Öffentlicher Nahverkehr

HVV-Verspätungen: Rekord bei Fahrpreis-Erstattungen

HVV-Fahrgäste steigen am Jungfernstieg in die U2 (Symbolbild).

HVV-Fahrgäste steigen am Jungfernstieg in die U2 (Symbolbild).

Foto: Thorsten Ahlf

Noch nie wurden so viele Anträge wegen großer Verspätungen gestellt. CDU kritisiert umständliches Auszahlungs-Verfahren.

Hamburg. Immer mehr Kunden des HVV machen Gebrauch von der Pünktlichkeitsgarantie des Verkehrsverbundes und lassen sich bei größeren Verspätungen einen Teil des Fahrpreises erstatten. Nach der 2011 eingeführten HVV-Garantie wird bei einer Verspätung von mehr als 20 Minuten auf der Gesamtstrecke (also auch inklusive Umsteigen) die Hälfte des Fahrpreises erstattet – bei Zeitkarten ein anteiliger Betrag. Seit der Einführung ist die Zahl der Anträge auf Erstattungen kontinuierlich gestiegen.

Wurden 2011 noch 44.900 Erstattungen gefordert und 60.850 Euro ausgezahlt, so waren es 2017 bereits 69.123 Anträge mit 99.540 Euro – und 2018 dann sogar 108.114 Anträge und eine Auszahlungssumme von 153.111 Euro. Der Anstieg setzt sich im laufenden Jahr fort: Bis Ende September 2019 zahlte der HVV bereits 135.298 Euro für Verspätungen an 96.909 Antragsteller aus. Zum Jahresende dürfte also wieder ein neuer Rekord stehen. Diese aktuellen Zahlen stammen aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des CDU-Verkehrspolitikers Dennis Thering.

Die Auszahlungen sollen erleichtert werden

Demnach sind die Personal- und Sachkosten für die HVV-Garantie im Verkehrsverbund über die Jahre auch immer weiter angestiegen. So hatte der HVV etwa im vergangenen Jahr mit 235.000 Euro einen Höchststand an Kosten für die HVV-Garantie – 44.000 Euro Personal- und 191.000 Euro Sachkosten, zu denen allerdings auch die 153.111 Euro Erstattungen gehören.

Die hohen Verwaltungskosten sprechen aus CDU-Sicht für ein zu umständliches Verfahren. Tatsächlich werden die meist geringen Beträge bisher nur unter Vorlage der Fahrkarte bei Erscheinen in HVV-Servicestellen erstattet. Kürzlich hat die Bürgerschaft einen rot-grünen Antrag beschlossen, nach dem die Auszahlung erleichtert werden soll, indem Erstattungen auch überwiesen werden können.

Antragsformular kann seit 2018 auch per Handy ausgefüllt werden

„Die Fahrgastzuwächse im HVV sind auf den schlechtesten Wert seit 14 Jahren gefallen. Die ständigen Verspätungen und Ausfälle sind sicher ein Grund für diese negative Entwicklung“, sagt CDU-Verkehrspolitiker Thering. „Deshalb müssen SPD und Grüne endlich handeln: Verspätungen und Ausfälle dürfen nicht länger zur Regel werden. Sollte es trotzdem zu Verspätungen kommen, müssen Kunden schnell und unbürokratisch entschädigt werden.“ Die Abwicklung der Erstattungsansprüche per App mit einer automatisierten Gutschrift auf das Kundenkonto wäre aus Sicht des CDU-Politikers „ein Schritt, um die Kundenfreundlichkeit zu erhöhen und die Mobilität fit für die Gegenwart zu machen“.

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HVV-Sprecher Rainer Vohl sagte, die HVV-Garantie werde „kontinuierlich weiterentwickelt“. Das Antragsformular könne seit 2018 auch per Handy ausgefüllt werden, 2020 seien weitere Verbesserungen geplant. „Gleichzeitig brauchen wir aber Mechanismen, die den Missbrauch der Garantie verhindern“, so Vohl. „Eine Prüfung, ob der Anspruch berechtigt ist, muss erfolgen. Eine Automatisierung des Verfahrens ist daher nur eingeschränkt möglich.“