Hamburg

100 neue Wasserspender für die ganze Stadt

Bisher stehen fünf Wasserspender in Hamburg, einer davon an der Schönen Aussicht an der Außenalster.

Bisher stehen fünf Wasserspender in Hamburg, einer davon an der Schönen Aussicht an der Außenalster.

Foto: Bertold Fabricius

Rot-Grün will auch Plastikflaschen den Kampf ansagen. Beitritt zur weltweiten Wasserschutz-Bewegung der „Blue Communities“.

Hamburg. Die rot-grüne Koalition im Rathaus will in den kommenden Jahren rund 100 neue Trinkwasserspender in der ganzen Stadt aufstellen lassen – und damit auch die Nutzung von Plastikflaschen in Hamburg weiter zurückdrängen. Das geht aus einem Bürgerschaftsantrag der Regierungsfraktionen hervor, der dem Abendblatt vorliegt.

Die Pläne sind demnach Teil eines größeren Vorhabens. Hamburg soll nach dem Willen von SPD und Grünen nämlich der weltweiten Bewegung „Blue Communities“ beitreten. Grundsätze dieser von der Organisation „Council of Canadians“ ins Leben gerufenen weltweiten Kampagne sind die Anerkennung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser als Menschenrecht, ein Nein zur Privatisierung der Wasserversorgung, der internationale Erfahrungsaustausch zum Thema Wasser – und die Förderung des Trinkens von Leitungswasser statt Flaschenwasser zur Vermeidung von Kunststoffmüll. Mitglieder von „Blue Community“ sind u. a. bereits Montreal, Paris, Berlin, München, Marburg und Augsburg.

Zahl kontinuierlich erhöhen

Neben dem Beitritt soll die Bürgerschaft auch beschließen, dass der Senat eine „Strategie zur Förderung der Nutzung von Leitungswasser anstelle von Flaschenwasser insbesondere in öffentlichen Einrichtungen und auf Veranstaltungen“ entwickeln solle. Zudem soll er „in Zusammenarbeit mit Hamburg Wasser und den Bezirken ein Wasserspenderprogramm“ für die Stadt auflegen.

In einem „ersten Schritt“ sollen zusätzlich zu den bisher bereits installierten fünf öffentlichen Wasserspendern bis 2021 zehn zusätzliche Spender „mit neuen Prototypen“ eingerichtet werden. Danach soll die Zahl „kontinuierlich erhöht“ werden, und schließlich sollen „gemeinsam mit den Bezirken geeignete Standorte für mindestens 100 neue Trinkwasserspender in der gesamten Stadt“ gesucht werden, an denen diese auch installiert werden, wenn sich das Vorhaben insgesamt als tragfähig erweist. An prominenten, besonders stark frequentierten Orten in der Stadt sollen die Trinkwasserspender „ästhetisch besonders ansprechend“ gestaltet werden. Zur Auswahl des Designs soll „ein Gestaltungswettbewerb für diese besonderen Installationen“ ausgelobt werden.

„Wichtiger Beitrag für ein gesundes Hamburg"

„Die Verfügbarkeit von Trinkwasser in der Stadt insgesamt zu erhöhen ist ein wichtiger Beitrag für ein gesundes Hamburg“, heißt es in dem Antrag von SPD und Grünen. Die sei „gerade auch für ältere Menschen von Vorteil, die häufig nicht ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen“. Das gelte „bei höheren Temperaturen umso mehr und für alle Bevölkerungsgruppen“.

Die Bedeutung von Leitungswasser als Getränk zu unterstreichen sei „auch im Rahmen der Gesundheitsförderung junger Menschen von Bedeutung“. Leitungswasser als Durstlöscher sei eine gesunde Alternative zu zuckerhaltigen Limonaden.

„Hamburg hat sich als Global Active City auf den Weg gemacht, Sport und Bewegung im Rahmen städtischer Entwicklungskonzepte zu integrieren“, so der Antrag weiter. „Dieser Anspruch kann durch frei zugängliche Wasserspender unterstützt und die Bewegungsfreude der Hamburgerinnen und Hamburger weiter gefördert werden, um die Idee der Active City weiter zu stärken.“

Hamburg gegen Privatisierung

Die bereits an fünf markanten Orten der Stadt wie etwa dem Stadtpark oder dem Rathausmarkt installierten Wasserspender hätten sich zwar bereits bewährt. Allerdings hätten sie sich aus Sicht von Hamburg Wasser als „zu wartungsintensiv herausgestellt“. Daher müssten nun zunächst neue Prototypen für Hamburg entwickelt werden. Wichtig seien eine „langfristige technische Robustheit“ und „ein einheitliches Genehmigungsverfahren für alle Bezirksämter“. Beides solle bis Ende 2021 erarbeitet werden, so der Antrag.

„Mit den neuen Wasserspendern schlagen wir mehrere Fliegen mit einer Klappe: Wir bieten Hamburgerinnen und Hamburgern sowie allen Gästen den Service an, jederzeit unterwegs Zugang zu kostenlosem Trinkwasser zu haben“, sagte Grünen-Umweltpolitikerin Ulrike Sparr. „Das wird angesichts der heißer werdenden Sommer immer wichtiger. Zudem können wir den Verbrauch von Einwegflaschen reduzieren, wenn die Menschen ihre eigenen Trinkflaschen unterwegs nachfüllen können.“

SPD-Umweltpolitikerin Monika Schaal betonte, dass die Wasserversorgung in Hamburg „traditionell in öffentlicher Hand“ sei. „Hamburgerinnen und Hamburger haben sich in der Vergangenheit gegen jegliche Privatisierung ausgesprochen“, so Schaal. „Mit dem Beitritt zu den „Blue Communities“ bekräftigen wir, dass Wasser ein Lebensmittel ist und seine Bereitstellung zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehört.“