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S-Bahnen in Hamburg fallen oft aus – oder sind zu kurz

Eine S-Bahn im Hauptbahnhof (Symbolbild).

Eine S-Bahn im Hauptbahnhof (Symbolbild).

Foto: picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa

Neue Zahlen zeigen, wie unpünktlich die S-Bahn Hamburg tatsächlich ist. CDU spricht von "S-Bahn-Chaos", Senat verspricht Maßnahmen.

Die S-Bahn bleibt ein Sorgenkind des öffentlichen Personennahverkehrs in Hamburg. Das belegen neue Zahlen zu kompletten oder teilweisen Ausfällen von Zügen im laufenden Jahr. Von den rund 10,4 Millionen Zugkilometern, die die S-Bahn zwischen 1. Januar und 20. Oktober 2019 laut Vertrag für die Stadt fahren sollte, wurden rund 363.000 nicht oder mit zu kurzen Zügen gefahren. Das heißt: 3,5 Prozent der vertraglich zugesicherten Leistungen wurden nicht oder nicht vollständig erbracht.

Das ergibt sich aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des CDU-Verkehrspolitikers Dennis Thering und dessen Auswertung der Daten. Demnach wurden mehr als 264.000 Zugkilometer von der S-Bahn wegen Zugausfällen gar nicht gefahren, was mehr als 2,5 Prozent entspricht. Mehr als 98.000 Zugkilometer wurden nur teilweise erbracht, was fast einem Prozent entspricht. Als nur teilweise erbracht gelten Fahrten mit zu kurzen Zügen, etwa wenn statt eines Langzugs mit neun Wagen nur ein Vollzug mit sechs Wagen eingesetzt wird.

Warum so viele S-Bahnen in Hamburg ausfallen

Besonders hoch war der Anteil der Ausfälle auf der Verstärkerlinie S 2, die auf der Strecke Altona–Bergedorf in den Hauptverkehrszeiten fährt. Hier wurden bis 20. Oktober 2019 23,5 Prozent der zugesagten Fahrten gar nicht (19,3 Prozent) oder mit zu kurzen Zügen (4,2 Prozent) durchgeführt. In absoluten Zahlen gab es die meisten Ausfälle auf der viel genutzten Linie S 3 zwischen Pinneberg und Stade. Hier wurden von 3,2 Millionen vereinbarten Zugkilometern etwas mehr als 100.000 nicht (27.710) oder nur mit zu kurzen Zügen (72.414) gefahren.

Im Senat ist man mit dieser Zwischenbilanz nicht zufrieden. Die Betriebsqualität im S-Bahn-Netz erreiche seit dem letzten Winter und bis heute nicht die Qualität, die der Senat bzw. die Verkehrsbehörde als Bestellerin der Verkehrsleistung erwartet und beauftragt habe, heißt es in der Antwort auf die CDU-Anfrage. „Die wesentlichen Störungsursachen waren bis Mitte des Jahres in der durch den Fahrzeughersteller verursachten Verzögerung der Fahrzeugauslieferung und unzureichenden Fahrzeugqualität begründet. Weitere Störungsursachen sind auf die Infrastruktur zurückzuführen.“

Trotz Maßnahmen des Senats: CDU spricht von "S-Bahn-Chaos"

Im Rahmen eines runden Tisches seien daher konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität vereinbart worden. So sollen die Strecken vom Hauptbahnhof bis nach Bergedorf und Neugraben vollständig eingezäunt werden, um die „Zahl der Streckensperrungen durch Personen in den Gleisen“ zu senken. Gleichwohl seien Zugausfälle und Verspätungen „nicht vollständig auszuschließen“, so der Senat. Schließlich sei die S-Bahn ein komplexes Verkehrssystem mit täglich etwa 750.000 Fahrgästen und rund 1200 Zugfahrten, die von mehr als 190 Fahrzeugen durchgeführt würden.

Thering warf dem Senat vor, er bekomme das „S-Bahn-Chaos“ nicht in den Griff. „Allen vollmundigen Versprechungen der Regierungspolitiker zum Trotz kommen weiterhin viele S-Bahnen zu spät, mit zu wenig Wagen oder fallen ganz aus“, so Thering. Dabei hätte SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf doch erklärt, „das Thema zur Chefsache zu machen“.

Wenn sich die Situation nicht verbessere, würden viele Menschen nicht auf ihr Auto verzichten, so der CDU-Politiker. „Wie viele wirkungslose Pünktlichkeitsoffensiven will der Bürgermeister bei Bussen und Bahnen noch verkünden? Bei der Bürgerschaftswahl wird es auch darum gehen, wer die Mobilität für alle sicherstellen kann.“