Hamburg

Wohlfahrtsverbände fordern zehn Millionen Euro für Senioren

Die Hamburger Wohlfahrtsverbände fordern eine neue Seniorenpolitik für die Stadt.

Die Hamburger Wohlfahrtsverbände fordern eine neue Seniorenpolitik für die Stadt.

Foto: picture alliance / dpa /Stephan Scheuer

Bis 2030 wird ein Viertel der Hamburger über 65 Jahre alt sein. Quartiershäuser sollen Angebote für alte Menschen bündeln.

Hamburg. Eine neue Seniorenpolitik für Hamburg mit Quartiershäusern in der ganzen Stadt fordern die Hamburger Wohlfahrtsverbände. Denn: „Wir werden uns auf immer mehr ältere Menschen und immer mehr arme alte Menschen in dieser Stadt einstellen müssen“, sagt Stefan Rehm vom Diakonischen Werk.

Um die bestehenden Seniorenangebote zu vernetzen und zu professionalisieren, bitten die Verbände die Stadt zur Kasse: Zehn Millionen Euro seien notwendig, um den Herausforderungen in der Seniorenpolitik gerecht werden zu können.

Hamburger Bevölkerung wird immer älter und ärmer

Hintergrund: Die Bevölkerung wird immer älter und immer ärmer. „Bis 2010 werden ein Viertel der Hamburger über 65 Jahre alt sein, die Zahl der über 80-Jährigen von derzeit 91.000 auf 118.000 steigen“, sagt Stefan Rehm. Bisherige Einzelmaßnahmen im Seniorenbereich reichten nicht aus und müssten in Zukunft stärker gebündelt und vernetzt werden.

So könnte ein Teil der bisherigen 83 Seniorentreffs der Stadt zu Quartiershäusern umgewandelt werden. „Die fast ausschließlich ehrenamtlich geführten Seniorentreffs können in der jetzigen Form die veränderten und großen Herausforderungen nicht bewältigen“, sagt Jens Stappenbeck, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (AGFW).

Mit Ehrenamtlichen allein sei das nicht möglich. Die Verbände fordern finanzielle Mittel für hauptamtlich Tätige sowie einen Landesseniorenausschuss, der unter anderem mit Senioren und Vertretern der Verbände besetzt wird.

Der demografische Wandel wird Hamburg vor eine große Herausforderung stellen. Um dem gewachsen zu sein und um die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben in der Stadt sicherzustellen, hat die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege ein Konzept erarbeitet, das 17 Handlungsfelder aufzeigt, darunter Wohnen, Mobilität, Bildung und Teilhabe. „Es gibt bereits viele gute Projekte, aber diese sind nicht miteinander verbunden“, so Jens Stappenbeck.

Zehn Millionen für Seniorenarbeit

Vorbild für eine neue Seniorenpolitik mit Quartiershäusern ist München mit seinen Alten- und Seniorenzentren. Bislang wird die offene Seniorenarbeit mit zehn Millionen Euro finanziert, weitere zehn Millionen sind für den Aus- und Umbau dieser Arbeit notwendig.

Für die Verteilung der Gelder soll ein Gremium aus Vertretern von Betroffenen, Trägern, Bezirken und den Fachbehörden zuständig sein, so die Idee der Wohlfahrtsverbände. „Die vorhandenen Seniorentreffs kann man für neue Quartiershäuser nutzen“, so Steppenbeck. Dort könnten Freizeitangebote genauso stattfinden wie Beratung und Unterstützung – und das mit mehr professioneller Unterstützung.

Auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) plädiert für Quartierhäuser nach Münchener Vorbild. "Uns geht es vor allem um die Einrichtung von Kunden- oder Servicezentren im Stadtteil, die alle Angebote, nicht nur die der Stadt, sondern auch von Initiativen und Organisationen, bündeln“, so der Hamburger SoVD Landeschef Klaus Wicher.

Senatorin: Hamburg ist auf dem richtigen Weg

Laut Gesundheitsbehörde sei Hamburgs Seniorenpolitik auf die generationengerechte Entwicklung der Quartiere ausgerichtet: „Politik für Ältere wird im Quartier spürbar. Deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht, die Quartiere altersgerecht weiter zu entwickeln. Auch in Zukunft investieren wir in alternative Wohnformen und Servicewohnen. Wir heben die Mittel für die Seniorentreffs deutlich an und weiten den Hamburger Hausbesuch für Senioren aus, damit Hamburg ein guter Platz zum Leben und alt werden bleibt“, so Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks.

Das sieht Klaus Wicher kritischer: In den Seniorentreffs arbeiten hauptsächlich Ehrenamtliche, hier bräuchten wir eine verlässliche Finanzierung für festangestellte Mitarbeiter. Das wird wahrscheinlich deutlich mehr Geld kosten als das, was Frau Prüfer-Storcks investieren möchte.“