Bergedorf

Fünf Beschwerden gegen umstrittenen Amtspsychiater

Kinder und Jugendlichen mit dem Asperger-Syndrom haben häufig Schwierigkeiten mit Menschenansammlungen und ziehen sich gern zurück.

Kinder und Jugendlichen mit dem Asperger-Syndrom haben häufig Schwierigkeiten mit Menschenansammlungen und ziehen sich gern zurück.

Foto: Imago

Bezirk hat Arbeitsverhältnis während Probezeit beendet. Verdacht der Freiheitsberaubung und der gefährlichen Körperverletzung.

Hamburg. Fünf offizielle Beschwerden gegen den neuen Leiter des Jugendpsychiatrischen Dienstes (JPD) in Bergedorf sind in den vergangenen sechs Monaten beim Gesundheitsamt Bergedorf eingegangen. Drei Mütter hatten die Behandlungsmethoden des Jugendpsychiaters, der ihre Söhne begutachtet hatte, besonders heftig kritisiert (Abendblatt berichtete).

„Beschwerden sind am 23. August 2019, 25. November sowie am 11., 12. und 17. Dezember 2019 eingegangen“, lautet die Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Dennis Gladiator. „In ihnen wurde Kritik an der Durchführung oder Ergebnissen von Begutachtungen geäußert, auf die umgehend reagiert und – soweit erforderlich – Abhilfe angeboten wurde.“

Gegen den Arzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Verden wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung und der gefährlichen Körperverletzung. Die Ermittlungen dauern an. „Aktuell werden zu den Verdachtsfällen mehrere Zeugen vernommen. Die weitere Dauer der Ermittlungen kann nicht abgesehen werden“, sagt Martin Schanz, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Verden.

Fragwürdige Behandlungsmethoden

Wegen seiner fragwürdigen Behandlungsmethoden war der langjährige Chefarzt einer Kinder- und Jugendpsychiatrie in Norddeutschland von seinem vorigen Arbeitgeber entlassen worden. Ob dieses dem Gesundheitsamt Bergedorf bei der Einstellung bekannt gewesen ist, ließ der Senat aus datenschutzrechtlichen Gründen unbeantwortet. „Das Personalauswahlverfahren wurde in einem nicht öffentlichen Verfahren vom Fachamt Personalservice durchgeführt und unterliegt besonderen datenschutzrechtlichen Anforderungen.“

Eingestellt worden ist der Arzt „zum 15. Juni 2019 als Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) im Fachamt Gesundheit des Bezirksamtes Bergedorf“. Und: „Seit dem 1. Oktober 2019 nahm er auch die Leitung des Jugendpsychiatrischen Dienstes in Personalunion wahr.“ Doch nur zehn Wochen nach dieser „Beförderung“ kam das Aus.

Arbeitsverhältnis wurde fristgemäß beendet

Eine Mutter hatte sich in ihrer Verzweiflung an das Abendblatt und auch an die zuständige Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) gewandt. „Seit dem Termin mit dem Leiter des Jugendpsychia­trischen Dienstes sind wir unglaublich aufgewühlt und verzweifelt, weil uns der Boden für die dringend notwendigen Schritte von diesem Mann entzogen wurde.“

Ob das Gesundheitsamt erst nach den Veröffentlichungen reagierte, ließ der Senat in seiner Antwort offen: „Das Arbeitsverhältnis ist fristgemäß innerhalb der Probezeit beendet worden.“ Betroffene Eltern, deren Anträge auf Hilfe von dem Arzt abgelehnt worden sind, könnten auch nach Ablauf der Widerspruchsfristen, so der Senat, „mit Einreichung neuer oder ergänzender Informationen die Maßnahme beim Kostenträger neu beantragen“.