Jahresrückblick

Spektakuläre und kuriose Kriminalfälle 2019 in Hamburg

| Lesedauer: 23 Minuten
Franziska Coesfeld und Daniel Herder
Es war eines der aufsehenerregendsten Verbrechen der letzten Jahre. Mitten in der Harburger Fußgängerzone wurde am 15. Januar Apotheker Mohamed J. (48) durch Schläge mit einem stumpfen Gegenstand getötet (Archivbild).

Es war eines der aufsehenerregendsten Verbrechen der letzten Jahre. Mitten in der Harburger Fußgängerzone wurde am 15. Januar Apotheker Mohamed J. (48) durch Schläge mit einem stumpfen Gegenstand getötet (Archivbild).

Foto: Michael Arning

Grausame Morde und Todesfälle nach Fixierungen erschütterten Hamburg und den Norden. Skurrile Fälle sorgten für Kopfschütteln.

Hamburg. Der grausame Mord an dem Apotheker in der Harburger Fußgängerzone, der Tod von drei Männern nach gewaltsamen Fixierungen, der Tanten-Mörder von Appen: Schreckliche Fälle wie diese haben in Hamburg und Norddeutschland 2019 für Entsetzen gesorgt. Aber auch zahlreiche kuriose Polizeieinsätze, von denen einige in die Kategorie "Dümmer als die Polizei erlaubt" fallen, lieferten Schlagzeilen.

Radelnder Räuber mit Hund kehrt an Tatort zurück

Kennen Sie den? Radelt ein Mann auf einem knallroten Fahrrad – in der Satteltasche sein Hund – zu einem Optiker in Wandsbek. Er geht in den Laden, bedroht einen Angestellten mit einem Messer. Dann flüchtet er mit etwas Bargeld. Zwei Tage später kehrt er zurück zum Tatort, erneut mit dem knallroten Rad, erneut mit dem Hund als Beifahrer – offenbar um nach weiteren Tatgelegenheiten Ausschau zu halten.

Ebensogut hätte sich der 52-Jährige wohl mit einer Friedrich-Merz-Maske auf eine Demo von Globalisierungs-Gegnern stellen können. Die dort nach dem Überfall verstärkt eingesetzten Streifenpolizisten können gar nicht verhindern, dass ihnen der Mann auffällt: Kontrolle, Festnahme, U-Haft.

Die Geschichte klingt nach einem Witz. Ist sie aber nicht. Am 10. Oktober hat der Prozess gegen den Mann begonnen (ohne den Hund).

Gefangen: Mann sperrt sich mit Radschloss in Zugabteil ein

Wer nach kuriosen Geschichten sucht, der wird garantiert bei der Bundespolizei fündig. In ihrem Zuständigkeitsbereich – in den Zügen, an den Bahnhöfen und dem Flughafen – ist die Dichte an kuriosen Begebenheiten und Einfaltspinseln gefühlt noch einmal deutlich höher als andernorts. Einen ihrer ersten OMG-(Oh mein Gott)-Momente 2019 erlebten die Bundesbeamten am 25. Januar.

Ein Mann hatte in einem Nachtzug die Tür seines Sechser-Abteils mit einem Fahrradschloss abgesperrt. Das habe er nicht gemacht, so ließ er später die Beamten wissen, um das Abteil allein für sich zu beanspruchen und das mitreisende Bahnvolk auf Distanz zu halten. Nein, er habe sich so vor Taschendieben schützen wollen.

Bei der Ankunft in Altona ließ sich das Fahrradschloss jedoch partout nicht mehr öffnen. Der eingesperrte Mann schrie um Hilfe, 20 Minuten später befreite ihn die Bundespolizei. Immerhin hatte ihn kein Taschendieb behelligt.

