Bürgerschaftswahl 2020

Neue Harmonie unter Männern an der Grünen-Spitze in Hamburg

Justizsenator Till Steffen lässt Anjes­ Tjarks und Jens Kerstan den Vortritt.

Justizsenator Till Steffen lässt Anjes­ Tjarks und Jens Kerstan den Vortritt.

Foto: Michael Rauhe

Tjarks, Kerstan und Steffen treten nicht gegeneinander um Spitzenplätze auf der Grünen-Bürgerschaftsliste an. Das ist die Reihenfolge.

Hamburg. Ihre Kampfabstimmungen gehörten zum festen Bestandteil der Personalwahlen bei den Grünen während der vergangenen Jahre: Vor allem Umweltsenator Jens Kerstan und Justizsenator Till Steffen lieferten sich spannende Duelle, wenn es um die Top-Plätze bei Bürgerschaftswahlen oder den Fraktionsvorsitz ging. Doch bei der Aufstellung der Landesliste für die Bürgerschaftswahl am 23. Februar 2020 wollen sich Steffen, Kerstan und Grünen-Bürgerschaftsfraktionschef Anjes Tjarks nicht in die Quere kommen. Das männliche Spitzentrio hat sich nach Abendblatt-Informationen darauf verständigt, auf den ersten drei „Männerplätzen“ (das sind die mit den geraden Zahlen bei den Grünen) zu kandidieren – aber eben auf unterschiedlichen.

Tjarks hat bereits in seiner Bewerbung, die auf der Internetseite der Grünen steht, angekündigt, dass er auf Listenplatz zwei, also nach Bürgermeister-Kandidatin Katharina Fegebank, kandidieren will. „Ich möchte mit euch zusammen beweisen, dass wir fähig sind, unsere Stadt auch von vorne in eine bessere Zukunft zu führen“, schreibt Tjarks selbstbewusst und spielt damit auf das Wahlziel der Grünen an, stärkste politische Kraft zu werden. Dass Tjarks auf dem ersten „Männerplatz“ antritt, zeigt auch sein in den vergangenen Jahren an der Spitze der Bürgerschaftsfraktion gewachsenes Gewicht bei den Grünen.

Kerstan steht auf Platz vier der Landesliste

Bei den langjährigen Kontrahenten Steffen und Kerstan lässt der Justizsenator diesmal dem Umweltsenator freiwillig den Vortritt. Kerstan wird nach Abendblatt-Informationen auf Platz vier kandidieren – vor fünf Jahren war er Ko-Spitzenkandidat neben Fegebank –, während Steffen auf Platz sechs antreten wird. Selbstverständlich müssen die drei im Prinzip auch mit Gegenkandidaturen rechnen, Überraschungen hat es auf Mitgliederversammlungen der Grünen immer wieder gegeben.

Die Platzierung auf der Landesliste hat zweifellos einen symbolischen Wert und zeigt die Bedeutung im parteiinternen Ranking, aber nicht nur. Von den 15 Grünen-Politikern, die 2015 in die Bürgerschaft gewählt wurden, zogen nur zwei über die Landesliste in das Parlament ein, die anderen 13 wurden in den Wahlkreisen direkt gewählt.

Kerstan tritt im Wahlkreis 15 (Bergedorf) bei der Bürgerschaftswahl am 23. Februar 2020 nur auf Platz zwei an und hat der Bergedorfer Grünen-Kreischefin Jennifer Jasberg den Vortritt gelassen. Bei einem sehr guten Wahlergebnis könnte auch Platz zwei der Grünen „ziehen“, ein Risiko bleibt. Steffen hingegen kandidiert auf Platz eins des Wahlkreises fünf (Rotherbaum/Harvestehude/Eimsbüttel-Ost) und dürfte darüber wie 2015 sicher in die Bürgerschaft einziehen.