Stimmungslage

Forsa-Umfrage: Verkehr ist Hamburgs Problem Nr. 1

Stoßstange an Stoßstange reihen sich die Fahrzeuge am Berliner Tor – die Bürger sind von den Staus zunehmend genervt.

Stoßstange an Stoßstange reihen sich die Fahrzeuge am Berliner Tor – die Bürger sind von den Staus zunehmend genervt.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Das Thema Verkehr und Mobilität brennt den Bürgern am meisten unter den Nägeln. Erst dann folgen Mieten und Wohnen.

Hamburg.  Die Hamburgerinnen und Hamburger lieben ihre Stadt. Die Identifikation der Bürger mit der Metropole ist ausgesprochen hoch. Doch das verstellt ihnen nicht den Blick auf die Probleme, die es im Zusammenleben in der Metropole gibt. Und auch bei der Einschätzung zur künftigen Entwicklung Hamburgs überwiegt die Skepsis.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag des Abendblatts die politische Stimmungslage bei 1009 Hamburger Wahlberechtigten mithilfe computergestützter Telefoninterviews erkundet. Dabei stellte sich heraus, dass ein Problembereich den Befragten besonders unter den Nägeln brennt: das Thema Verkehr und Mobilität.

Alle Befragten zählen die Verkehrsthematik allgemein oder einzelne Aspekte zu den größten Problemen der Stadt. Da Mehrfachnennungen der offenen Abfrage – also ohne jede Vorgabe – möglich waren, ergibt sich rechnerisch ein Wert von 101 Prozent. Und der Problemdruck hat sich deutlich verstärkt: Anfang 2019 hatten noch 86 Prozent angegeben, der Verkehr auf Straßen, in Bussen und Bahnen zähle zu den größten Problemen – eine Steigerung um 15 Prozentpunkte.

Problemdruck fällt unterschiedlich groß aus

Mehr als die Hälfte der Befragten – 54 Prozent – nennen die Verkehrsprobleme allgemein. Das ist ein Plus um elf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Noch deutlicher ist der Zuwachs derjenigen, die den Zustand des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) als größtes Problem benennen: von 13 auf 25 Prozent. Eine leichte Entspannung zeigt sich offenbar, was den Zustand der Straßen und das Thema Baustellen angeht: Jeweils elf Prozent benennen diese Bereiche als größtes Problem. Das ist ein Rückgang um zwei bzw. drei Prozentpunkte gegenüber Anfang 2019.

Je nach Parteienpräferenz fällt der Problemdruck unterschiedlich groß aus. An der Spitze liegen die FDP-Anhänger mit 122 Prozent der Nennungen. Aber auch die Anhänger der SPD (107 Prozent) und der Grünen (102 Prozent), deren Parteien den Senat stellen, sehen im Verkehrssektor in seinen unterschiedlichen Aspekten die größten Probleme. Während es bei der CDU ebenfalls 102 Prozent sind, sind die Anhänger von Linken (87 Prozent) und AfD (73 Prozent) etwas weniger kritisch.

Auch Zustand des ÖPNV ein Thema

Die Verkehrsprobleme allgemein sehen Grünen-Anhänger zu 60 Prozent und FDP-Anhänger zu 61 Prozent als größtes Problem, aber nur 32 Prozent der AfD-Wähler. Den Zustand des ÖPNV sehen 30 Prozent der SPD-Anhänger als größtes Problem. Nur der Wert der FDP-Anhänger ist mit 28 Prozent ähnlich hoch. Vielleicht ist es ein Hinweis auf die Form der individuellen Mobilität, dass zwar jeder fünfte CDU-Anhänger die Baustellen als größtes Problem ansehen, aber nur sieben Prozent der Befragten aus dem Lager der Grünen.

Mit weitem Abstand folgt in der Rangliste der größten Probleme der Stadt der Bereich Mieten und Wohnungsangebot. 57 Prozent der Befragten nannten dieses Thema, vor einem Jahr waren es 56 Prozent. Überdurchschnittlich wurde dieser Bereich von den Anhängern der SPD (64 Prozent), Grünen (59 Prozent) und Linken (70 Prozent) genannt. Bei CDU, FDP und AfD liegen die Werte bei 45 bzw. 46 Prozent.

Klimapolitik stark diskutiert

Weitere zentrale Politikfelder wie Schulen und Bildungspolitik (19 Prozent), Umweltpolitik (15 Prozent), worunter auch die stark diskutierte Klimapolitik fällt, und soziale Probleme sowie Armut (zwölf Prozent) wurden deutlich seltener als größtes Problem benannt. Ein Sonderfall ist erneut die AfD, deren Anhänger Kriminalität zu 30 Prozent und Ausländer und Flüchtlinge zu 46 Prozent als drängendstes Problem bezeichnen. Auch der Unmut über Politiker fällt mit vier Prozent (2019: acht Prozent) gering aus. Nur bei AfD-Anhängern sind es mit neun Prozent etwas mehr.

Die hohe Zufriedenheit mit der Stadt zeigt sich darin, dass 87 Prozent der Befragten gern in Hamburg wohnen. Vor einem Jahr sagten das 88 Prozent. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen fallen kaum ins Gewicht (88 zu 86 Prozent). Die Identifikation mit der Stadt wächst aber mit dem Alter: Während 81 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gern in Hamburg wohnen, sind es bei den über 60-Jährigen 92 Prozent.

Hohe Gesamtzufriedenheit

Besonders zufrieden sind die Anhänger der SPD mit 93 Prozent sowie der Grünen und der CDU mit jeweils 90 Prozent. Auch im Lager der Linken (86 Prozent) und der FDP (84 Prozent) ist die Identifikation mit Hamburg sehr groß. Doch es gibt eine krasse demoskopische Abweichung: Von den Anhängern der AfD sagen nur 47 Prozent, dass sie gerne in der Stadt leben. Forsa zieht daraus den Schluss, dass die Anhänger der AfD „keinesfalls – wie sie vorgeben – das ,Volk‘ repräsentieren, sondern dass sie eine radikale Minderheit sind, die sich von der großen Mehrheit der Bevölkerung fundamental unterscheidet“.

Trotz der hohen Gesamtzufriedenheit beurteilen die Befragten die Entwicklung der Stadt in den vergangenen Jahren eher skeptisch. Demnach hat sich Hamburg nach Auffassung von 30 Prozent zum Vorteil (2019: 32 Prozent), aber von 37 Prozent (39 Prozent) zum Nachteil verändert. Unentschieden sind 31 Prozent (28 Prozent). Deutlich optimistischer sind die Männer, von denen 36 Prozent sagen, die Stadt habe sich zum Vorteil verändert. Bei den Frauen sind es nur 24 Prozent.

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Von den SPD-Anhängern sehen 47 Prozent eine positive Veränderung. Im Lager der Grünen sind es 32 Prozent, bei der CDU 34 Prozent. Schlusslicht sind abermals die Anhänger der AfD, von denen nur neun Prozent sagen, die Stadt habe sich zum Vorteil verändert, aber 84 Prozent meinen, zum Nachteil.