Bundespolizei weckt dusseligen Fahrraddieb

Viel häufiger stoßen die Beamten jedoch bei der täglichen Routine auf Kleinganoven. Am 30. Januar entdeckten sie im Hauptbahnhof, Bahnsteig 4, einen schlummernden Mann, neben ihm stand ein nigelnagelneues unverschlossenes Fahrrad. Ziemlich leichtsinnig, dachten die Beamten und weckten den jungen Mann netterweise auf.

Die Beamten: „Wo ham se das Rad denn her?“ Mann: „Hab ich vor zwei Tagen gefunden.“ Schon technisch konnte die Geschichte unmöglich stimmen. Wie die Beamten beim Personalienabgleich herausfanden, war der 24-Jährige erst am 29. Januar aus der Haft entlassen und das High-Tech-Fahrrad im Laufe dieses Tages als gestohlen gemeldet worden. Für den Fahrradieb ging es zurück in die Haftanstalt. Und Tschüs.

Diebe lassen Mercedes-Maybach abstürzen

Da hätten die Diebe im Physik-Unterricht mal besser aufpassen sollen. Drei Diebe haben wenige Tage vor Weihnachten versucht, zwei Limousinen – darunter ein luxuriöser Mercedes-Maybach – von einem Güterwaggon am Hafenbahnhof Hamburg Süd zu stehlen. Doch der Plan scheiterte. Zum einen, weil Zeugen die Polizei einschalteten. Zum anderen, weil sie versucht hatten, den rund 175.000 Euro teuren Maybach einfach vom Waggon zu fahren. Wie die Herren auf die irrwitzige Idee gekommen waren, dass dieser Plan funktionieren könnte, ist nicht bekannt. Fest steht: Physik mangelhaft!

Bundespolizisten mit einem Herz für Tiere

Bei der Bundepolizei geben ehrliche Finder gerne Utensilien wie Ausweise, Geldbörsen und Handys ab. Und Blutegel. Genau: Blutegel. Ein Reisender hatte sie Ende Februar am Bahnhof Harburg in einem halb mit Wasser gefülltem Glas entdeckt und auf der Wache abgeliefert. Anschließend kamen die beiden Blutsauger ins Tierheim. Stolz meldete die Bundespolizei: „Die Egel wurden bereits ärztlich untersucht und sind wohlauf.“

Nicht die einzige Situation, in der die Beamten beweisen konnten, dass unter ihrer Uniform ein Herz für Tiere schlägt. Anfang Mai etwa watschelte eine Entenmutter mit ihren vier Küken über die Gleise im Bahnhof Tonndorf. Bundespolizisten eilten herbei und retteten die Enten-Familie. Dafür veranlassten sie sogar eine kurzfristige Streckensperrung. Alle gerettet, alle glücklich.

Graffiti-Sprayer rastet bei Fahrscheinkontrolle aus

Es gibt Zeitgenossen, die betteln regelrecht um Aufmerksamkeit – sogar dann, wenn sie etwas im Schilde führen. Wie der vorbestrafte Graffiti-Sprayer, der bei einer Fahrscheinkontrolle ausrastete und auf Bahnmitarbeiter einprügelte. Was passiert in so einem Fall? Die Bundespolizei kommt. Und was macht die Bundespolizei? Durchsuchen. In diesem Fall entdeckten sie mehrere Farbsprühdosen in seinem Rucksack. Wer Dreck am Stecken hat, sollte sich also tunlichst in Demut und Unauffälligkeit üben.

Rollstuhlscherz im Hauptbahnhof geht nach hinten los

Das gilt auch für einen Mann, der Ende August seinen im Rollstuhl sitzenden Kumpel durch den Hamburger Hauptbahnhof schob. Dabei gab er ihm immer wieder kräftig Anschwung und ließ den Rollstuhl unkontrolliert durch die Halle rollen. Die Bundespolizisten fragten mal nett nach. Dabei kam heraus, dass auf den Rollstuhl-Schieber ein Haftbefehl ausgestellt war. Für den Mann bedeutete das: ab in den Knast.

