Hamburg

Hamburgs ältestem Pfadfinderstamm droht offenbar das Aus

Die Kirchengemeinde St. Andreas in Hamburg-Harvestehude.

Die Kirchengemeinde St. Andreas in Hamburg-Harvestehude.

Foto: Geneviève Wood

Die 200 Kinder und Jugendlichen fürchten den Rauswurf und wollen am Dienstagabend vor der Kirche protestieren.

Hamburg. Einem der bekanntesten und ältesten Pfadfinderstämme Hamburgs droht die Auflösung – so die Befürchtung der Betroffenen. Die Eltern, deren Kinder bei den Pfadfindern St. Andreas in Harvestehude engagiert sind, sind empört. Sie fühlen sich vom Kirchenvorstand und dem Pastor nicht ernst genommen und planen für morgen Abend am Dienstag eine Demo vor der Kirche an der Bogenstraße in Harvestehude.

"Kirchengemeinderat, Landeskirchenamt, Kirchenkreisverwaltung und Propst wollen den seit 1949 bestehenden Pfadfinderstamm St. Andreas auf die Straße setzen", sagt Helmut Lindner, Mitglied bei den Pfadfindern St. Andreas. Seine Tochter ist dort Gruppenleiterin. Von dem Ende seien rund 200 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren betroffen.

Aus für Pfadfinder? Kirchenvorstand tagt am Dienstagabend

Offiziell ist der Rauswurf aber nicht. Die Pfadfinder berufen sich lediglich auf Informationen, die aus einer Kirchenvorstandssitzung herausgesickert sind. "Es gibt noch keinen Beschluss", sagt Remmer Koch, Sprecher des zuständigen Kirchenkreises Ost. Erst am morgigen Abend werde darüber entschieden. Pastor Kord Schoeler beruft sich auf seine Verschwiegenheit: "Es ist keine Entscheidung gefallen. Der Kirchengemeinderat berät noch. Sobald ein Beschluss vorliegt, werden die Betroffenen natürlich davon erfahren."

Die Sorge bei den Pfadfindern bleibt. "Gerade erst haben die Pfadfinder mit 500 Gästen ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert. Jetzt soll die Arbeit plattgemacht werden", so Helmut Lindner. Er wirft Pastor Kord Schoeler fadenscheinige Argumente vor. So sollen Probleme im Versicherungsschutz und abrechnungsrechtliche Probleme vorliegen. Lindner: "Wir haben 22 Sippen, und jeder Beleg muss im Kirchenbüro vorgelegt werden." Pastor Schoeler entledige sich einer überaus erfolgreichen Kinder- und Jugendarbeit. "Kein evangelischer Pfadfinderstamm in Hamburg sei größer. Das soll jetzt zerstört werden."

Angeblich sollen die Pfadfinder zum 31. Dezember ihre Räume verlassen.