, 153 und 230.
  • Der S-Bahn-Verkehr der Linie S3/S31 über die Elbe wird „stabil“ mit Vollzügen von jeweils sechs Waggons gewährleistet.
  • Die S-Bahn-Linien S1 (Poppenbüttel/Flughafen–Wedel) und S21 (Bergedorf–Elbgaustraße) werden ausschließlich mit durchgängigen Fahrzeugen bedient, damit sich die Fahrgäste besser in den Zügen verteilen können.
  • In Bahnhöfen achten zusätzliche Mitarbeiter darauf, dass die Fahrgäste den Mindestabstand zueinander einhalten.

Im Gegenzug gelten folgende Einschränkungen:

  • Die Verkehrsbetriebe dürfen auf weniger ausgelasteten Buslinien die Zahl der Fahrten verringern, um das zusätzliche Angebot gewährleisten zu können.
  • Auf Verstärkerlinien wie die S11 zwischen Poppenbüttel und Blankenese wird vorübergehend verzichtet.
  • Schnellbahnen verkehren in den Wochenendnächten (sonnabends und sonntags jeweils von 1.00 bis 5.30 Uhr) nur noch eingeschränkt. Die U-Bahn-Linie U3 wird nach 0 Uhr von einem Zehn- auf einen 20-Minuten-Takt umgestellt.

Corona-Angebot: Taxi und Moia zu Sonderkonditionen

Wer zwischen 0 und 6 Uhr aus wichtigen Gründen (!) auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, kann spätestens vom 1. April an eine Fahrt mit dem Taxi oder mit einem Moia-Sammeltaxi zu Vorzugskonditionen buchen. Bis zu 1000 Fahrzeuge stehen für dieses Angebot bereit. Inhaber eines HVV-Tickets zahlen für ein Taxi einen Aufpreis von vier Euro (ohne Ticket acht Euro), Moias können bei diesem Angebot kostenlos genutzt werden. Ohne HVV-Ticket kosten die Fahrten acht bzw. vier Euro.

Begleitete Kinder unter 14 Jahren fahren kostenlos. Bis zu zwei Personen können mitgenommen werden. Die Fahrten können über die App oder die Funkzentrale gebucht werden.

Schleswig-Holstein: Zwei neue Corona-Tote

In Schleswig-Holstein sind zwei weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet worden. Es handelt sich um eine Person aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde, wie die Landesregierung mitteilte. Im Kreis Pinneberg starb ebenfalls ein Mensch, der wegen seines fortgeschrittenen Alters zu einer Hochrisikogruppe gehörte und an Vorerkrankungen litt. Damit hat sich die Zahl der Todesfälle im Land auf sieben erhöht. Dazu zählt auch ein Hamburger Feuerwehrmann, der als Tourist in Ägypten war und in Schleswig-Holstein lebte. In Hamburg liegt die Zahl der Corona-Toten seit Sonnabend bei vier.

Die Zahl der bestätigten Infektionen ist in Schleswig-Holstein auf 1007 gestiegen. Das waren 90 mehr als einen Tag zuvor. 117 Personen sind oder waren demnach seit Beginn der Pandemie in klinischer Behandlung – 14 mehr als im Vergleich zum Vortag. Berücksichtigt sind bei den Zahlen der Regierung bis einschließlich Samstag gemeldete Fälle. Die Anzahl inzwischen genesener Personen ist demnach nicht meldepflichtig und daher nicht statistisch erfasst.

143 neue Coronafälle in Hamburg

Nachdem seit Sonnabend 143 weitere Coronafälle in Hamburg bekannt geworden sind, liegt die Zahl der mit Sars-CoV-2 infizierten Hamburger jetzt bei 2078. 149 Menschen liegen mit einer Covid-19-Erkrankung in Kliniken, 40 werden intensivmedizinisch betreut. Neue Todesfälle durch das Virus meldet die Gesundheitsbehörde nicht. Damit flacht die Kurve der Neuerkrankungen wie erhofft ab. Vor zwei Wochen stieg die Zahl der Fälle pro Tag noch um gut 33 Prozent, am Sonntag waren es nur noch sieben Prozent.

Vor einer Woche, am 22. März, galten in Hamburg 887 Menschen als erkrankt, 51 wurden im Krankenhaus behandelt, davon zehn auf der Intensivstation. Die Stadt treffe derzeit "Vorkehrungen, um einen Anstieg stationärer und intensivpflichtiger Erkrankungsfälle gut zu bewältigen", heißt es aus der Gesundheitsbehörde.

