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Das ist die häufigste Ursache für Fehlzeiten in Hamburg

Auffällig hohe Zahlen für Hamburg: Psychische Erkrankungen blieben 2019 die häufigste Ursache für Fehlzeiten.

Auffällig hohe Zahlen für Hamburg: Psychische Erkrankungen blieben 2019 die häufigste Ursache für Fehlzeiten.

Foto: dpa Picture-Alliance

Durchschnittlich 15,2 Tage sollen Hamburger laut TK 2019 krankgeschrieben gewesen sein. Eine Diagnose kam besonders häufig vor.

Hamburg. Psychische Erkrankungen blieben 2019 die häufigste Ursache für Fehlzeiten in Hamburg: Pro Arbeitnehmer entfielen 3,5 Krankheitstage auf diese Diagnose. Das geht aus aktuellen Vorabdaten des Gesundheitsreports 2020 der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.

Laut den Daten der TK liegt Hamburg damit deutlich über dem bundesweiten Durschnitt von 2,9 Tagen. Mit 2,4 Tagen pro Kopf seien Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems die zweithäufigste Ursache von Fehlzeiten. Auf Platz Drei folgten Krankheiten des Atemsystems mit 2,3 Tagen pro Arbeitnehmer.

Ein Viertel der Hamburger Kinder und Jugendlichen sind psychisch krank

Nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Jugendliche leiden nach Angaben von DAK-Gesundheit unter einer psychischen Erkrankung oder Verhaltensstörung: Ein Viertel der Hamburger Kinder und Jugendlichen soll psychisch krank sein. Hochgerechnet seien etwa 4000 Hamburger im Alter zwischen zehn und 17 Jahren depressiv oder hätten eine Angststörung, teilte die Krankenkasse am Donnerstag mit.

Die Angaben beruhen auf dem neuen Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit, für den die Universität Bielefeld die Behandlungsdaten von mehr als 22.400 minderjährigen Versicherten aus den Jahren 2016 und 2017 auswertete.

5,1 Prozent der 15- bis 17-Jährigen leiden unter Depressionen

Demnach nahm die Zahl der von krankhaften Ängsten betroffenen Kinder und Jugendlichen im Jahr 2017 um acht Prozent zu. Die Zahl der von Depressionen Betroffenen stieg um ein Prozent. Der Leidensdruck sei besonders bei den 15- bis 17-Jährigen hoch: 5,1 Prozent von ihnen litten unter Depressionen, 3,4 Prozent an Angststörungen. Bei jüngeren Schulkindern zeigten sich vor allem Sprachstörungen und das Zappelphilipp-Syndrom ADHS.

„Die betroffenen Kinder leiden oft leise, bevor sie eine passende Diagnose bekommen“, erklärte die Leiterin der DAK-Landesvertretung, Katrin Schmieder. Sie forderte: „Wir müssen aufmerksamer werden – ob in der Familie, in der Schule oder im Sportverein – und nachhaltig helfen.“

Weniger Arbeitnehmer krank während der Erkältungswellen 2019

Insgesamt seien die Fehlzeiten leicht rückläufig. Durchschnittlich 15,2 Tage seien bei der TK versicherte Hamburger im vergangenen Jahr krankgeschrieben gewesen. Im Jahr 2018 seien es noch 15,3 Tage gewesen.

"Die Erkältungswellen Ende Februar und vor Weihnachten sorgen regelmäßig für einen Anstieg der Fehlzeiten. Im vergangenen Jahr sind diese schwächer ausgefallen. Das kann eine Erklärung für den leichten Rückgang der Fehlzeiten für das Gesamtjahr 2019 sein", so Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg.

TK bietet seit 2020 eine digitale Therapie gegen Angststörungen an

Mit einer digitalen Therapie möchte die TK dem Bedarf ihrer Versicherten an Psychotherapie entgegenkommen: Seit Beginn des Jahres bietet die Krankenkasse in Zusammenarbeit mit dem Uni-Klinikum Schleswig-Holstein die digitale Therapie zur Behandlung von bestimmten Angststörungen an.

Die Therapie mit dem Namen "Invirto" wurde vom Hamburger Start-up Sympatient entwickelt. Über eine App und mithilfe einer Virtual-Reality-Brille können Patienten nach Anleitung eines Arztes oder Psychotherapeuten weitgehend selbstständig ihre Angststörungen in den Griff bekommen.

Grundlage der Auswertung sind laut der TK die rund 5,3 Millionen versicherten Erwerbstätigen – davon rund 240.000 in Hamburg.