Klimastreik in Hamburg

Eine Demo wird zum Festtag für Hamburgs Grüne

Auch die Grünen-Politiker Anjes Tjarks (v. l.), Stefanie von Berg und Till Steffen demonstrierten.

Auch die Grünen-Politiker Anjes Tjarks (v. l.), Stefanie von Berg und Till Steffen demonstrierten.

Foto: Andreas Dey/Hamburger Abendblatt

Viele führende Parteimitglieder marschieren bei „Fridays for Future“ mit. Fegebank kritisiert Klimapaket des Bundes.

Hamburg. Jo Müller ist sichtlich bewegt. Sein ganzes politisches Leben lang habe seine Partei sich dafür eingesetzt, dass die Themen Umwelt- und Klimaschutz mehr Gewicht bekommen, erzählt der 72-Jährige. Und jetzt steht er hier auf der Reesendammbrücke zwischen Binnen- und Außenalster, umgeben von mindestens 70.000 Menschen, und kann feststellen: „Das Thema ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

Müller gilt als Urgestein der Grün­en – für die war dieser Freitag natürlich ein Festtag. Fast die gesamte Hamburger Parteiprominenz und viele Abgeordnete nahmen an der „Fridays for Future“- Demonstration durch die Stadt teil. Aber auch etliche Vertreter anderer Parteien waren dabei. „Ich bin beeindruckt, dass so viele Leute hier sind“, sagte Anjes Tjarks, Fraktionschef der Grünen in der Bürgerschaft um 12 Uhr – als noch von 45.000 Menschen die Rede war. „Der Kampf gegen den Klimawandel ist ein Menschheitsthema. Das ist der Grund, warum ich mal politisch aktiv geworden bin.“ Daher unterstütze er die von Jugendlichen initiierte Bewegung natürlich, so der dreifache Vater.

Klimawandel: Das Zukunftsthema in Altona

Auch für die künftige Bezirksamtsleiterin von Altona, Stefanie von Berg, ist der Klimawandel das entscheidende Zukunftsthema: „Wir müssen jetzt alle Präsenz zeigen, egal aus welchen Altersgruppen“, so die frühere Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen. „Wenn wir jetzt nicht handeln und auch zeigen, dass gehandelt werden muss, wird es sehr schnell den Point of no Return geben.“

Aus der SPD nahm unter anderem Fraktionschef Dirk Kienscherf an der Demo teil. „Es ist wichtig für unsere Gesellschaft, dass junge Menschen sich politisch engagieren und für ihre Zukunft kämpfen“, sagte er. „Die Zukunft Hamburgs liegt in einer klimafreundlichen und CO2-freien Energieversorgung.“ Daher habe die Bürgerschaft unter anderem das erste Kohleausstiegsgesetz Deutschlands verabschiedet und die Verkehrswende eingeleitet.

Umweltexperte der Linken lobt Jugendliche

„Ich sehe mit großer Freude, dass auch bei den Jugendlichen die Frage diskutiert wird, ob eine dauerhafte Lösung der Erderhitzung ohne Wechsel des Wirtschaftssystems überhaupt möglich ist“, sagte Stephan Jersch, Umweltexperte der Linken in der Bürgerschaft. „Und ich bewundere ihren Durchhaltewillen: Ohne den zivilen Ungehorsam von ,Fridays for Future‘ würde ein großer Teil der Politik immer noch glauben, die Klimakrise aussitzen zu können.“

Justizsenator Till Steffen (Grüne) zeigte sich beeindruckt, wie Kinder, Eltern und Großeltern gemeinsam auf die Straße gingen: „Die jungen Leute sind als Erste auf die Straße gegangen, aber heute wird deutlich, dass alle Generationen zusammenstehen. Wir müssen entschieden handeln und sicherlich auch manche unbequeme Entscheidung treffen. Daran wird jetzt Politik zu messen sein.“

„Bundesregierung verpasst Moment für Klimawende“

Diese Entschiedenheit vermissten die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank und Umweltsenator Jens Kerstan (beide Grüne), als gegen Ende der Demo die Ergebnisse des Klimagipfels in Berlin bekannt wurden: „Während weltweit Hunderttausende Menschen für echten Klimaschutz aufstehen und einen laut hörbaren Weckruf in die Welt senden, verpasst die Bundesregierung den einmaligen Moment für eine echte Klimawende“, sagte Fegebank. Kerstan meinte: „Die Demonstration heute war ein machtvolles und beeindruckendes Signal für echten Klimaschutz, das kann man vom Paket der Bundesregierung leider nicht behaupten.“