Alsterhaus-Mitarbeiter unterwerfen sich falschem Scheich

Im August wurde das Alsterhaus am Jungfernstieg zum Gespött im Netz. Der Grund: Mitarbeiter hatten sich einem als Scheich verkleideten Schauspieler komplett unterworfen. Ein Satirevideo des Berliner Fashionblogs "Dandy Diary" dokumentiert, wie der vermeintliche Milliardär von Mitarbeitern des Luxushauses auf Händen über den Fahrstuhl bis zum Auto getragen wird. Und das nur, weil er nicht mehr laufen wollte.

Zuvor hatten ihm die Verkäufer die Socken angezogen und seine Bitte erfüllt, ihn am Rücken zu kratzen. Nach Blogangaben wurde das Video mit vier versteckten Kameras gedreht.

Alsterhaus-Mitarbeiter tragen falschen Scheich zum Auto:

Drogendealer ertappt wegen eines Joints

Im Sommer rauchte ein junger Mann vor den Augen einer Präsenzstreife am Bahnhof Harburg einen Joint, fast schien es, als summte er leise: „Bitte nehmen Sie mich mit“. Und wie so häufig, wenn sie tiefer bohren, stießen die Beamten auf Gold: Als sie den Mann filzten, entdeckten sie 400 Gramm Marihuana und rund 300 Ecstasy-Pillen in seinem Rucksack. Bäm!

iPhone aus ICE gestohlen – Opfer ortet den Dieb

Im Jahr 2019 wissen bereits schon ABC-Schützen (oder gerade die), dass Handys über eine Ortungsfunktion verfügen. Oder? Bleibt die Frage, warum ein 29 Jahre alter Dieb noch stundenlang mit dem iPhone einer 38-Jährigen durch die Gegend lief. Er hatte es ihr zuvor in einem ICE gestohlen.

Durch das Aktivieren der Ortungs-App erwischten Bundespolizisten den Täter wenig später auf einer Baustelle am Jungfernstieg. Sie aktivierten per App den Alarmton, sofort schrillte es neben dem Mann. Fazit: stümperhaftes Vorgehen.

Praktisch: Diebin taucht von ganz allein wieder auf

Fast schon einen eigenen Tatbestand auf der nach unten offenen Intelligenz-Skala erfüllen jene Menschen, die auf der Wache aufkreuzen, um Anzeige zu erstatten, dabei aber unerwähnt lassen, dass sie gerade selbst den ein oder anderen Konflikt mit dem Gesetz austragen. Richtig dämlich ist es aber, wenn sich Diebe bei der Polizei pro-aktiv nach dem Verbleib ihres Diebesgutes erkundigen, nach dem Motto „‘schuldigung ham´se meine Beute gesehen?“

So geschehen am 24. Mai, als eine 21-Jährige in der Gepäckaufbewahrung am Hauptbahnhof nachfragte, wo ihre Sachen seien, die sie wenige Tage zuvor in einem Schließfach am Südsteg verwahrt hatte. Das Schließfach war wegen Zeitüberschreitung bereits am 17. Mai geöffnet worden. Darin lagen mehrere Tüten, gefüllt mit mutmaßlich gestohlenen Kleidungsstücken im Wert von 300 Euro. Bundespolizisten führten die junge Frau auf die Wache ab.

Betrunkener Autofahrer schiebt Schuld auf imaginären Dieb

Direkt aus der Feder der Gagschreiber von Dick & Doof hätte auch folgendes Skript stammen können: Junger Mann rast nachts betrunken mit dem Auto durch die City, übersieht zwei Ampeln und wird, na klar, von der Polizei angehalten. Wenige Stunden später erstattet er aber auf der Wache am Hauptbahnhof Anzeige: Er sei das nicht gewesen, ihm sei das Auto gestohlen worden. Der Dieb, der war's!

