Hamburg

Hochbahn bringt mehr E-Scooter auf die Straße – im Winter

Claus Unterkircher, Deutschlandchef von VOI und Henrik Falk, Vorstandschef der Hamburger Hochbahn, beim Start des E-Scooter-Pilotprojekts im Juli.

Claus Unterkircher, Deutschlandchef von VOI und Henrik Falk, Vorstandschef der Hamburger Hochbahn, beim Start des E-Scooter-Pilotprojekts im Juli.

Foto: dpa

Hochbahn und Voi weiten Pilotprojekt in Poppenbüttel und Berne aus. Dort sollen 100 statt 60 Roller fahren. Aber warum jetzt?

Hamburg. Die Hamburger Hochbahn will zusammen mit dem E-Scooter-Anbieter Voi noch mehr Elektro-Tretroller auf die Straßen bringen. Vom 1. November an stünden den Nutzern in Poppenbüttel und Berne im Rahmen eines Pilotprojekts 100 statt bislang 60 E-Scooter zur Verfügung, teilten die Unternehmen am Freitag mit. Die Roller sollen vor allem als Zubringer zu den U-Bahnstationen und zu den Bussen dienen.

Der Minutenpreis für die Entleihe eines E-Scooters von Voi soll mit 15 Cent unverändert bleiben, auch die Kontingente von 100 Freiminuten pro Monat im Pilotgebiet stehen weiter zur Verfügung. Allerding wird pro Leihe von November an eine Entsperrgebühr von einem Euro fällig.

E-Scooter häufiger genutzt als gedacht

Der Grund für die Ausweitung des Angebots ausgerechnet zur kalten Jahreszeit: In den vergangenen Monaten seien die Roller weit häufiger genutzt worden als zunächst angenommen, heißt es bei der Hochbahn. Mehr als 20.000 Fahrten wurden seit Juli im Pilotgebiet zurückgelegt und damit doppelt so viele wie erwartet.

Am häufigsten genutzt werden die E-Scooter laut Hochbahn werktags zwischen 16 und 20 Uhr – allein im September waren das 4000 Fahrten und damit mehr als die Hälfte aller Fahrten des Monats.

E-Scooter werden eher abends als morgens genutzt

Der morgendliche Einsatz an Werktagen zwischen 7 und 11 Uhr fällt mit rund 900 Fahrten hingegen deutlich geringer aus. Einer Nutzerbefragung zufolge liegt dies offenbar an der fehlenden Planbarkeit auf dem Weg zur Haltestelle sowie an der Lage der Sammelpunkte der E-Scooter (sogenannte Hubs) in den Wohngebieten.

Voi plant daher bei der Auswahl dieser Hubs für die letzten zwei Monate des Pilotbetriebes nachzusteuern. Erfreulich ist aus Sicht der Projektpartner, dass vier von fünf Nutzer die E-Scooter tatsächlich, wie von den Unternehmen angedacht, zum Pendeln von und zum Bahnhof verwenden.

Voi bietet Modelle mit besseren Bremsen

Sorge, dass die Nachfrage nach den Rollern in der kalten Jahreszeit einbrechen könnte, hat man bei der Hochbahn nicht. "Das Wetter im September war auch schon sehr durchwachsen, trotzdem hatten wir in diesem Monat die höchsten Nutzungszahlen", sagt Hochbahn-Sprecherin Constanze Dinse.

Um für die Dunkelheit und rutschige Straßen gerüstet zu sein, wird der E-Scooter-Bestand um Modelle der neuesten Generation erweitert – mit optimierten Bremsen, Licht, Federung, sowie Geschwindigkeits- und Akku-Anzeige.

Manchen sind E-Scooter schon zuviel

Manchen Hamburgern sind die E-Scooter von Voi und anderen Anbietern unterdessen schon jetzt zuviel. So bemängelt ein Abendblatt-Leser, dass Voi am Lenzweg in Eimsbüttel seine E-Tretroller morgens "grob fahrlässig" und "verkehrs- und gesundheitsgefährdend" aufstelle. Die Modelle stünden direkt auf dem Gehweg gegenüber einer Wohnanlage für betreutes Wohnen.