Wissenschaft

Harburger Innovation Port ist das Silicon Valley von Hamburg

Das erste Gebäude des Innovationszentrums im Harburger Binnenhafen. Im dritten Stock, seiner „Taille“, befindet sich die Spielwiese für Forscher.

Das erste Gebäude des Innovationszentrums im Harburger Binnenhafen. Im dritten Stock, seiner „Taille“, befindet sich die Spielwiese für Forscher.

Foto: HC Hagemann

Technische Universität und Technologieunternehmen werden dort forschen. Konzept für mehr Forscher und Studierende.

Hamburg.  „In ganz Hamburg gibt es kein zweites Gebäude, das diesen hohen Energiestandards entspricht“, lobte Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) bei der feierlichen Einweihung des ersten Bauabschnitts vom Hamburg Innovation Port (HIP ONE). Auf insgesamt 60.000 Quadratmetern soll in den nächsten Jahren im Harburger Binnenhafen ein neues Technologiezentrum heranwachsen. Forscher der Technischen Universität Hamburg (TUHH) und Mitarbeiter von Technologieunternehmen werden dort einziehen und sich gegenseitig anspornen. Die ersten 6000 Qua­dratmeter sind vergeben – im ersten von vier Bauabschnitten, dem HIP ONE.

„Der erste Bauabschnitt ist komplett vermietet“, sagte Investor Arne Weber, der zusammen mit seinem Sohn Christian das Hamburger Bauunternehmen HC Hagemann führt. „Hauptmieter ist die Technische Universität, aber mit 3D.aero haben wir ein Unternehmen an Bord, das für eines der wichtigsten technischen Zukunftsfelder steht: die Digitalisierung. Hier im HIP treffen sich Wissenschaft und Wirtschaft“, sagt der Hausherr zufrieden. Da der Investor selbst baute, entstand das Gebäude in rekordverdächtiger Zeit: Im Juni 2018 wurde der Grundstein gelegt und genau vor einem Jahr Richtfest gefeiert.

17 neue Professuren sind geplant

Vor allem der Hauptmieter braucht dringend neue Räumlichkeiten: Vor knapp zwei Jahren beschlossen Senat und Bürgerschaft ein Wachstumskonzept für ihre Technische Universität. Geplant sind 17 neue Professuren, die mit ihren eigenen Fachgebieten nach Harburg wechseln, dazu mehr Forscher und mehr Studierende. Ihre Zahl soll von derzeit knapp 7900 langfristig auf 10.000 wachsen.

Im Namen der TUHH ergriff deren Präsident Ed Brinksma das Wort: „Vor Ihnen steht ein glücklicher Mensch. Für das Wachstum der TU brauchen wir Räumlichkeiten. Aber das allein reicht nicht aus, es sollten zukunftsweisende Gebäude sein.“ Hier könne sich der Forscher geist frei entfalten, freute sich Brinksma und kündigte an: „Dies kann aus unserer Sicht nur der Anfang sein. Wir brauchen noch viel mehr Platz, und die Energieforschung wird dabei eine wichtige Rolle spielen.“

Tatsächlich soll nun im Anschluss gleich der zweite, der größte Bauabschnitt in Angriff genommen werden. Zu ihm gehört ein Hochhausturm, der zum Wahrzeichen des HIP werden soll. Insgesamt sind im zweiten Teil 20.000 Quadratmeter Nutzfläche geplant. Gut die Hälfte wird wiederum die Technische Universität anmieten, um weiterhin wachsen zu können. Erste Flächen sollen 2021 bezugsfertig sein.

Im Sommer lockt eine geräumige Dachterrasse

Für Unternehmen und Hochschulen, die technische Entwicklungen machen, sei der Harburger Binnenhafen der „Place to be“ (der Ort, an dem man sein muss), sagt Brinksma. So ähnlich sieht es auch Wirtschaftssenator Michael Westhagemann: „Hamburg hat viele Hochschulen. Die Technische Universität ist der Ort, an dem Lösungen für Zukunftsfragen wie Digitalisierung, Energie- und Klimawandel erarbeitet werden.“ An den Investor gerichtet sagte Westhagemann: „Arne, du kannst schon anfangen, weiterzuplanen.“

Der versprach: „Wir geben uns Mühe, dass das so weitergeht.“ Besonders stolz ist Arne Weber auf seine „Spielwiese“: Im dritten Stock ist die Gebäudefassade unterbrochen – in dem von Glasfronten umgebenen Raum lässt sich gemütlich klönen oder heiß diskutieren, am Kicker Fußball spielen, in Turnringen herumhängen oder am Flipper-Automaten Geschicklich- und Reaktionsfähigkeit testen. Sogar eine kleine Kletterwand ist installiert. Und im Sommer lockt eine geräumige Dachterrasse. „Das hier ist gemacht von HC Hagemann“, sagte Weber stolz zu seinen Gästen und ist davon überzeugt, dass die Spielwiese das beste Ambiente für neue innovative Ideen bietet.

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„Hier würde auch Greta gern spielen, weil wir völlig ohne fossile Brennstoffe auskommen“, sagte Weber mit Blick auf die Klimaaktivistin. Auf dem Dach steht eine Solaranlage, Luftwärmepumpen liefern Energie und Wärme. Von den Decken abgehängte Platten können die Räume individuell heizen oder kühlen. Hausherr Weber setzt noch einen drauf: „Wer hier an der Wasserstofftechnik forscht, muss keine Miete bezahlen“, sagte er, nachdem Michael Westhagemann die Kombination aus Wasserstoff und Brennstoffzelle als einzige Zukunftslösung für den Verkehrssektor bezeichnet hatte.

Dessen Vorgänger Frank Horch hatte das HIP-Projekt mit angestoßen. Er betonte die „ungemeine Chance, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzuführen“ und den Hamburger Süden stärker an die Stadt anzubinden. Horch: „Eines Tages wird man vielleicht nicht mehr ins Silicon Valley fahren, um die technologische Avantgarde zu besichtigen, sondern nach Harburg.“

26,6 Prozent der TU-Studenten sind Frauen

  • 7861 Studierende sind aktuell an der Technischen Universität in Harburg eingeschrieben. 1302 von ihnen haben in diesem Jahr ihr Studium aufgenommen. Der Frauenanteil beträgt 26,6 Prozent. 23,3 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland. 80 Institute und Arbeitsgruppen befassen sich mit acht Themenschwerpunkten: Prozesstechnik, Umwelttechnik, Medizintechnik, Maritime Systeme, Luftfahrttechnik, Werkstoffentwicklung, Logistik und Mobilität, Digitale Produktion und Logistik. 132,7 Millionen Euro stehen der TUHH in diesem Jahr zur Verfügung.