Irgendwie blöd, dass sich die Beamten konkret an ihn erinnern konnten und an seinem Arm den frischen Einstich der Blutprobenentnahme entdeckten. Anzeige, Prozess, Urteil. Wegen Vortäuschens einer Straftat musste der 25-Jährige eine Geldstrafe von 2025 Euro zahlen, der Führerschein war erstmal futsch.

Mit 2,8 Promille und Familie im Auto zur Polizei

In einem ähnlichen Fall war Leugnen völlig zwecklos: Anfang September fuhr ein 28-Jähriger mit seinem Auto, in dem seine Frau und seine zwei kleine Kinder saßen, zur Wache der Verkehrsdirektion Süd am Großmoorring. Er hatte zuvor eine Vorladung erhalten. Während des Gesprächs stellten die Beamten einen starken Alkoholgeruch fest und machten einen Alko-Test, Ergebnis: 2,83 Promille. Zack, da war der Führerschein weg. Eine Erklärung für seine starke Trunkenheit hatte der Mann übrigens direkt parat: Er habe am Abend zuvor den Geburtstag seines Kindes gefeiert.

Lust auf Süßes: Dieb stiehlt 59 Packungen Schokolade

Falls Sie es schon vergessen haben: Wer es drauf anlegt, eine Straftat zu begehen oder eine begangen hat und nicht gefasst werden möchte, sollte sich U-N-A-U-F-Ä-L-L-I-G verhalten. Wer aber im Hauptbahnhofs-Edeka ein komplettes Regal mit Schweizer Schokolade leerräumt, sich 59 (!) Packungen in die Jacke stopft und aussieht wie das Michelin-Männchen höchstselbst, der verhält sich ungefähr so unauffällig wie die röhrende Fischmarkt-Ikone Aale-Dieter bei einem Klassik-Konzert in der Elbphilharmonie.

Den Bundespolizisten erzählte der gefasste 32-jährige am 4. März, die gestohlene Schokolade (5,9 Kilogramm) sei zum eigenen Verzehr gedacht. Wenn er da noch kein schwerer Junge war – nach dem Verputzen der Tafeln wäre er es definitiv geworden. Übrigens: Den Mundraub kennt das Strafgesetzbuch bereits seit 1975 nicht mehr. In der Nomenklatura der Bundespolizei heißen solche Langfinger „Genuss-Diebe“.

Mann droht mit Mord und schmeißt mit Sahne um sich

Nicht ganz sicher ist, ob zu den Genuss-Dieben auch der 31 Jahre alte Italiener zählt, der im Juni einen Burger bei McDonalds im Hauptbahnhof ordern wollte. Als die Mitarbeiterin dem Kunden sagte, der gewünschte Burger werde so früh am Morgen nicht verkauft, drohte urplötzlich ein Szenario wie im Thriller „Falling Down“ (1993). Der 31-Jährige verlor komplett die Kontrolle, beleidigte die Angestellte, drohte ihr mit dem Tod.

Offenbar löste die zurückgewiesene Burger-Bitte auch eine Art Übersprungshandlung aus: Der Mann schnappte sich mehrere Päckchen Kaffeesahne, trank sie aus oder warf sie quer durch das Restaurant. Bundespolizisten mussten den aggressiven Mann gefesselt auf die Wache abführen.

Gute Nacht! 21-Jähriger schläft im Gleisbett, als der Zug kommt

So kurz vor Silvester soll dies nicht unerwähnt bleiben: Übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich nachteilig auf die Orientierung und das Gleichgewicht aus. Während der betrunkene Mann, der Anfang Juni beim Pinkeln in die Isebek fiel, zwar hilflos, aber immerhin noch stehend von der Feuerwehr aus dem Wasser gerettet werden konnte, hatte der berühmte Drink zu viel bei einem 21-Jährigen sämtliche Lichter im Oberstübchen gelöscht.