Zwar hat die Stadt erneut Schutzausrüstung für Ärzte, Pflege- und Rettungskräfte vom Bund und aus Spenden erhalten und erwartet weitere Lieferungen durch das Bundesgesundheitsministerium. Trotzdem bittet die Gesundheitsbehörde weiter um Spenden von Unternehmen, die Ausrüstung wie OP-, FFP2- und FFP3-Masken, Overalls, Schutzbrillen und -kittel vorhalten und derzeit selbst nicht benötigen. Wer Spenden abgeben möchte, kann sich unter corona-firmenspende@bgv.hamburg.de mit der Gesundheitsbehörde in Verbindung setzen.

Freiwillige aus Gesundheitsberufen sind ebenfalls weiter aufgerufen, sich bei der Stadt zu melden. Auf einer speziell eingerichteten Webseite können sich Freiwillige registrieren. Speziell gesucht sind:

  • Ärztinnen und Ärzte
  • Pflegefachkräfte mit Intensiverfahrung
  • Pflegefachkräfte (Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege)
  • Pflegehilfskräfte
  • Medizinstudierende

Firmen und Institutionen sind angehalten, zu prüfen, ob sie Personal aus den oben genannten Berufsbildern beschäftigen und freigestellt werden können.

Coronavirus: UKE-Pressekonferenz mit Prof. Dr. Marylyn Addo
Coronavirus: UKE-Pressekonferenz mit Prof. Dr. Marylyn Addo

300 weitere Coronafälle in Niedersachsen

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen ist in Niedersachsen weiter gestiegen. Bis Sonntag (Stand 14.00 Uhr) wurden 3783 bestätigte Infektionen gezählt, 300 mehr als am Samstag, wie das Gesundheitsministerium in Hannover mitteilte. Bislang sind in Niedersachsen 27 Menschen, die mit dem Virus infiziert waren, gestorben. Das Gesundheitsministerium geht auf Grundlage einer Hochrechnung davon aus, dass 345 Betroffene wieder genesen sind. In Bremen waren bis Samstag (16.00 Uhr) 278 bestätigte Fälle gezählt worden. Das waren 15 mehr als am Freitag. 259 Infektionen betrafen die Stadt Bremen. In Bremerhaven wurden 19 Infektionen bestätigt. Zwei Menschen sind nach einer Infektion mit dem Virus gestorben.

Airbus holt Millionen Schutzmasken aus China

Airbus holte am Wochenende erneut Schutzmasken nach Europa. Mehr als vier Millionen Stück seien es gewesen, so der Konzern. Mitarbeiter luden sie am Freitag im chinesischen Werk in Tianjin in einen A330. Am Sonnabend landete die Maschine in Spanien. Die Masken sollen in Deutschland, Frankreich, Spanien und England verteilt werden. Auch in den Tagen zuvor hatte Airbus solche Hilfsflüge bereits durchgeführt.

Grote droht, Coronainfizierte in Gewahrsam zu nehmen

Vorerst letzter A380-Linienflug der Lufthansa

Es könnte eine historische Landung gewesen sein: Am Sonntag um 6.14 Uhr setzte auf dem Frankfurter Flughafen der Lufthansa-A380 mit der Kennung „D-AIMM“ auf. „Das war der vorerst letzte Linienflug eines A380“, sagte ein Lufthansa-Sprecher dem Abendblatt. Die Maschine war elf Stunden und elf Minuten zuvor in Bangkok gestartet. An Bord waren 459 Passagiere und 24 Crew-Mitglieder.

Die Kranich-Linie streicht aufgrund der Coronapandemie ihren Flugplan zusammen. Nur noch fünf Prozent der ursprünglich geplanten Flüge finden statt. Wegen der stark eingebrochenen Nachfrage verzichtet der DAX-Konzern zumindest in den nächsten Wochen auf den Riesen-Airbus. Wie lange der Flugzeugtyp aus dem Betrieb genommen werde, sei offen, sagte der Sprecher. Die Maschinen werden an den Flughäfen Frankfurt und München geparkt. Mit der „D-AIMM“ und der „D-AIMJ“ sollen aber zwei A380 für Charterflüge weiter zur Verfügung stehen, um gestrandete Touristen bei Anfragen zurückzufliegen.

