St. Pauli

Schilleroper: Denkmalschutzamt schreibt Aufträge aus

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Denkmalgeschützt und halb verfallen: die Schilleroper auf St. Pauli.

Denkmalgeschützt und halb verfallen: die Schilleroper auf St. Pauli.

Foto: Roland Magunia

Die letzte Frist der Behörde war am Freitag verstrichen. Die Eigentümerin hat noch kein neues Sanierungskonzept vorgelegt.

Hamburg. Die entscheidende Frist ist abgelaufen: Die Eigentümerin der Schilleroper auf St. Pauli ist der Verfügung des Denkmalschutzamtes nicht nachgekommen. Laut dieser sollte sie bis Ende Februar notwendige Sanierungsmaßnahmen zum Erhalt und Schutz des alten Zirkusbaus beantragt haben.

Bis zum vergangenen Freitag hatte die Behörde der Eigentümerin Zeit gegeben, "Maßnahmen anzuzeigen, die dazu geeignet sind, die denkmalgeschützte Stahlkonstruktion zu sichern und erforderliche Genehmigungen hierfür zu beantragen", so Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde, am Dienstagmorgen. Entsprechende Anträge habe die Eigentümerin in der vorgegebenen Frist jedoch nicht vorgelegt.

Erhalt der Schilleroper: Denkmalschutzamt bereitet Ausschreibungen vor

Das Denkmalschutzamt leite daher nun die erforderlichen Schritte ein und bereite die Ausschreibung der Leistungen weiter vor. Die Kosten, die die Behörde noch nicht abschätzen könne, würden der Eigentümerin in Rechnung gestellt. Das Denkmalschutzamt sei jedoch weiterhin offen dafür, sich mit der Eigentümerin zu einigen, um die historische Konstruktion des Gebäudes zu erhalten.

Die Eigentümerin hatte indes gegen die Sicherheitsverfügung Widerspruch eingelegt und und beim Verwaltungsgericht Hamburg beantragt, einen zeitlichen Aufschub auf Grund des Widerspruchs anzuordnen. Über diesen Eilantrag habe das Verwaltungsgericht noch nicht entschieden, so Isermann. Die Eigentümerin habe zudem bis zum 28. Februar ein Sicherungskonzept angekündigt. Dieses liege der Kulturbehörde jedoch ebenfalls noch nicht vor. Sollte dieses zeitnah eintreffen, wolle die Stadt trotz der verstrichenen Frist prüfen, ob es geeignet ist, den Zirkusbau zu erhalten.

Eigentümerin möchte Wohnraum schaffen

Die Eigentümerin verfolgte bisher eigene Pläne: Sie hatte das Gebäude 2014 erworben mit der Absicht, Wohnraum auf dem Areal zu schaffen. Die Stahlkonstruktion wollte und könnte sie laut eines Gutachtens nicht erhalten. Sie hatte vor, sie stattdessen nachzubauen. "Den Geist und die Charakteristik des Gebäudes" wolle die Eigentümerin erhalten, wie auf der Internetseite des Projekts zu lesen ist.

Zu der verstrichenen Frist wolle sich die Eigentümerin im laufenden Verfahren nicht äußern. Laut einer Sprecherin der Verwaltung seien sie jedoch im ständigen Kontakt mit den Behörden. Bereits vor dem vergangenen Wochenende hatte die Eigentümerin mehrere Fristen ignoriert. Bis Ende 2019 hätte sie eine Liste mit entsprechenden Maßnahmen gegen den Verfall des Baus vorlegen müssen.

Schilleroper ist laut Kulturbehörde "bedeutendes Denkmal"

Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert verfällt seit Jahren zusehends. Insbesondere die Stahlkonstruktion im Inneren des Gebäudes ist der Witterung ausgesetzt. Durch das löchrige Dach können Schnee und Regen in das im Jahr 1891 fertig gestellte Gebäude eindringen.

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Das Denkmalschutzamt möchte nun keine Zeit mehr verlieren. Laut Isermann handelt es sich bei dem letzten erhaltenen Zirkusbau des 19. Jahrhunderts um ein "in Hamburg und wahrscheinlich sogar in Deutschland bedeutendes Denkmal". Neben der Behörde setzt sich seit Jahren eine Bürgerinitiative für den Erhalt der ehemaligen Kulturstätte ein, die bereits seit 2006 leer steht. Über Jahrzehnte wurde der Rundbau für Theater und Opern genutzt. Seit 2012 steht die Schilleroper unter Denkmalschutz.

( cjl )

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