Prozess

Hamburgerin ersticht ihren Partner und wird freigesprochen

Justitia (Symbolbild).

Justitia (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe / HA

Das Schwurgericht hält es für möglich, dass ihr der 46-Jährige ins Messer gelaufen ist. Die Staatsanwaltschaft hatte Haft gefordert.

Hamburg. Am Ende, nach einer heftigen Auseinandersetzung, stand die Frau mit einem blutigen Messer in der Hand da. Und nicht weit von ihr entfernt lag ihr Lebensgefährte, tödlich verletzt durch einen Stich ins Herz. Monika S. hat immer behauptet, dass es anders war, als man vielleicht annehmen würde. Sie hat beteuert, dass sie ihren Partner nicht getötet hat. Die 27-Jährige hatte die Ereignisse vom 22. November vielmehr als „tragisches Unglück“ bezeichnet. „Er ist mir ins Messer gelaufen.“

Jetzt wurde die junge Frau aus Hamburg im Prozess vor dem Schwurgericht freigesprochen. „Der Tod des Verstorbenen ist Ausdruck und Ende einer tragisch geführten Beziehung gewesen“, sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Die Behauptung der Angeklagten, dass die Tat nicht beabsichtigt, sondern vielmehr ein Unglück gewesen ist, sei nicht zu widerlegen. Die Einlassung, jemand sei einem anderen ins Messer gelaufen, höre man „häufig und ist selten geneigt, ihr zu folgen. Hier ist es aber anders“, erklärte die Richterin. Mit dem Urteil folgte die Kammer dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft gefordert.

Monika S. war wegen Totschlags angeklagt. Nach einem heftigen Streit in der Wilstorfer Wohnung der Angeklagten habe die 27-Jährige auf den Oberkörper ihres Partners eingestochen, hatte es in der Anklage geheißen. Dabei soll sie mit dem Messer so wuchtig zugestoßen haben, dass es das Brustbein den Opfers durchstieß und den Herzbeutel zerfetzte. Kurze Zeit später erlag der 46-Jährige seinen schweren Verletzungen.

Knochen des Opfers waren porös

Im Prozess hatte Monika S. geschildert, dass es kurz vor dem tödlichen Stich zu einem Streit zwischen ihr und ihrem Partner gekommen sei. Hasan B. habe sie schließlich mit einer Schere attackiert, sei dann aber aus dem Zimmer gelaufen. Um sich zu schützen, habe sie sich ein Küchenmesser mittig vor die Brust gehalten. Dann sei Hasan B. schnell in das Wohnzimmer zurückgekehrt und mit Wucht in das Messer gelaufen. Polizisten hatten beim Eintreffen in der Wohnung gesehen, wie die 27-Jährigen bei dem Mann Herzdruckmassage anwandte. Vergeblich.

In einer fast vier Monate dauernden Beweisaufnahme hatte die Kammer sich bemüht, die Geschehnisse aufzuklären. Unter anderem hatten dazu Rechtsmediziner in Versuchen nachgestellt, ob es sich so zugetragen haben kann wie von der Angeklagten behauptet. Das Ergebnis: Es ist durchaus möglich. Entscheidend war dabei der Kraftaufwand, der nötig war, um mit einem vergleichbaren Messer ein Brustbein zu durchstoßen. Die Messreihen ergaben, dass dazu nur eine vergleichsweise geringe Kraft aufgewendet werden musste, weil das Opfer eine ungewöhnlich niedrige Knochendichte im Bereich des Brustbeins hatte.

Auch wenn Zweifel blieben, so die Vorsitzende, spreche für einen Unfall auch, dass die Angeklagte das Kerngeschehen von Anfang an so geschildert hatte. „Es wäre aber besser gewesen, Sie hätten, statt zum Messer zu greifen, die Wohnung verlassen und die Polizei gerufen.“