Sperrung für Autos

Alter Elbtunnel: Ansturm auf autofreie Attraktion

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Andreas Dey
Anjes Tjarks, Grünen-Fraktionschef in der Bürgerschaft, mit seinem Fahrrad im Alten Elbtunnel

Anjes Tjarks, Grünen-Fraktionschef in der Bürgerschaft, mit seinem Fahrrad im Alten Elbtunnel

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Seit der historische Tunnel für Autos gesperrt wurde, nutzen 80 Prozent mehr Radfahrer und 50 Prozent mehr Fußgänger die Verbindung.

Hamburg.  Ein Wahrzeichen der Stadt und eine beliebte Touristenattraktion ist der Alte Elbtunnel schon seit Jahrzehnten. Doch seit Fußgänger und Radfahrer das historische Bauwerk, das St. Pauli mit Steinwerder verbindet, für sich haben, also seit Juni 2019, sind die Nutzerzahlen noch einmal geradezu explodiert.

Beispiel Radfahrer: Hatten 2018 im Zeitraum Juni bis Dezember knapp 166.000 Radler den Tunnel durchquert, waren es im gleichen Zeitraum 2019 schon 302.000 – ein Anstieg um mehr als 80 Prozent. In einzelnen Monaten, etwa im Juli (plus 106 Prozent) und August (plus 110) hatte sich die Zahl der Radfahrer sogar mehr als verdoppelt. Im Dezember lag das Plus hingegen nur bei 18 Prozent.

Beispiel Fußgänger: Von Juni bis Dezember 2018 waren knapp 609.000 Menschen per Pedes unter der Elbe unterwegs, im gleichen Zeitraum 2019 aber schon fast 944.000 – ein Anstieg um 55 Prozent. Auch hier gilt: Während in den Sommermonaten bis zu 80 Prozent mehr Fußgänger den autofreien Tunnel nutzten, ging die Steigerung zum Herbst hin zurück und lag im Dezember nahe Null.

Alter Elbtunnel ist wiederbelebt worden

Die Daten gehen aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage von Anjes Tjarks, Grünen-Fraktionschef in der Bürgerschaft, hervor – der Entwurf liegt dem Abendblatt vor. „Es ist eine kleine Maßnahme mit einer großen Wirkung“, sagte Tjarks dem Abendblatt.

„Der nun seit acht Monaten autofreie Alte Elbtunnel als ein Wahrzeichen unserer Stadt ist im wahrsten und besten Sinne des Wortes wiederbelebt worden. Seitdem dort keine Autos mehr durchfahren, erobern Radfahrende und Fußgängerinnen und Fußgänger dieses wunderbare Wahrzeichen unserer Stadt für sich.“

Seine Bedeutung für den motorisierten Verkehr hatte der Tunnel schon lange verloren. So war die Zahl der Autos, die dort die Elbe unterquerten, von 2015 bis 2018 von 74.000 auf 38.000 gesunken. 2019, in den letzten fünf Monaten vor der Sperrung, war sogar nur noch 10.000 Kraftfahrzeuge dort unterwegs – also rund 66 pro Tag. Auf Initiative der Grünen hatten die rot-grüne Koalition daher die Sperrung beantragt – die Wirtschafts- und Verkehrsbehörde soll davon nicht gerade begeistert gewesen sein. Mit Blick auf die enormen Zuwächse sieht sich Tjarks nun bestätigt: „Der Alte Elbtunnel ist durch unsere Maßnahme zu einer attraktiven Elbquerung für den Fuß- und Radverkehr und zu einem echten touristischen Highlight geworden.“

" Es ist an der Zeit, die Verkehrswende anzupacken"

Dieses Beispiel zeige aber auch, dass wesentlich mehr Menschen Wegverbindungen nutzen, wenn der Autoverkehr nicht die zentrale Rolle spiele, so Tjarks: „Der gesamte Personenverkehr ist im Alten Elbtunnel jetzt um über 50 Prozent gestiegen.“ Während vor der Sperrung im Jahr 2018 im Zeitraum Juni bis Dezember rund 810.00 Personen zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto den Alten Elbtunnel genutzt haben, seien es zwischen Juni und Dezember 2019 insgesamt rund 1,5 Millionen gewesen.

„Die Zahlen sprechen für sich“, so Tjarks mit Blick auf den Ansatz der Grünen, den Autoverkehr in der Hamburger Innenstadt nach dem Vorbild Kopenhagens insgesamt zu reduzieren und Fußgängern und Radfahrern mehr Raum zu geben: „Es ist an der Zeit, sich zu trauen. Es ist an der Zeit, die Verkehrswende anzupacken. Die Zeit ist jetzt.“

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