Deutsche Bahn

S4: Hamburg bekommt eine neue S-Bahn

So könnte die S4 aussehen – hier auf einer Probefahrt.

So könnte die S4 aussehen – hier auf einer Probefahrt.

Foto: Bertold Fabricius

Bund und Länder haben sich geeinigt, wie die Kosten von 1,8 Milliarden Euro aufgeteilt werden. Zehn Jahre Bauzeit?

Hamburg. "Die nun vorliegende Einigung ist ein Meilenstein, um die S4 auch tatsächlich bauen zu können." Mit diesen Worten beschreibt Martin Bill, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, die nun ausgehandelte Finanzierung der geplanten S-Bahn-Linie 4 zwischen Altona und Bad Oldesloe.

Rund 1,847 Milliarden Euro soll der Bau der neuen S-Bahn-Verbindung kosten. Den Löwenanteil übernimmt der Bund mit etwa 1,473 Milliarden Euro. Die restlichen gut 20 Prozent teilen sich die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, wobei die Hansestadt mit 236 Millionen Euro zwei Drittel der Kosten trägt. Schleswig-Holstein beteiligt sich mit 118 Millionen Euro. Die Deutsche Bahn steuert weitere 20 Millionen Euro dazu.

Bau könnte 2020 beginnen

Laut Bill profitieren insbesondere die Menschen in großen Teilen Wandsbeks und im Kreis Stormarn von der neuen S-Bahn-Verbindung. Zudem bekämen Pendler aus Ahrensburg und Bargteheide eine attraktive Verbindung nach Hamburg und damit einen guten Grund, den Zug zu nehmen. "Das ist aktuell auf der Linie der RB81 leider nicht immer der Fall“, sagt Bill.

Auch die SPD zeigt sich mit dem Verhandlungsergebnis zufrieden. Ole Thorben Buschhüter, parlamentarischer Geschäftsführer und Verkehrsexperte der SPD-Fraktion, sagt: "Bund und Länder haben eine kluge und gerechte Aufteilung der Kosten ausgehandelt, die jetzt nur noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Gremien steht."

Zunächst wird sich der Verkehrs- und der Haushaltsausschuss beraten und voraussichtlich im Dezember stimmt die Bürgerschaft über die Finanzierung ab. Allerdings sagt Buschhüter selbst, dass eine Zustimmung zu erwarten sei. Diese erwartet der SPD-Politiker dann auch von den anderen Projektpartner, "damit mit dem Bau der S4-Ost Anfang 2020 begonnen werden kann", so Buschhüter.

Das sind die Baupläne:

  • Während zwischen Altona und Hasselbrook sowie zwischen AhrensburgGartenholz und Bad Oldesloe die vorhandene Infrastruktur genutzt wird, müssen auf der Strecke von Hamburg-Hasselbrook bis Ahrensburg-Gartenholz zwei neue S-Bahngleise gebaut werden.
  • Auf Hamburger Gebiet werden vier neue Stationen gebaut: Zwischen Hasselbrook und Tonndorf sind die Stationen Claudiusstraße, Bovestraße, Holstenhofweg geplant und zwischen Tonndorf und Rahlstedt soll die Station Am Pulverhof entstehen. Auf Schleswig-Holsteiner Gebiet wird die S-Bahn-Station Ahrensburg-West gebaut.
  • Die gesamte Strecke wird mit elektrischen Oberleitungen beziehungsweise Gleichstrom-Schienen ausgestattet und erhält eine neue Leit- und Sicherungstechnik.
  • Rund 100 Millionen Euro sind für den Lärmschutz vorgesehen. In Hamburg werden davon fast zwei Drittel, in Schleswig-Holstein rund ein Drittel investiert.

Die Bahn rechnet damit, dass 35 neuen S-Bahnen für die Strecke gebraucht werden. Mit dieser Anzahl könnte folgende Taktung erreicht werden:

  • Altona – Ahrensburg: 10-Minuten-Takt
  • Ahrensburg – Bargteheide: 20-Minuten-Takt
  • Bargteheide – Bad Oldesloe: 60-Minuten-Takt

Bahn rechnet mit knapp 100.000 Fahrgästen täglich

Mit der S4 werden rund 250.000 Menschen an das Hamburger S-Bahn-Netz angeschlossen, so Ole Thorben Buschhüter. Gutachter prognostizieren zudem, dass die S4 täglich rund 97.100 Fahrgäste befördern wird. Läuft alles nach Plan, könnte 2025 die S4-Bahn auf dem ersten Teilabschnitt von Altona bis Hamburg-Rahlstedt rollen.

Der Hamburger Hauptbahnhof würde dann spürbar entlastet, so die Hamburger Verkehrsbehörde. Denn wie alle anderen S-Bahnen auch, würde die S4 an den Gleisen 1 bis 4 halten. Die Bahnsteige (5 - 8), an denen derzeit die Regionalbahn Richtung Bad Oldesloe (RB81) startet, würden entlastet, weil mit der S4 rund 110 Fahrten der RB81 täglich entfallen würden.