Experten bezweifeln, ob es in der neuen Luftfahrtwelt – nach der Coronakrise – noch Platz für das größte Passagierflugzeug der Welt gibt. „Ob die Lufthansa den A380 wieder in den Betrieb nimmt, muss man in Frage stellen“, sagte der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt dem Abendblatt. Den Riesen-Jet vollzubekommen, dürfte lange Zeit sehr schwer werden.

Hamburger Jobmesse findet online statt

Statt in einer Veranstaltungshalle präsentiert sich in der Corona-Krise eine Hamburger Job-, Aus- und Weiterbildungsmesse erstmals in der virtuellen Welt. Unter der Internetadresse jobwoche.de/live werde es am Dienstag (31.3.) eine Live-Sendung sowie virtuelle Messestände (9.00 bis 14.00 Uhr) und Videochats geben, teilten die Veranstalter mit.

Schüler, Studenten, wechselwillige Fachkräfte, Wiedereinsteiger und Arbeitsuchende könnten kostenlos mit rund 100 Unternehmen sowie Bildungsträgern und Behörden in Kontakt kommen. Darunter sind Firmen von A wie ALD Autoleasing bis W wie WISAG Gebäudetechnik Nord. Aber auch das Deutsche Rotes Kreuz Hamburg, die Diakonie, die Feuerwehr, die Bundespolizei und die Leuphana Universität Lüneburg sind im online vertreten.

Therapeuten fürchten um ihre Existenz

In der Coronakrise schlägt auch der Spitzenverband der Heilmittelerbringer Alarm: Wenn Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen beim Rettungspaket der Bundesregierung nicht berücksichtigt würden, drohe vielen das Aus. Weil immer mehr Patienten ihre Termine absagen, geraten diese Berufsgruppen zunehmend wirtschaftlich unter Druck.

Um die finanziellen Verluste abzufangen, fordert der Verband für alle Praxen Ausgleichszahlungen von der gesetzlichen Krankenversicherung oder, dass die Heilmittelerbringer auch unter den Rettungsschirm der Regierung gestellt werden.

Landwirtschaftskammer findet Erntehelfer

Die niedersächsische Landwirtschaftskammer teilt mit, dass sich bereits rund 1000 Menschen ihre Mitarbeit als Erntehelfer auf der Online-Plattform Agrarjobbörse, einem gemeinsamen Portal der deutschen Landwirtschaftskammern, angeboten haben. Infolge der Coronakrise haben viele landwirtschaftliche Betriebe große Schwierigkeiten Erntehelfer zu finden – auch, weil derzeit ein Einreiseverbot für Hilfskräfte aus anderen Staaten gilt.

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen begrüßt gleichzeitig, dass die Beschäftigungsverbote für Geflüchtete in der Debatte um die fehlenden Erntehelfer zunehmend infrage gestellt würden – warnt aber davor, "dass Asylsuchende als frei verfügbare Arbeitsreserve betrachtet werden, denen man nach Bedarf, wenn es die Arbeitsmarktlage gerade verlangt, Rechte zugesteht und sie ihnen dann wieder nimmt, wenn man ihre Arbeitskraft nicht mehr benötigt“, so Sigmar Walbrecht vom Flüchtlingsrat. Einmal erteilte Beschäftigungserlaubnisse dürften nicht wieder zurückgenommen werden.

Finanzsenator: So funktioniert der Hamburger Schutzschirm

AOK bietet Stundung von Beiträgen an

Die AOK Rheinland/Hamburg verzichtet während der Coronakrise darauf, ausstehende Sozialversicherungsbeiträge mit Vollstreckungsmaßnahmen einzutreiben. Zudem bietet die Krankenkasse Firmen die Möglichkeit an, die Beiträge zu stunden oder in Raten zu bezahlen. Eine Stundung sei für die Monate März und April und unter der Voraussetzung, dass die Unternehmen auch andere Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten wie Kurzarbeitergeld und Mittel aus den Schutzschirmen in Anspruch nehmen.

Corona-Patienten aus Frankreich im UKE

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) behandelt zwei Corona-Patientinnen aus Frankreich. Sie werden intensivmedizinisch versorgt, sagte ein Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Zuvor hatte der Radiosender NDR 90,3 darüber berichtet. Die Frauen seien am Sonnabend mit dem Flugzeug nach Hamburg gebracht worden. Sie sollen aus dem Norden Frankreichs stammen. Dass die Stadt neben zehn Italienern auch zwei Patienten aus Frankreich aufnehmen wolle, war am Freitag mitgeteilt worden.

