Pandemie

Hat das UKE ein Medikament gegen das Coronavirus gefunden?

Marylyn Addo leitet am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die Infektiologie-Abteilung. Sie und ihr Team arbeiten mit Hochdruck an einem Mittel gegen das Coronavirus.

Marylyn Addo leitet am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die Infektiologie-Abteilung. Sie und ihr Team arbeiten mit Hochdruck an einem Mittel gegen das Coronavirus.

Foto: Michael Rauhe

Ebola-Wirkstoff könnte Durchbruch bringen. Ein Team um Infektiologin Marylyn Addo setzt "Remdesivir" ein. Was das Mittel kann.

Hamburg. Nach Einschätzung von Virologen wird es noch lange dauern, bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar ist – möglicherweise können aber gleich zwei Medikamente helfen, den Erreger im Körper von bereits infizierten Patienten zu bekämpfen. Wie das UKE auf Anfrage bestätigte, wird in Hamburg der Einsatz des Mittels „Remdesivir“ in der Abteilung der bekannten Virologin Dr. Marylyn Addo getestet. Laut anderen Experten könnte auch die erprobte Arznei „Chloroquin“ gegen Corona wirken.

Bei dem ersteren Medikament handelt es sich um ein Präparat, das ursprünglich für die Behandlung von Ebola entwickelt wurde. Das UKE nimmt nun gemeinsam mit der Universitätsklinik Düsseldorf an einer klinischen Studie des amerikanischen Pharmakonzerns Gilead teil. In den USA hatten Ärzte einen Corona-Patienten mit „Remdesivir“ behandelt – er soll sich nach einer Infusion innerhalb kürzester Zeit erholt haben.

Corona: Virologin Marylyn Addo setzt auf „Remdesivir“

„Remdesivir“ sei ein „direkt gegen die Virusvermehrung wirkendes Medikament“, sagte Dr. Stefan Schmiedel, Facharzt für Infektiologie und Tropenmedizin im UKE, dem Abendblatt. Nach ersten Studien weise es eine hohe Wirksamkeit und Verträglichkeit auf. „Wir halten Remdesivir von allen derzeit eingesetzten experimentellen Therapien für die aussichtsreichste Substanz“, sagte Schmiedel. Die Wirksamkeit gegen Covid-19 müsse jedoch erst noch erwiesen werden. Abgesehen von der klinischen Studie setze man das Medikament aber bei „individuellen Heilversuchen“ ein.

Vom Bernhard-Nocht-Institut heißt es, dass auch das Mittel „Chloroquin“ erfolgversprechend sei. Dabei handelt es sich laut dem Virologen Prof. Jonas Schmidt-Chanasit um ein Medikament, das seit den 1930er-Jahren zur Behandlung von Malaria zugelassen sei. Es könne den Erreger Covid-19 daran hindern, sich von Zelle zu Zelle auszubreiten – und den Körper davor bewahren, sich im Falle einer Ansteckung mit einer Überreaktion selbst zu schaden.

Bei der Erprobung von „Chloroquin“ gibt es eine Kooperation des UKE mit dem Bernhard-Nocht-Institut. „Wir erwarten die Ergebnisse von klinischen Studien aus China, die weitere Hinweise auf die Wirksamkeit geben könnten“, sagte der Virologe Schmidt-Chanasit.