Hamburger Nahverkehr

Wird ein Bau der U4 bis Wilhelmsburg bald unmöglich?

Die Haltestelle Elbbrücken der U 4. Die soll irgendwann bis auf den Kleinen Grasbrook fahren.

Die Haltestelle Elbbrücken der U 4. Die soll irgendwann bis auf den Kleinen Grasbrook fahren.

Foto: Marcelo Hernandez

BUND: Schneise für oberirdische Anbindung wird zugebaut. Hamburger Senat erteilt Wünschen von der Elbinsel eine Absage.

Hamburg.  Viele Menschen in Wilhelmsburg wünschen sich eine bessere Anbindung an die Innenstadt – zum Beispiel durch eine Fortführung der U 4 auf die Elbinsel. Diese immer wieder ins Gespräch gebrachte Idee könnte sich allerdings in den nächsten Jahren erledigen. Das jedenfalls fürchten der Umweltverband BUND und der Wilhelmsburger Verein Zukunft Elbinsel. Sie sehen eine mögliche oberirdische (und damit günstigere) Trassenführung durch geplante Bauten in Wilhelmsburg gefährdet.

„In Wilhelmsburg droht eine fatale Entwicklung“, sagte BUND-Landeschef Manfred Braasch dem Abendblatt. „Man plant so zu bauen, dass eine oberirdische und damit kostengünstige Verlängerung der U 4 nach Wilhelmsburg quasi unmöglich gemacht wird. Das bedeutet nichts anderes, als dass Neu- und Alt-Wilhelmsburger Jahrzehnte auf eine neue Anbindung an den schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehr warten müssen.“ Der BUND erwarte von Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD), „dass sie hier die Notbremse zieht“, so der BUND-Chef.

U4: Verein Zukunft Elbinsel fordert ein Umdenken

Dabei bezieht sich Braasch auf „mehrere Bauvorhaben der IBA in Wilhelmsburg (Spreehafenviertel. Elbinselquartier, Wilhelmsburger Rathausviertel und Georg-Wilhelm-Höfe), die auch die mögliche oberirdische Trassenführung der U 4 nach Wilhelmsburg betreffen“. Der BUND gehe nach Sichtung der Pläne davon aus, „dass eine oberirdische Trasse bei Umsetzung dieses Wohnungsbaus nicht mehr möglich ist“, so Braasch. „In der Konsequenz müsste eine sehr viel teurere unterirdische U-Bahn gebaut werden.“ Dies werde bei aktuellen Plänen im Nahverkehr mit hohen Milliardenkosten für die U 5 in den nächsten Jahrzehnten kaum realistisch sein.

Auch Michael Rothschuh, Sprecher des Vereins Zukunft Elbinsel, fordert ein Umdenken. „Es war richtig, dass die U 4 in der HafenCity geplant und gebaut wurde, bevor die Gebäude entstanden, weil dies Geld, Konflikte und Zeit spart und Chancen gibt zum von vornherein autoarmen Wohnen und Arbeiten im Quartier“, so Rothschuh. „Es war auch richtig, dass die U4 an den Elbbrücken entgegen anderen Planungen zur Hochbahn wurde, weil der Tunnelbau in der Marsch unendlich teuer ist, die Haltestellen sehr tief unter der Erde liegen und lange Wege hervorrufen.

Jetzt muss die Hochbahn U 4 – immer zusammen mit einer Veloroute – weitergeführt werden, sofort in der Planung und Bürgerbeteiligung, und spätestens in fünf Jahren in ihrer Realisierung: über die Norderelbe, durch den Kleinen Grasbrook und über den Spreehafen, zunächst bis in den Norden Wilhelmsburgs.“

U4-Verlängerung als notwendige Entlastung der S 3/31

Dort lebten und arbeiteten Tausende Menschen, und es würden Wohnungen geplant für weitere 10.000 Einwohner, so Rothschuh. Zugleich müsse eine Trasse durch Wilhelmsburg bis nach Harburg gesichert werden für den späteren Weiterbau, sei es als Hochbahn oder als Stadtbahn. „Als Trasse bietet sich die Alte Wilhelmsburger Reichsstraße an, weil hier ein Bau auch ohne größere Eingriffe in die Natur möglich wäre und die Trasse ohnehin öffentliches Eigentum ist“, so Rothschuh. „Aber es braucht eine Planung zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern für die konkrete Festlegung der Trasse.“ Eine Entlastung der S 3/31 sei dringend notwendig.

In Wilhelmsburg und auf der Veddel stiegen jeweils fast 12.000 Fahrgäste in Richtung Hauptbahnhof zu. „Die Fahrgastzahlen werden zunehmen aufgrund fortschreitender Bebauung des Süderelberaums und Wilhelmsburgs sowie der Zielsetzung der Klimaprogramme, Verkehr vom privaten Autoverkehr auf die Bahn zu verlagern. Zu bewältigen ist dies nur mit der Weiterführung der U-Bahn auf die Elbinsel.“ Das Geld dafür sei „schon vorhanden, wenn man die Planung der mit dem Schienennahverkehr konkurrierenden Pendlerautobahn A26-Ost aufgibt“. Verschiebe man aber jetzt die Planung, „bis die Bebauungspläne festgezurrt sind, wird sich das bitter rächen“, so der Sprecher des Vereins Zukunft Elbinsel.

Behörde erteilt rascher Verlängerung der U4 eine Absage

„Die S-Bahn zum Süden verliert ihre Funktionsfähigkeit, die neuen Wohngebiete und die Elbinsel verlieren ihre Attraktivität. Nach Hamburg drängen dann immer mehr Autos, was alle Ideen von autofreien oder autoarmen Zonen zunichtemacht. Eine verspätete Planung verursacht unendlich hohe Kosten, weil man letztlich nur noch tief liegende Tunnel nach dem Muster des Elbtunnels bauen kann.“

In der Stadtentwicklungsbehörde allerdings erteilt man diesen Wünschen aus Wilhelmsburg eine Absage. „Der Senat plant mit dem Grasbrook einen neuen Stadtteil, der die Brücke nach Süden auf die Elbinseln schlägt – eine Entwicklung, die etwa 20 Jahre dauern wird“, sagte Barbara Ketelhut, Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD), dem Abendblatt. „In diesem Rahmen ist auch eine Verlängerung der U 4 in Richtung Süden bis auf den Grasbrook geplant.

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Eine weitere Verlängerung bis nach Wilhelmsburg ist eine Idee, zu der es bislang keine konkreten Senatspläne gibt. Aber die Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger können sich sicher sein, dass die Anbindung ihres Stadtteils und die Fragen der Mobilität insgesamt im Rahmen aller Planungen schon jetzt eine gewichtige Rolle spielen.“ Mithin: Wer zunächst keine neue Bahn auf die Elbinsel plant, der muss auch keine Schneisen für einen oberirdischen Verlauf frei halten.