Zu Tisch

Bettina Matthaei und Katharina Wilck – Hamburgs Spice Girls

Katharina Wilck (l.) und ihre Mutter Bettina Matthaei mischen seit 16 Jahren Gewürze.

Katharina Wilck (l.) und ihre Mutter Bettina Matthaei mischen seit 16 Jahren Gewürze.

Foto: Nicole Keller / Junius Verlag

Ein Besuch bei Manufaktur 1001 Gewürze in Barmbek: Hier kommt es auf Handwerk, Know-how und Leidenschaft an.

Hamburg.  Es gibt für fast jeden Menschen Internet-Websites, die brandgefährlich sind, wenn man eigentlich gar keine Zeit hat. Für mich ist das www.1001gewuerze.de – mir geht immer die kulinarische Fantasie durch, wenn ich in das schier endlos scheinende Aromenreich von Bettina Matthaei und Katharina Wilck eintauche.

Das Mutter-Tochter-Team betreibt im Stadtteil Barmbek der „Freien und Gewürzstadt Hamburg“ (Bettina Mat­thaei) eine kleine, feine Gewürzmanufaktur, die ihresgleichen sucht, und die Damen tragen mit Stolz den Ehrentitel „Hamburgs Spice Girls“.

Mehr als 200 Mischungen von Gewürzen im Programm

Über 200 liebevoll komponierte, kreative, exotische, bodenständige, anregende, nie geahnte, fast vertraute, in jedem Falle inspirierende Gewürzmischungen, Gewürze und Gewürzsalze finden sich auf der Website – jedes einzelne Produkt ist detailliert beschrieben und mit einer Fülle von Anregungen für den jeweiligen Einsatzzweck in der heimischen Genusswerkstatt versehen. Dabei handelt es sich um feinste, entsprechend teils recht kostspielige Manufakturware – Geschmacksverstärker und künstliche Aromen sind streng tabu, die hochwertigen Rohstoffe werden wöchentlich frisch angeliefert und verarbeitet.

Dosiert und abgefüllt wird alles per Hand – und gelegentlich auch milligrammweise mit der Apothekerwaage abgewogen. Neben Klassikern wie BBQ-Rubs oder dem Tomatengewürz finden sich auch absolute Exoten wie das Arabische Orangengewürz zu Huhn und Lachs, Hanf-Karamell-Sprinkles und „Pimp-Gewürze“, mit denen man in Sekundenschnelle Mayo oder Ketchup eine besondere Note verleihen kann.

Die Kreationen basieren teils auf vertrauten Rezepturen, wie beispielsweise die Currys, teils sind es nie da gewesene Mischungen, die die Manufaktur völlig neu entwickelt hat.

Nimmermüder kreativer Kopf hinter all diesen Ideen ist Seniorchefin Bettina Matthaei, die als hochgeschätzte Gewürz-Seminaristin auf Kreuzfahrtschiffen schon die sieben Weltmeere bereiste und auf eine stattliche Sammlung von mehr als 30 selbst verfassten Büchern zu den Themen Kochen und Würzen verweisen kann.

Die kleine Manufaktur in der Geierstraße 11 ist auch offen für Besucher – und wenn sich geeignete Gruppen für ein Seminar zusammenfinden, weiht Bettina Matthaei sie auch gern in die Geheimnisse guten Würzens ein. Backstage wirkt und wirbelt ihre Tochter Katharina Wilck, die sich um den gesamten kaufmännischen und organisatorischen Part kümmert. Dabei sind beide immer noch ein wenig überrascht, dass sie nun schon seit Anfang 2003 gemeinsam Würze ins Leben der Menschen bringen. Und auch wirtschaftlich segelte die kleine Manufaktur manchmal durch raue Fluten.

