Jubiläum

Uroma Josefine Ollmann feiert am 11.11. den 111. Geburtstag

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Jens Meyer-Odewald
Stolz auf ihre Urenkel: Josefine Ollmann wird am 11.11.2019 111 Jahre alt.

Stolz auf ihre Urenkel: Josefine Ollmann wird am 11.11.2019 111 Jahre alt.

Foto: Privat

Die in Kellinghusen lebende Dame gehört zu den fünf ältesten lebenden Deutschen. Sie benötigt bis heute keine Medikamente.

Hamburg/Kellinghusen.  Früher wurde Josefine Ollmann oft nach einem Rezept für ihr damals schon langes Leben gefragt. Die betagte Seniorin, die 1908 in München zur Welt kam, konnte ein paar Zutaten nennen: positives Denken, gesunde Lebensweise, eine intakte Familie, früher täglich einen Ginseng-Drink, vielleicht auch das geliebte, in Österreich hergestellte Steinmehl. Glück und gewiss auch Gottes Segen gehören dazu.

Dass sie nun ausgerechnet am 11. 11. ihren 111. Geburtstag begeht, ist eine erstaunliche Begebenheit des Schicksals. Stimmt die Statistik, zählt sie zu den fünf ältesten lebenden Deutschen. Je zwei Einwohner aus Berlin und Nordrhein-Westfalen sind eher zur Welt gekommen.

Trotz Demenz lebensfroh

Und wenn die Verwandtschaft an diesem Montag aus Hamburg in den Seniorenstift nach Kellinghusen im Kreis Steinburg fährt, um Frau Ollmann zu ehren, gibt es viel zu erzählen. Zwar leidet die betagte Dame mittlerweile stark an Demenz, doch ist ihre Lebensfreude grundsätzlich intakt. Nach wie vor benötigt sie keine Medikamente; und bis zu ihrem 102. Lebensjahr 2010 kam sie prima in der eigenen Wohnung klar.

Erst 2015 wurde sie in ein Pflegeheim verlegt. „Meine Schwiegeroma ist bewundernswert“, sagt der Unternehmer Eric Diebold mit Firmensitz am Millerntor in Hamburg. Er informierte das Abendblatt über das besondere Datum.

Lebende Zeitzeugin mit einstmals exzellentem Gedächtnis

Frau Ollmann, geboren als Josefine Dosch, erlebte elf Dekaden deutscher Geschichte. Entsprechend viel hatte und hat sie zu erzählen. Mit ihren Eltern und einem jüngeren Bruder führte sie der Lebensweg einst unter anderem in die Niederlande, nach Oberschlesien und nach Berlin. Den Schulabschluss schaffte das Mädchen als Jahrgangsbeste am Lyzeum in Wittenberg. 1939 heiratete sie einen Rechtsanwalt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs flohen beide mit ihren Kindern vor der Roten Armee aus Greifswald nach Schleswig-Holstein. Ein Teil ihrer Erinnerungen, schriftlich festgehalten, wurden in das Archiv des Schriftstellers und Deutschland-Chronisten Walter Kempowski aufgenommen. Frau Ollmann ist eine lebende Zeitzeugin mit einstmals exzellentem Gedächtnis.

Bis zum 100. Geburtstag Tagebuch geschrieben

„Sie war immer sehr interessiert an allen Arten von Nachrichten“, erinnert sich ihr in Hamburg lebender Sohn Rainer Ollmann. Bis zu ihrem 100. Geburtstag habe seine Mutter Tagebücher verfasst. Bis dahin war sie in einem Bridgeclub aktiv und spielte leidenschaftlich Scrabble. Vier Enkel und drei Urenkel runden eine große Familie ab.

International gelten Menschen ab 110 Jahren als „Supercentarian“ (Super-Hundertjährige). Weltweit soll es 300 bis 450 geben. Zu ihrem 110. Geburtstag erhielt Josefine Ollmann auch einen persönlich unterschriebenen Glückwunsch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Das Staatsoberhaupt schickte ein gerahmtes Foto. Schon vorher hatte die Seniorin einen Bescheid des Kellinghusener Amtsvorstehers empfangen, fortan von der Personalausweispflicht befreit zu sein. In dem hohen Alter wäre die Verlängerung eine Zumutung.

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