Hamburg

Die neue Trinkwasser-Autobahn unter der Autobahn

Rohrleitungsbauer am Eingang des Medientunnels. Der Bau gilt als eine Meisterleistung der Ingenieurskunst und Logistik.

Rohrleitungsbauer am Eingang des Medientunnels. Der Bau gilt als eine Meisterleistung der Ingenieurskunst und Logistik.

Foto: dpa

Frisches Wasser, Strom und Gas für die City: Wegen des A-7-Deckels musste die Stadt alte Brücken abreißen und fünf Tunnel bauen.

Hamburg.  Zielgenau werden zwei Wasserleitungen in ein 20 Meter tiefes Loch gehievt. Es klafft am Osdorfer Weg direkt an der Verkehrsader A 7. Mit einer Mischung aus Beton und Kies ist die Bohrpfahlwand gegen Einsturz gesichert. Unten, auf dem dunklen Grund, sind Arbeiter dabei, die Leitungen in einen Düker zu schieben. Der führt von hier aus direkt auf die andere Seite der Autobahn und wird, wenn alles fertig ist, dazu beitragen, dass frisches Trinkwasser in die City fließt.

Was sich mitten im täglichen Verkehrschaos auf der A 7 im Verborgenen vollzieht, ist eine Meisterleistung der Ingenieurskunst und Logistik. Zehn Versorgungsunternehmen arbeiten mit Hochdruck daran, die Weichen für den A-7-Deckel zu stellen. Um das Prestigeprojekt aus Lärmschutz, Verkehrs- und Stadtentwicklung zu realisieren, muss jedoch gewährleistet werden, was jeder braucht: Trinkwasser, Strom, Gas, Telekommunikation und die Entsorgung des Abwassers.

Bislang führten diese lebenswichtigen Leitungen entlang von Brücken über die Autobahn. Weil diese Trassen aber zugunsten des A-7-Deckels abgerissen werden, mussten neue Wege für die Düker diesseits und jenseits der A 7 entstehen. Wie am Osdorfer Weg.

Leitungen liegen in 20 Meter Tiefe

Roland Stutzki hat stets den Überblick, auch untertage. Der Mitarbeiter von Hamburg Wasser ist Projektleiter für die sogenannten fünf Medientunnel, die für den Bau des A-7-Deckels notwendig sind. Hamburg Wasser koordiniert das Megaprojekt, bei dem Versorgungsleitungen immerhin fünf Meter unterhalb der Fahrbahn und damit 20 Meter tief auf einer Gesamtlänge von 15 Kilometern verlegt werden müssen.

Roland Stutzki trägt Helm und Sicherheitsweste und steigt die schmalen Stufen über Holzbohlen in das tiefe Loch. Es musste erst durch das Grundwasser hindurch gebohrt und mit Beton aufgefüllt werden, Taucher waren am Anfang im Einsatz. Nun ist der Düker, die unterirdische Leitung mit einem Durchmesser von 1,40 Metern, bereit, mehr als 20 einzelne Leitungen aufzunehmen. „Zuerst“, sagt Stutzki, „kommt das Wasser dran. Das machen wir gerade. Danach folgt die Gasleitung.“ Später der Strom.

Allein Stromnetz Hamburg legt neben Mittel- und Niederspannungskabeln auch fünf lebenswichtige 110-kV-Haupttransportkabel, um die Versorgung zentraler und westlicher Stadtteile Hamburgs zu sichern. Die Kabel der großen und kleineren Telekommunikationsunternehmen werden ebenfalls per Düker von der einen auf die andere Seite der Autobahn geschoben.

Versorgungstunnel für 30 Millionen Euro

Jeweils zwei der Medientunnel befinden sich am Osdorfer Weg und der Bahrenfelder Chaussee und einer am Kielkamp. Außerdem nutzen die Versorgungsunternehmen das alte Regenwassersiel an der Behringstraße. Die Düker an der Bahrenfelder Chaussee sind Ende des Jahres startklar, und am Osdorfer Weg soll im Mai 2020 alles unter Dach und Fach sein. Bis dahin sind dann insgesamt 850 Meter Leitungen für Trinkwasser, 300 Meter für Abwasser, 220 für Gas, 7,7 Kilometer für Strom und 5,6 Kilometer für Telekommunikation verlegt.

Investiert wurden 30 Millionen Euro. Hamburg Wasser bewertet die Baumaßnahmen als ein „Vorzeigeprojekt im koordinierten Leitungsbau“. Die Innovation: Die Tunnel bieten Platz für gleich mehrere Versorgungsleitungen. Weil alles gemeinsam koordiniert wurde, habe es weniger Baustellen, geringere Verkehrsbelastungen und weniger Kosten gegeben, sagt Ingo Hannemann, technischer Geschäftsführer von Hamburg Wasser.

„Wir haben alle fünf Medientunnel im bergmännischen Verfahren gebaut“, betont Hannemann. Das heißt, eine Bohrmaschine grub sich von einem Schacht neben der Autobahn zu einem anderen Schacht auf der gegenüberliegenden Seite. „Dass dies unseren Ingenieuren praktisch unfallfrei gelungen ist, darauf sind wir auch ein bisschen stolz.“

Platz für 3000 neue Wohnungen

Wie Christian Merl, Baustellenkoordinator des Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, betont, ist die Dükerung in Altona eine notwendige Voraussetzung für den Ausbau und die Überdeckelung der A 7. Im Zuge der Erweiterung der A 7 um zwei Fahrstreifen nördlich des Elbtunnels wird ein umfassender Lärmschutz aus Tunneln und Wänden in Altona und Eimsbüttel geschaffen. Auf den Tunneldeckeln entstehen Parkanlagen und Kleingärten, und auf den lärmberuhigten Flächen können mehr als 3000 neue Wohnungen gebaut werden, heißt es in der Wirtschaftsbehörde.

Der Ausbau der A 7 sei zwingend erforderlich, um den Fernverkehr nicht zum Erliegen zu bringen. 2028 soll der Verkehr in Altona auf acht Spuren fließen.