Nahverkehr

Hauptbahnhof: Neuer S-Bahn-Tunnel wäre Milliardenprojekt

Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsminiterium, Deutsche-Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (v.l.).

Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsminiterium, Deutsche-Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (v.l.).

Foto: Deutsche Bahn

Völlig unerwartet hat der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, den Plan am Sonnabend angekündigt.

Hamburg. Das war ein Paukenschlag: Völlig unerwartet hat Enak Ferlemann (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, bei der offiziellen Eröffnung der S-Bahn-Station Elbbrücken am Sonnabend angekündigt, dass Hamburg einen neuen S-Bahn-Ttunnel unter dem Hauptbahnhof erhalten soll. Dieser könnte, von Süden kommend, in Richtung Altona verlaufen.

„Wir müssen die beiden Gleise für den S-Bahn-Verkehr aus dem Hauptbahnhof herausbekommen“, sagte Ferlemann dem Abendblatt. „Dann hätten wir einen weiteren Bahnsteig frei für den Regional- und Fernverkehr. Damit schafft man mehr Kapazitäten im Bahnhof.“

Über diese Möglichkeit werde schon länger nachgedacht, auch zusammen mit der Hamburger Verkehrsbehörde, so Ferlemann. „Aber bislang hat sich noch niemand so richtig getraut, diese Möglichkeit öffentlich zur Debatte zu stellen, weil das eine große, aufwendige Maßnahme ist, die viel Geld kostet.“

Neuer S-Bahn-Tunnel ist ein Milliardenprojekt

Die Bahnhofseinweihung sei nun der richtige Zeitpunkt, „Mut“ zu zeigen. Der Staatssekretär nannte zwar keine Zahlen, aber klar ist: Ein eventuell mehrere Kilometer langer Bahntunnel ist in jedem Fall ein Milliardenprojekt.

Der Hamburger Hauptbahnhof gilt mit mehr als 500.000 Fahrgästen pro Tag als der meistfrequentierte in ganz Deutschland und ist chronisch überlastet – einerseits, weil in Hamburg und der Metropolregion die Einwohnerzahlen stark steigen, andererseits, weil die Fahrgastzahlen bei U- und S-Bahn seit Jahren auch durch Angebotserweiterungen rasant zulegen.

Daher überlegen Bahn und Stadt bereits, den Bahnhof in Richtung Süden zu erweitern und neue Zugänge zu schaffen. Auch der Bau der neuen S-Bahnlinie 4 Richtung Bad Oldesloe soll Entlastung schaffen. Und von der neuen S-Bahn-Station Elbbrücken erhofft man sich ebenfalls eine Entlastungseffekt, da die Fahrgäste hier über einen gläsernen „Skywalk“ zur U4 gelangen und so den Hauptbahnhof umfahren können. Die Bahn geht davon aus, dass täglich 20.000 Fahrgäste diese Möglichkeit nutzen.

Ursprünglich sollte die S-Bahn-Station vor einem Jahr zusammen mit der gleichnamigen U-Bahn-Haltestelle der Linie 4 in Betrieb gehen. Das klappte wegen Schwierigkeiten mit dem Baugrund jedoch nicht, die Bauarbeiten bei der S-Bahn verzögerten sich.

S-Bahn-Station Elbbrücken offiziell eröffnet

Bei der Einweihung des neuen Bahnhofs, der ab Sonntag offiziell angefahren wird, begrüßten Bahnvorstand Ronald Pofalla und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) Ferlemanns die Ankündigung. „Die Grundidee, visionär zu denken, um die zunehmenden Verkehre vernünftig zu organisieren, halte ich für richtig“, sagte Pofalla. „Wir planen gerade einen vergleichbaren Tunnel in Frankfurt. Man muss wissen, dass damit gewaltige Investitionen ausgelöst werden, dass damit auch in der Bauzeit Störungen in einer Stadt entstehen. Aber wir werden diesen Vorschlag vernünftig prüfen. Ich halte ihn für nach vorne führend, und im Grundsatz für positiv.“

Auch Tschentscher sagte, er „begrüße es, dass es solche mutigen Vorschläge gibt. Denn der Hauptbahnhof ist ein Nadelöhr für den öffentliche Nahverkehr in Hamburg.“ Deswegen arbeite die Stadt ja zusammen mit der Bahn an der Erweiterung und am Bau der S4. „Aber das, was Herr Ferlemann vorschlägt, geht natürlich noch einmal deutlich darüber hinaus“, so Tschentscher. „Ich begrüße das sehr, dass wir ein Stück weit visionär denken und uns auch zutrauen, größte Investitionsprojekte umzusetzen. Wir haben in Hamburg bewiesen, dass wir dass hinbekommen. Wenn es die Bereitschaft der Deutschen Bahn für eine solche Investition gibt, bin ich sehr dafür, dass auch umzusetzen.“

Tschentscher will Projekt "sehr fundiert" prüfen

Stadt und Bahn müssten jetzt allerdings erstmal „sehr fundiert“ prüfen, inwieweit das Projekt überhaupt möglich ist, so Tschentscher. „Denn wir wissen: Große Projekte können auch schief gehen, dann werden sie eher zu einem Ärgernis, und das wollen wir in Hamburg nicht erleben.“ Dabei müsse bedacht werden, dass auch die neue U5 an den Hauptbahnhof angebunden werden muss.

„Auch das ist ein Jahrhundertprojekt, das man sich technisch nicht zu einfach vorstellen darf“, sagte Tschentscher. „Deswegen ist es sehr wichtig, dass die Planungen vernetzt werden. Wir haben an der Elbphilharmonie gelernt: Wenn man zu Anfang besser plant, wird es erstens günstiger und es geht auch schneller.“

Ferlemann hat angesichts des Desasters bei „Stuttgart 21“ – auch dabei geht es um Bahntunnel unter der Stadt, dessen Kosten mehrfach explodiert sind – keine Bedenken gegen weitere Großprojekte dieser Art: „Hamburg hat ja Tunnel, die können damit umgehen, da habe ich gar keine Bedenken.“ Allerdings wisse er auch: „Das ist aufwendig, das ist kostspielig, aber wenn wir Nahverkehr auf die Schiene ziehen wollen, müssen wir auch die Kapazitäten bereitstellen - das geht nur so.“

Grüne begrüßen die Überlegungen

Für den Verkehrsexperte der Grünen in der Bürgerschaft, Martin Bill, sind die Überlegungen folgerichtig: „Denn die Gleise in Hamburg werden für einen massiven Ausbau des Schienenverkehrs nicht reichen. Wir müssen uns daher dringend Gedanken machen, wie wir es hinbekommen mehr Nah- und Fernverkehr auf die Schiene zu bekommen.“ Daher begrüße er die Idee einer zusätzlichen Stammstrecke und betonte: „Wir werden den Bund in die Pflicht nehmen den Ankündigungen schnell Planungen folgen zu lassen und die Machbarkeit zu prüfen.“