Klimadebatte

So oft sind Hamburgs Beamte mit dem Flugzeug unterwegs

Fliegen trotz Klimadebatte: 238 Seiten DIN A4 sind laut CDU nötig, um die Dienstflüge der Stadt Hamburg in den vergangenen Jahren aufzulisten. Die Top-Entscheider in den Behörden seien dabei überproportional vertreten (Archivbild).

Fliegen trotz Klimadebatte: 238 Seiten DIN A4 sind laut CDU nötig, um die Dienstflüge der Stadt Hamburg in den vergangenen Jahren aufzulisten. Die Top-Entscheider in den Behörden seien dabei überproportional vertreten (Archivbild).

Foto: Andreas Laible

Hamburg will bis 2030 zur klimaneutralen Stadt werden. Doch die CDU wirft den Behörden mangelnde Nachhaltigkeit vor.

Hamburg. Trotz der aktuellen Klimaschutzdebatte wird das Thema Nachhaltigkeit nach Ansicht der CDU in der Hamburger Verwaltung eher stiefmütterlich behandelt. So habe es seit 2016 gut 4000 Dienstflüge vor allem auf Top-Entscheider-Ebene gegeben, sagte der für die Bezirke zuständige Experte der Bürgerschaftsfraktion, Jens Wolf.

Dies habe eine Anfrage an den rot-grünen Senat ergeben. Der städtische Fuhrpark setze demnach vor allem auf Diesel, Dienstfahrräder seien Mangelware. "Auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt ist die Hamburger Verwaltung kein gutes Vorbild", konstatierte Wolf.

"Hamburger Beamte jetten um die ganze Welt"

"238 Seiten DIN A4 sind nötig, um die Dienstflüge der Stadt in den letzten Jahren aufzulisten." Die Top-Entscheider in den Behörden seien dabei überproportional vertreten. "USA, Mexiko, Tokio, Singapur, Kopenhagen oder Vilnius: Trotz Klimadebatte jetten Hamburger Beamte um die ganze Welt", sagte Wolf. Darunter seien auch viele Inlandsflüge, "die sonst auf der grünen Verbotsliste zu finden sind".

Laut Senatsantwort sind für Flüge allein im vergangenen Jahr über 228.000 Euro an CO2-Kompensationszahlungen geleistet worden. Bei Inlandsflügen würden für einfache Flüge fünf Euro pro Flug, bei Hin- und Rückflügen zehn Euro gezahlt. Bei Auslandsflügen richte man sich nach dem Emissionsrechner der gemeinnützigen Klimaschutzorganisation Atmosfair. Dieser weist zum Beispiel für einen Hin- und Rückflug von Hamburg nach Mexiko-Stadt einen CO2-Kompensationsbetrag von 143 Euro aus.

Städtische Fahrzeuge in Hamburg überwiegend mit Dieselmotoren

Auch beim städtischen Fuhrpark tue sich in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz wenig, sagte Wolf. "Der Senat versucht, durch die Nutzung von Hybridfahrzeugen darüber hinwegzutäuschen, dass die städtischen Fahrzeuge in der Breite überwiegend Dieselmotoren haben." Hier habe es in den letzten vier Jahren kaum Fortschritt gegeben.

Mit der Fortschreibung des Hamburger Klimaplans habe man das Ziel der klimaneutralen Landesverwaltung bis 2030 bekräftigt, heißt es in der Senatsantwort. Bis dahin werde die Landesverwaltung – bis auf den Gebäudebestand – "weitgehend CO2-neutral organisiert beziehungsweise gleicht den verbleibenden CO2-Ausstoß aus". Schon jetzt würden von den Behörden CO2-Einsparmaßnahmen umgesetzt. "Basierend auf dem CO2-Fußabdruck der Landesverwaltung, der in diesem Jahr erstellt wird, werden Maßnahmen mit weiteren Einsparpotenzialen abgeleitet."

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