Er legte sich am 16. November erst am Dammtor ins Gleisbett, um zu schlafen. Dann überrollte ihn trotz Schnellbremsung ein Regionalexpress und schließlich stieg der Pinneberger in aller Seelenruhe in den stehenden Regionalexpress ein. Tatsächlich hatte er nur eine offene Verletzung am Oberarms davongetragen.

Wutanfall eines Erstklässlers löst Polizeieinsatz aus

Eine Grundschule in Halstenbek musste im September die Polizei alarmieren, weil ein mit Steine werfender Sechsjähriger nicht zu bändigen war. Der ABC-Schütze sei über einen längeren Zeitraum „weder ansprechbar noch lenkbar“ gewesen, hieß es im Einsatzprotokoll der Polizei. Der Erstklässler weinte, schrie, rannte vom Schulgelände und schmiss mit Steinen um sich.

Für die Lehrer und Schulsozialpädagogen gab es kein Herankommen mehr an das Kind. Die Wucht des offenbar massiven emotionalen Ausbruchs habe den Verantwortlichen keine Wahl gelassen. Die schulischen Möglichkeiten zur Klärung der Situation seien erschöpft gewesen, teilte der Schulrat des Kreises Pinneberg mit. „Polizeieinsätze an Schulen sind extrem selten.“ Gerade an Grundschulen sei so etwas „absolut außergewöhnlich.“

Neben den zahlreichen kuriosen Vorfällen, mit denen sich die Polizei beschäftigen musste, gab es 2019 auch viele äußerst brutale und erschreckende Vorfälle und Verbrechen.

Dreifache Mutter stirbt Silvester durch Schuss

Bei dem tragischen Tod einer Mutter von drei kleinen Kindern in der Silvesternacht in Schönberg (Kreis Plön) hatte die Polizei zunächst eine Mordtat nicht ausgeschlossen. Die 39 Jahre alte Frau wollte um Mitternacht mit ihrem Mann vor der Tür das Feuerwerk genießen. Doch nach wenigen Minuten brach sie tödlich getroffen zusammen. Im Kopf der Frau wurden Metallsplitter gefunden. Doch die Polizei schloss wenige Wochen nach dem tragischen Vorfall eine gezielte Tötung aus.

Es habe sich um ein Unglück gehandelt, für das es zwei Szenarien gebe, hieß es damals. Möglich sei, dass der Täter auf etwas ganz anderes – etwa ein Straßenschild – gezielt und dabei schlichtweg sein Ziel verfehlt habe. Oder aber er habe irgendwo ins Nirgendwo schießen wollen und dabei die Frau getroffen.

Mord an Apotheker in Harburger Fußgängerzone

Es war eines der aufsehenerregendsten Verbrechen der letzten Jahre. Mitten in der Harburger Fußgängerzone wurde am 15. Januar Apotheker Mohamed J. (48) durch Schläge mit einem stumpfen Gegenstand getötet. Der Fall löste viel Anteilnahme, aber auch viele Spekulationen aus. Selbst der Auftragsmord durch den syrischen Geheimdienst hielten Personen aus seinem Umfeld für möglich.

Ende Februar gerieten zwei syrische Landsleute des Getöteten ins Visier der Mordkommission. Doch die Vernehmungen der beiden Verdächtigen hatten die Mordkommission nicht weiter gebracht. Der Tatverdacht konnte nicht weiter erhärtet werden.

Tod von drei Männern nach gewaltsamen Fixierungen

Der Fall sorgte für Entsetzen und Empörung: Im April starb der 34 Jahre alte Psychatrie-Patient William T., nachdem er von Sicherheitskräften im UKE fixiert worden war. Die genauen Umstände des Vorfalls sind weiterhin nicht geklärt. Anfang Dezember befasste sich jedoch der Wissenschaftsausschuss der Bürgerschaft mit dem Tod des Mannes und dem Umgang mit Patienten am UKE.