400.000 Schutzmasken für Braunschweig

Eine Ladung mit 400.000 Atemschutzmasken aus China ist am Samstag in Braunschweig angekommen. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und der VW-Personalvorstand Gunnar Kilian nahmen die im Einsatz gegen das Coronavirus dringend benötigte Fracht in Empfang. Volkswagen hatte diese erste Ladung bestellt und will nach eigenen Angaben Medizingüter für insgesamt 40 Millionen Euro beschaffen und spenden. 240. 000 Atemschutzmasken sollen an medizinische Einrichtungen im Bund gehen, 160.000 Masken an Kliniken und Ärzte in Niedersachsen. Die Verteilung werde von öffentlichen Stellen organisiert, teilte VW mit. Außer Masken sind auch Handschuhe, Desinfektionsmittel, Fieberthermometer, Schutzbrillen und Schutzanzüge bestellt.

Adidas wehrt sich gegen Kritik

Dirk Kienscherf, der Vorsitzende der SPD-Bürgerschaftsfraktion, hat harsche Kritik an den Großkonzernen Adidas, H&M und Deichmann geübt, die angekündigt hatten, wegen der Ladenschließungen infolge der Coronakrise keine Miete mehr zahlen zu wollen: In einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite schreibt der Sozialdemokrat, die Unternehmen sollten sich schämen, die Einstellung von Mietzahlungen "wäre inakzeptabel, unsolidarisch, ja asozial". Kienscherf äußerte Verständnis dafür, "dass Menschen dann zum Boykott dieser Firmen aufrufen würden". Die Gesetzesänderungen dienten zum Schutz von "sich in äußerster Not befindlichen Mieter und Mieterinnen" nicht dazu, dass Firmen sie ausnutzten.

Bereits am Sonnabend hatte die ECE-Gruppe gegenüber dem Abendblatt angekündigt, Mietzahlungen von Großkonzernen nicht stunden zu wollen. ECE betreibt allein in Hamburg sieben Einkaufszentren.

Adidas-Sprecher Jan Runau wehrte sich auf Abendblatt-Anfrage gegen die Anschuldigungen: „Es geht uns nicht darum, die Miete für den April nicht zu bezahlen. Es geht lediglich um eine Stundung.“ Der Konzern sei mit den betreffenden Vermietern in engem Austausch. Dabei handele es sich „in der Regel um große Immobilienvermarkter und Versicherungsfonds“. Sie hätten überwiegend Verständnis gezeigt. „Privatpersonen, vier an der Zahl, sind von dieser Stundung ausgenommen und erhalten Ihre April-Miete wie gewohnt“, so Runau.

Die Coronakrise treffe auch Adidas stark. Die Stundung der Miete sei eine von vielen Maßnahmen, die man zum Schutz des Konzerns und seiner 60.000 Mitarbeiter ergreifen müsse.

Hamburg hilft: Hilfsprojekte in der Stadt

Seit dem Beginn der Corona-Krise formieren sich auch in Hamburg immer mehr Hilfsprojekte, die Unterstützung in den unterschiedlichsten Lebensbereichen bieten: von der Schulhilfe bis zum ehrenamtlichen Fahrradkurier.

Spediteure befürchten Containerstau im Hafen

Die Hamburger Spediteure können einen Teil der Container aus dem Hamburger Hafen nicht mehr ausliefern, weil die Empfänger ihren Betrieb vorübergehend geschlossen haben. „Wir können das im Moment noch abpuffern, aber es wird zunehmend schwierig“, sagte Stefan Saß, Geschäftsführer des Vereins Hamburger Spediteure, der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg.

Zum Teil stauten sich Container auf den Terminals, nachdem viele Schiffe wegen der Winterstürme mit Verspätung in den Hamburger Hafen eingelaufen waren. Die Spediteure hätten dank des Seehafens somit noch gut zu tun. Das Problem seien die Empfänger der Waren, die zum Teil die Container nicht abnehmen.

In den kommenden Wochen sei mit einem abflauenden Geschäft zu rechnen, weil weniger Container aus China den Hamburger Hafen erreichen werden. Die Kapazitäten des Speditionsgewerbes seien ausreichend, um die Logistik rund um den Hafen aufrecht zu erhalten.

