Extremismus

Gastvorlesung an der HAW von Linksradikalen gestört

Die Demonstranten hielten ein Transparent in die Höhe.

Die Demonstranten hielten ein Transparent in die Höhe.

Foto: Michael Rauhe

Ein Vortrag des Hamburger Verfassungsschutzchefs wurde gestört. Wie Voß auf die Zurufe und Pfiffe reagierte.

Hamburg.  Mit Zwischenrufen und Trillerpfeifen haben etwa 30 junge Menschen am Montag einen Vortrag des Hamburger Verfassungsschutzchefs Torsten Voß an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) gestört. Sie empfingen ihn in einem überfüllten Hörsaal mit einem Transparent und skandierten etwa: „Nazis morden, der Staat macht mit, der NSU war nicht zu dritt.“ Damit beschuldigen sie den Verfassungsschutz, Anteil an der neonazistischen Mordserie zu haben, deren Aufklärung Jahre dauerte.

Verfassungsschutzchef und Bankräuber referieren

Torsten Voß war einer Einladung des HAW-Forschers Jens Weidner gefolgt. Der Professor lehrt Kriminologie und Sozialisationstheorie. Die nun gestörte Vorlesung für Erstsemester widmet sich etwa der Frage, warum einige Menschen zu Straftätern werden. Als Referenten lädt Weidner sowohl Menschen ein, die über ihre eigene Sozialisation sprechen, als auch Experten, die aus fachlicher Sicht referieren.

Vor den Studenten sprach zuvor etwa schon ein vierfacher Bankräuber über sein Leben, der früher auf eine Karriere im Leistungssport gehofft hatte. Verfassungsschutzchef Torsten Voß hielt eine Abhandlung über die Sozialisation von Ex­tremisten.

Linksradikale stören Vortrag

Im Vorfeld hatten Linksradikale in sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, die Veranstaltung „kritisch und lautstark“ zu begleiten und das etwa damit begründet, Voß habe vor einem „neuen Linksterrorismus“ gewarnt und behauptet, Linke würden sich kampfsportlich ausbilden. Auch der Allgemeine Studierendenausschuss der HAW hatte an die Hochschulmitglieder appelliert, Voß kritische Fragen zu stellen.

Zu Beginn seines halbstündigen Vortrags betonte Voß: „Ich mache das hier fachlich, nicht politisch.“

Immer wieder störten Zwischenrufe und Pfiffe die Veranstaltung. Beim Thema Linksextremismus brandete Applaus auf. Die abschließende Fragerunde wurde dann doch politisch. „Warum denken Sie, dass unsere Gesellschaft das beste aller Systeme ist?“, wollte etwa ein Zuhörer wissen.

Voß: "Das waren angemessene Zwischenrufe"

Weidner begrüßte die kritischen Fragen. „Das waren angemessene Zwischenrufe für eine Hochschule“, sagte er. Auch Torsten Voß zog ein positives Fazit: „Mir war klar, dass der Fokus auf dem Linksextremismus liegen wird, aber man hat mich nicht niedergeschrien. Ich bin zufrieden.“