Therapie

Angststörungen: So kann man sie mit Handy und App behandeln

Angststörungen: Die Techniker Krankenkasse bietet in Zusammenarbeit mit dem UKSH und dem Hamburger Start-up Sympatient die sogenannte Invirto-Therapie per App und Virtual-Reality-Brille an. Im Bild sind Christian und Julian Angern sowie Benedikt Reinke von Sympatient.

Angststörungen: Die Techniker Krankenkasse bietet in Zusammenarbeit mit dem UKSH und dem Hamburger Start-up Sympatient die sogenannte Invirto-Therapie per App und Virtual-Reality-Brille an. Im Bild sind Christian und Julian Angern sowie Benedikt Reinke von Sympatient.

Foto: Marcelo Hernandez

Techniker Krankenkasse, UKSH und Hamburger Start-up Sympatient entwickeln digitale Therapie. Warum Angst-Patienten so leiden.

Hamburg. Die Techniker Krankenkasse (TK) bietet in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Start-up Sympatient und dem Uni-Klinikum Schleswig-Holstein erstmals eine digitale Psychotherapie an. Über eine App und mithilfe einer Virtual-Reality-Brille können Patienten nach Anleitung eines Arztes oder Psychotherapeuten weitgehend selbstständig ihre Angststörungen in den Griff bekommen.

Wie der Vorstandschef der TK, Dr. Jens Baas, und der medizinische Projektleiter Dr. Bartosz Zurowski versicherten, sei die Behandlung absolut konform mit den medizinischen Leitlinien. „Es geht auch darum, die Ärzte zu entlasten“, sagte Baas und spielte auf das dringendste Problem für Patienten an: einen geeigneten Psychotherapeuten in einem angemessenen Zeitraum zu finden.

Psychotherapie: Lange Wartezeiten auf einen Termin

Termine bekämen psychisch Kranke oft erst in Monaten, so Baas. „Es gibt lange Wartezeiten, der Leidensdruck ist sehr hoch.“ Für Patienten werde es ohne Behandlung immer schlimmer, sie könnten ihren Job nicht ausüben und kapseln sich zum Teil oder ganz vom sozialen Leben ab. Zurowski sagte, einer seiner Patienten sei 27 Jahre nicht aus dem Haus gegangen.

Die Angststörung ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Das können Ängste vor Menschenmassen sein, auch in Bus und Bahn, Panikattacken oder eine sich verschlimmernde Sorge, von anderen negativ beurteilt zu werden. Diese Störungen führen häufig zu Süchten oder in eine Depression.

Hamburger Gründerpreis 2019 für Sympatient

Das Start-up Sympatient hatte bereits im vergangenen Jahr den Hamburger Gründerpreis gewonnen. Mitgründer Julian Angern erklärte, dass die digitale, virtuelle Therapie auch eine reale Kontrolle habe: „Wenn die Teilnehmer eine Verschlechterung ihres psychischen Zustands erfahren, haben sie direkten Zugang zu Notfallnummern und können sofort hilfreiche Übungen wiederholen.“

Die App Invirto, so Angern zum Abendblatt, sei testweise auch von Hackern attackiert worden. Der Datenschutz im Gesundheitswesen erfordere hohe Standards. Das Start-up hat derzeit neun Mitarbeiter und wird wegen der Expansion des Unternehmens den bisherigen Firmensitz in den Zeisehallen vermutlich bald verlassen.

Die Techniker Krankenkasse hat für ihre Versicherten einen Invirto-Terminservice eingerichtet unter der Nummer 040 30 92 47 13.