Notbetreuung wird bisher nur selten genutzt

Rund die Hälfte der Hamburger Schulen bieten Kindern von Eltern, die außer Haus arbeiten müssen, eine Notbetreuung an. Doch davon wird kaum Gebrauch gemacht. Nur 703 Schüler wurden nach Informationen des Abendblatts Ende vergangener Woche in den Schulen der Hansestadt betreut. Das entspricht in den Jahrgangsstufen von der Vorschule bis zur sechsten Klasse einer Quote von gerade einmal 0,64 Prozent. Ältere Kinder können in der Regel auch allein zu Hause bleiben. Von insgesamt 452 Schulen bieten 232 Schulen eine Notbetreuung an. Etwas höher ist der Anteil der Kinder, die derzeit in die Kita gehen. Die Notbetreuung in Kitas nahmen drei Prozent der Eltern in Anspruch.

Coronavirus – Die Fotos zur Krise:

Vorbild Mälzer: Kochen für Helden in Hannover

In Hannover gibt es ein gastronomisches Hilfsprojekt des Catering-Unternehmens Gastrotrends Hagedorn - 1000 Mahlzeiten spendet das Unternehmen über den hauseigenen Lieferdienst für die „Helden dieser Tage“, wie Geschäftsführer Björn Hensoldt sagt. Gemeint sind: Pflegepersonal, Ärztinnen und Ärzte, Rettungssanitäter, Kassiererinnen, Feuerwehr, Polizei und andere helfenden Hände. Vorbild sind demnach Gastronomen in Berlin und Hamburg, die sich unter dem Hashtag #kochenfuerhelden zusammengetan hätten - und die Kühlhäuser leer kochen.

Hensoldt erzählt, Auslöser sei TV-Koch Tim Mälzer gewesen, der kürzlich in der ZDF-Fernsehshow „Markus Lanz“ die Aktion erwähnte - und klarmachte, dass zwei seiner Unternehmen wegen der Krise vor der Schließung stünden. Die Lage kennt auch Hensoldt: Gastrotrends Hagedorn habe rund 80 Festangestellte - alle in Kurzarbeit -, dazu Teilzeitkräfte und Aushilfen in gleicher Anzahl.

Nach Angaben von Unternehmensleiter Stephan Hagedorn umfasst das neu geschaffene Netzwerk rund 140 Partner, darunter etwa 120 Gastronomen. Als ehrenamtliche Köche seien etwa die eigenen Mitarbeiter gewonnen worden, erzählt Hensoldt. „Unseren Köchen wird es langweilig zuhause.“ Er sagt aber auch, man könne nicht jedes Krankenhaus und jeden Supermarkt versorgen - es gehe um „punktuelle Unterstützung und Hilfeleistung“. Die Alternative wäre, die Lebensmittel zu entsorgen.

Großes Interesse am Corona-Konzert von Joja Wendt

Im Rahmen der digitalen Kulturreihe vom Hamburger Abendblatt spielte der Hamburger Pianist Joja Wendt am Sonnabend ein Online-Konzert. Wer die Premiere verpasst hat, kann sich den Auftritt hier noch einmal ansehen.

Corona-Kontaktregeln größtenteils eingehalten

Auch wenn das schöne Frühlingswetter zu Beginn der Sommerzeit am Sonntag in Schneeregen umgeschlagen ist, wird weiter kontrolliert, ob die Kontaktbeschränkungen in Schleswig-Holstein und Hamburg eingehalten werden. Am Sonnabend haben sich die Menschen im Norden nach Angaben der Polizei zum größten Teil diszipliniert daran gehalten. Verstöße wurden nur vereinzelt festgestellt. Auch der Blick auf Webcams in beliebten Tourismusorten an den Küsten zeigte fast menschenleere Strände.

Mit Blick auf Diskussionen über mögliche Lockerungen der bestehenden Einschränkungen sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Sonnabend, es sei verfrüht, schon jetzt darüber zu reden. „Natürlich ist es wichtig für die Menschen, Licht am Ende des Tunnels zu sehen“, sagte Günther der Deutschen Presse-Agentur. „Politik muss aber sorgsam darauf achten, nicht Hoffnungen zu wecken, die am Ende nicht erfüllt werden können.“

Informationen aus den Behörden zum Coronavirus

  • Bürger, die Fragen zum Coronavirus haben, können sich an die 24 Stunden besetzte Hotline der Stadt melden: 040/428 284 000
  • Die Wirtschaftsbehörde hat branchenspezifische Hotlines für vom Coronavirus betroffene Unternehmen eingerichtet: Hier in der Übersicht
  • Fragen zu den Soforthilfen der Hamburger Corona Soforthilfe werden auf der Webseite der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) beantwortet. Anträge auf Unterstützung aus den Landes- und Bundesmitteln sind laut Behörde ab Montag, den 30. März möglich.