Verspätungschaos

Mann wird im überfüllten Hauptbahnhof wiederbelebt

Verspätungschaos am Hamburger Hauptbahnhof

26 Züge fielen am Montag aus oder waren verspätet. Mitten im Pendlergedränge am Bahnsteig kam es zu einem medizinischen Notfall.

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26 Züge am Montag verspätet oder ausgefallen: Zeugen und Bundespolizisten haben im Pendler-Gedränge den Tod eines Mannes verhindert.

Hamburg. Unerschrockene Ersthelfer haben am Montagabend einem etwa 60 Jahre alten Mann im Hamburger Hauptbahnhof das Leben gerettet: Es ist voll gegen 19.30 Uhr auf dem Bahnsteig der Gleise 5 und 6, sehr voll sogar. Seit mehreren Stunden haben die Züge der Linien RE 8/80 und RB 81 Verspätung, einige fallen aus, nachdem gegen 16.30 Uhr ein aus Lübeck kommender Zug in Ahrensburg auf der Strecke liegen bleibt und so den gesamten Fahrplan durcheinander wirbelt.

Der Regionalexpress nach Lübeck hätte schon um 18.34 Uhr von Gleis 7 fahren sollen – fast eine Stunde später die Durchsage: Der Zug fährt nicht vom üblichen Gleis, sondern vom Gleis 6 einen Bahnsteig weiter. Insgesamt sind 26 Züge von der Störung betroffen, sie fallen aus oder kommen erst mit großer Verspätung. Die Pendler strömen die Treppen hinauf und wieder hinunter – zu den bereits wartenden Menschen, die mit der Regionalbahn in die gleiche Richtung fahren wollen, vom anderen Abschnitt des selben Gleises.

Hamburger Hauptbahnhof: Mann bricht auf Bahnsteig zusammen

Plötzlich, so schildert es ein Zeuge dem Abendblatt, bricht ein Mann zusammen, mitten im Gedränge auf dem Bahnsteig. Umstehende alarmieren zunächst das Bahnpersonal über den medizinischen Notfall, die Sicherheitswache der Bahn kommt, wie auch die Deutsche Bahn auf Abendblatt-Anfrage erklärt. Andere beginnen, dem Gestürzten zu helfen. Schnell wird klar, dass es buchstäblich um Leben und Tod geht, das bestätigen die Hamburger Feuerwehr und die Bundespolizei. Der etwa 60 Jahre alte Mann atmet nicht mehr, auch sein Herz hat aufgehört zu schlagen.

Zum Glück erinnern sich die Zeugen und die hinzugerufenen Bundespolizisten um den Verunglückten herum an das Allerwichtigste: Sie helfen. Feuerwehrsprecher Jan Ole Unger betont, dass man das so genannte "therapiefreie Intervall", also die Zeit, in der ein Verunglückter ohne Hilfe bleibt, "so kurz wie möglich halten" muss. Unger ermuntert alle, die sich als potenzielle Ersthelfer in einer solchen Situation wiederfinden, die eigenen Zweifel zu überwinden: "Man kann da nichts falsch machen!"

Wiederbelebung glückt: Vom Hauptbahnhof ins Krankenhaus

Prüfen, rufen, drücken: So einfach lässt sich das richtige Vorgehen zusammenfassen. Wenn man feststellt, dass beim Patienten die Atmung ausgesetzt hat und das Herz nicht mehr schlägt, sofort die Rettungskräfte informieren (112) und dann zur Tat schreiten. Viele Menschen haben Angst davor, Fehler zu machen, die Person zu verletzen.

Doch wie Unger erklärt, ist der schlimmste Fall dann bereits eingetreten und man kann es nur besser machen. Das beste Beispiel: Nach einer halben Stunde konnten Notarzt und Rettungskräfte den Patienten vom Gleis ins Krankenhaus bringen – nach erfolgreicher Wiederbelebung.