Alles begann mit „Brigitte“

Doch lassen wir das am besten Mutter und Tochter selbst erzählen. Bettina Matthaei: „Eigentlich komme ich aus einem total anderen Bereich, war aber immer selbstständig. Jahrzehntelang habe ich mit meinem Mann, der aus Tschechien kam, Trickfilme produziert – dafür gab es in Tschechien ein immenses Know-how. Zeitweise waren bei uns bis zu 30 Mitarbeiter beschäftigt. Aber für Gewürze, Kochen und Genuss habe ich mich von Anfang an interessiert. Immer schon habe ich mir Rezepte ausgedacht und privat Gewürzmischungen entwickelt. 2002 habe ich dann mein erstes Kochbuch veröffentlicht und zu der Zeit auch sehr eng mit der Frauenzeitschrift ‚Brigitte‘ zusammengearbeitet. Die ‚Brigitte‘ wünschte sich dann von mir, dass ich jeweils ein ‚Gewürz des Monats‘ kreiere und auch produziere. So entstand die Idee der Gewürzmanufaktur. Dafür habe ich schließlich meine Tochter Katharina mit ins Boot geholt, und wir haben unter einfachsten Umständen losgelegt. Dass sich daraus eine Lebensaufgabe entwickeln würde, war uns zu dieser Zeit nicht klar.“

Zwischenfrage des Chronisten: „Ihr habt also zunächst für die ‚Brigitte‘ die Gewürze entwickelt und erst dann 1001 Gewürze gegründet?“

Bettina Matthaei: „Genau! Und aus dieser Zeit haben wir noch einige sehr treue Kundinnen, die uns bis heute erhalten geblieben sind.“

Seit November in neuen Geschäftsräumen zu finden

Katharina Wilck: „Das Ganze klingt natürlich fast zu schön, um wahr zu sein – und es war auch von Anfang an kein Selbstgänger. Unsere Kundschaft hat sich im Laufe der Jahre mehrfach gewandelt, und wir mussten uns ein paarmal neu erfinden. So ist das Gros der freien, selbstständigen Feinkost- und Delikatessenhändler, die ursprünglich unsere besten Kunden waren, dem Strukturwandel zum Opfer gefallen.

Das konnten wir durch die Entwicklung von Eigenmarken für größere Kunden, die individuelle Kreation von Gewürzen für Firmenpräsente und die Intensivierung des Internetvertriebs an private Kunden über die Jahre ganz gut ausgleichen. Für die Kreuzfahrt-Seminare meiner Mutter haben wir die Gewürzmischungen, welche die Passagiere an Bord als Give-away bekamen, sogar auf die Routen der Schiffe abgestimmt!

Bei allen Herausforderungen konnte ich immer auf die Unterstützung meiner Mutter und unseres kleinen Teams wie etwa unserer wundervollen langjährigen Kollegin der ersten Stunde, Sangita Mathur­, zählen.

Seit November 2019 haben wir nun auch unsere neuen Geschäftsräume bezogen, die perfekt auf unsere Bedürfnisse abgestimmt sind – und wo interessierte Besucher sehr willkommen sind. Nun passt alles wunderbar zusammen, und wir blicken optimistisch nach vorn. Die nächsten Ideen sind schon in der Pipeline!“

Genusshelden-Rezept: Vegetarisches Limettencurry

Zutaten (für vier Personen)

500 g Brokkoli

500 g grüner Spargel

250 g Prinzessböhnchen

250 g Zuckerschoten

1 Bund Frühlingszwiebeln

1 unbehandelte Limette

30 g frischer Ingwer

2–3 rote Chilischoten

1–2 TL Limettencurry

200 ml Gemüsefond

600 ml Kokosmilch

Salz

grüner oder schwarzer Pfeffer

aus der Mühle

Cayenne

Zubereitung

Brokkoli, Spargel, Bohnen, Zuckerschoten waschen und putzen. Brokkoli in kleine Röschen teilen, Spargel und Zuckerschoten schräg in Stücke schneiden, Bohnen halbieren. Das Gemüse al dente garen, eiskalt abspülen, beiseitestellen.

Das Weiße der Frühlingszwiebeln hacken, das Grüne in feine Ringe schneiden. Limette heiß abwaschen, in dünne Scheiben schneiden. Ingwer schälen, fein hacken. Chilis längs halbieren, Trennwände und Kerne entfernen, Fruchtfleisch fein würfeln. Ingwer-, Chili- und Zwiebelwürfel in heißem Öl anschmoren, Limettencurry zugeben, unter Rühren eine Minute anrösten, mit heißem Gemüsefond ablöschen. Einkochen lassen.

Kokosmilch zugeben, aufkochen lassen. Mit Salz, Pfeffer, Cayenne und restlichem Limettencurry abschmecken. Gemüse zugeben und erhitzen. Mit Limettenscheiben belegen und mit dem Grün der Frühlingszwiebeln bestreuen. Dazu Basmatireis servieren.