Deutsche Bahn

Zäune am Gleis sollen die Hamburger S-Bahn schneller machen

S-Bahn-Geschäftsführer Kay Uwe Arnecke und Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann stehen an dem neuen Zaun.

S-Bahn-Geschäftsführer Kay Uwe Arnecke und Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann stehen an dem neuen Zaun.

Foto: Deutsche Bahn AG

Auf den Strecken vom Hauptbahnhof nach Bergedorf und nach Neugraben entstehen neue Barrieren. Die Hintergründe.

Bergedorf. „Deutschland hat die zuverlässigste S-Bahn“, sagt Michael Westhagemann. „Das nimmt uns nur keiner ab, wenn wir die Probleme auf der Strecke nach Bergedorf nicht in den Griff bekommen“, schiebt Hamburgs Verkehrssenator (parteilos) nach. Fürwahr: Gerade auf den Linien der S 21 und S 2 zwischen Hauptbahnhof in Bergedorf kämpft das Mobilitätsunternehmen mit Zugausfällen und -verspätungen. Einer der Hauptgründe dafür „Personen im Gleis“. Um es einzudämmen, werden nun die Strecken von Bergedorf und von Neugraben jeweils bis zum Hauptbahnhof eingezäunt.

An den Gleisen am Übergang von der Wilhelm-Bergner-Straße zur Chrysanderstraße stehen bereits die ersten, zwei Meter hohen Absperrelemente. Bis ins Jahr 2021 hinein sollen insgesamt 15 Kilometer Zaun neben den Schienen aufgestellt werden. Fünf Millionen Euro investiert die Stadt in die Umzäunung. Mit diesem Geld werden zudem an den sieben Stationen des City-Tunnels die Bahnsteigenden abgesperrt.

Problem "Personen im Gleis"

Die Dimension des Problems „Personen im Gleis“ ist – neben technischen Schwierigkeiten mit der neuen Zugreihe E490 – nicht zu unterschätzen: „Externe Störungen im S-Bahn-Betrieb haben sich seit dem Jahr 2016 mehr als verdoppelt, gerade auch auf den Bergedorfer Linien“, sagt S-Bahnchef Kay Uwe Arnecke. Dabei reicht die Palette von Flaschensammlern, Abkürzern, Drogenabhängigen bis hin zu Graffiti-„Künstlern“ (Arnecke: „Hier haben wir in Bergedorf einen Hotspot“).

„Das alles verursacht Einsätze der Bundespolizei. Die meisten Störenfriede werden gar nicht erst aufgegriffen, dennoch müssen wir den Strom und somit den kompletten Betrieb für 30 bis 45 Minuten abschalten“, erklärt Kay Uwe Arnecke. So erkläre sich eine Verfügbarkeitsquote der S-Bahn auf den Bergedorfer Linien von zeitweilig nur 80 Prozent – angestrebt wird ein Wert von 94 Prozent.

Digitalisierter Bahnbetrieb nach Bergedorf

Westhagemann betonte auf der Zugfahrt vom Hauptbahnhof nach Bergedorf noch einmal die Wichtigkeit dieser „Innovationsstrecke“. Auf ihr soll im Oktober 2021 deutschlandweit der erste Test für einen digitalisierten S-Bahnbetrieb starten. Um dies zu erreichen und den S-Bahn-Betrieb generell zu stabilisieren, verabredeten die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation und die Deutsche Bahn im August 2019 einen Sieben-Punkte-Plan „für die Starke Schiene“. Die nun begonnene Umzäunung ist ein Punkt davon. Weiterhin wurde unter anderem eine „schnelle Eingreiftruppe“ installiert, die kurzfristig Störungen behebt und repariert.

Dieser Text erschien zuerst in der "Bergedorfer Zeitung".