Direkt nach dem Vorfall waren Videosequenzen aufgetaucht, in denen mehrere Zeugen davon berichten, dass der 34-jährige Kameruner vom Sicherheitspersonal der Klinik bei einer Fixierung gewalttätig angegriffen worden sei. Nach Abendblatt-Informationen ergab die Obduktion, dass der Leichnam von William T. auch Spuren körperlicher Gewalt aufwies, diese jedoch sehr wahrscheinlich nicht ursächlich für seinen Tod waren.

Laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft starb der Mann demnach an einer „sauerstoffmangelbedingten Hirnschädigung infolge eines Herzversagens“.

Das sagen die Augenzeugen zum Todesfall im UKE
Das sagen die Augenzeugen zum Todesfall im UKE

Auch im Mai starb ein Hamburger, der von Polizisten fixiert worden war. Der psychisch kranke Mann hatte in einer Werkstatt Beamte angegriffen, die ihn unter Kontrolle bringen wollten. Auf der Wache randalierte er erneut, musste wieder fixiert werden und erlitt einen Atemstilstand. Er starb kurz darauf im UKE.

Sieben Monate nach dem ersten Vorfall im UKE sorgte ein Fall in Ahrensburg für großes Aufsehen: Am 1. November war ein 55 Jahre alter Mann nach einem Polizeieinsatz in der Schlossstadt gestorben. Zuvor hatten Beamten den Mann verfolgt, weil er mit seinem VW-Transporter zu schnell unterwegs war. Um das Fahrzeug zu stoppen, feuerte ein Polizist auf einen Reifen.

Beim Versuch, den Fahrer aus dem Auto zu holen, leistete er erheblichen Widerstand. Daraufhin wurde der 55-Jährige durch mehrere Beamte fixiert. Doch plötzlich erlitt er einen Kreislaufstillstand. Die Polizisten versuchten ihn zu reanimieren – jedoch ohne Erfolg.

Polizei fasst Serienbankräuber, den Donnerstagsräuber

Als die Polizei Anfang Januar den Rentner Michael J. festnahm, der kurz zuvor eine Filiale der Hamburger Sparkasse an der Langen Reihe überfallen und Angestellte mit einer scharfen Schusswaffe bedroht hatte, ahnte im ersten Moment wohl noch niemand, wer der gerade ins Netz gegangen war.

Doch bereits einen Tag nach dem Banküberfall war sich die Polizei sicher, dass es sich bei dem 70 Jahre alten Täter um den sogenannten "Donnerstagsräuber" handelt – den Mann, der auch für den brutalen und spektakulären Banküberfall aus dem Jahr 2017 verantwortlich ist, bei dem ein Haspa-Mitarbeiter an der Holstenstraße in Altona durch einen Schuss lebensgefährlich verletzt worden war. Den Mann, der seit 50 Jahren Verbrechen begeht.

Der Serientäter Michael J. hatte schon in den 1980er-Jahren sieben Überfälle begangen – vornehmlich in Hamburg, aber auch in Hannover und Ulm. Alle Taten verübte er an einem Donnerstag. Für die sieben Überfälle war er zu 13 Jahren Haft verurteilt worden, die er in der berüchtigten Hamburger Haftanstalt "Santa Fu" absaß.

Dort war er 1990 einer der führenden Köpfe einer viertägigen Gefangenenrevolte. Diese war ausgelöst worden, weil Michael J. keinen Fernseher in seiner Zelle hatte. Der war ihm weggenommen worden, nachdem er sich geweigert hatte, in der Haft zu arbeiten.

Das ist der Donnerstagsräuber Michael J.:

  • Der Hamburger Donnerstagsräuber begeht seit 50 Jahren Verbrechen.
  • Er kam zu seinem Namen, weil er zumeist donnerstags kurz vor Ladenschluss seine kriminellen Taten beging.
  • Der zuletzt in Kiel wohnende Deutsche war wegen schwerer räuberischer Erpressung und versuchten Mordes angeklagt.
  • Er hatte zwischen 2011 und 2019 drei Hamburger Banken überfallen und dabei etwa 25.000 Euro erbeutet.
  • Bei einem der Raubzüge im Januar 2017 hatte er den Haspa-Mitarbeiter Lars Krause durch einen Bauchschuss lebensgefährlich verletzt.

Im Oktober verurteilte das Landgericht Hamburg den Serienbankräuber unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung und versuchten Mordes zu zwölfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe plus Sicherungsverwahrung. Während des Prozesses hatte sich Michael J. äußerst selbstgefällig, rastlos und uneinsichtig gezeigt. Zuletzt hatte ihm das Gericht, nach seinen bis dahin fünf Tage dauernden Ausführungen, das Wort entzogen.

Messerangriff bei Ikea

Wahllos und ohne erkennbaren Anlass attackierte der 26-jährige Marvin B. Anfang Februar in dem Schnelsener Ike-Markt einen 22 Jahre alten Mann mit einem Messer und verletzte ihn durch einen Stich in den Rücken schwer. Später offenbarte er sich seinem Betreuer, der daraufhin die Polizei informierte. Die Beamten stellten ein Klappmesser als mutmaßliche Tatwaffe sicher.

Erschreckend: Als es in dem Bereich kurz hinter der Kasse zu der Messerattacke kam, realisierte niemand das Verbrechen. Selbst der 22-Jährige dachte, er sei lediglich hart angerempelt worden. Kurz darauf aber brach er zusammen. Im Krankenhaus wurde er notoperiert.

Der Tanten-Mörder von Appen

Der wohl spektakulärste Kriminalfall des Jahres aus dem Kreis Pinneberg ist der Tanten-Mörder von Appen. Dem 52 Jahre alten Mann aus Holm wird vorgeworfen, am 2. August seine Tante in ihrer Wohnung in Münster nach einem Streit um Geld getötet zu haben. Danach soll er mit der Leiche im Kofferraum knapp 300 Kilometer bis nach Appen gefahren sein, um sie dort nahe einem Teich abzulegen.

Der Leichnam der 68 Jahre alten Frau wurde erst einen Monat nach der Tat von einer Spaziergängerin in „unzugänglichem Gelände“ in der Nähe des Appener Karpfenteichs gefunden. Fünf Tage später, nach intensiver Ermittlungsarbeit der Polizei, hatte eine Spezialeinheit den Tatverdächtigen unweit des Fundorts in seiner Doppelhaushälfte festgenommen. Der Neffe der Getöteten wird nun wegen Mordes angeklagt.

Frau in Kneipe getötet und in Gebüsch abgelegt

Es war ein furchtbares Verbrechen, das sich in den frühen Morgenstunden des 11. Juni in „Katy’s Hütte“ in der Cuxhavener Straße in Neugraben-Fischbek ereignete – für die 36-jährige "Josie“ H., dreifache Mutter aus Neugraben, endete es mit dem Tode.

Ein Aushilfskellner und Putzmann soll die Frau auf der Damentoilette auf äußerst brutale Weise umgebracht haben. Um die Tat zu vertuschen, lud der 37-Jährige die Leiche auf eine Sackkarre und warf sie in ein nahe gelegenes Waldstück. Seit Ende Dezember steht der Angeklagte vor Gericht.

Streit unter Nachbarn endet mit Tod einer 22-Jährigen

Der Täter war äußerst brutal und mit roher Gewalt vorgegangen: Im April hatte er im Stadtteil Eimsbüttel seine 22 Jahre alte Nachbarin so massiv verletzt, dass die junge Frau kurz darauf verstarb. Kurz darauf nahm die Polizei einen Bewohner des Mehrfamilienhauses an der Amandastraße fest, wo die 22-Jährige kurz zuvor eingezogen war. Möglicherweise waren Renovierungsarbeiten Auslöser der Gewalttat.

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