Hamburg

Ein neues Quartier im Herzen von Eimsbüttel

Peter Wenzel (v.l.), Kay Gätgens,, Rolf Schuster und Stefan Best präsentieren an einem Modell, wie sich das neue Wohnquartier in die Umgebung einfügt.

Peter Wenzel (v.l.), Kay Gätgens,, Rolf Schuster und Stefan Best präsentieren an einem Modell, wie sich das neue Wohnquartier in die Umgebung einfügt.

Foto: TROMA Alters- und Hinterbliebenenstiftung

Auf dem Werksgelände von Beiersdorf entstehen bis zu 900 Wohnungen und Grünflächen. Eine Planung mit Bürgerbeteiligung.

Eimsbüttel. Bezirksamtsleiter Kay Gätgens nennt das Projekt einen „Sechser im Lotto für den Stadtteil“: Beiersdorf, Produzent weltweit erfolgreicher Marken wie Nivea und Labello, macht sein Werksgelände mitten in Eimsbüttel frei für den Wohnungsbau. 700 bis 900 Mietwohnungen sollen im nächsten Jahrzehnt zwischen Unna- und Quickbornstraße entstehen. Möglich wird das, weil der Konzern seinen Standort an der Troplowitzstraße ausbaut und mit seinen 3000 Mitarbeitern dorthin umzieht.

Was Gätgens so freut: Das neue Quartier wird sich gleich mehrfach positiv auf den Stadtteil auswirken: Es schafft Platz für dringend benötigte Wohnungen, soll überwiegend autofrei sein – und wird die umliegenden Viertel wieder miteinander vernetzen, die seit Jahrzehnten durch das 3,5 Hektar große Beiersdorf-Areal getrennt werden.

Ausschließlich Mietwohnungen geplant

Im neuen Viertel sind ausschließlich Mietwohnungen geplant, rund 20 Prozent werden öffentlich gefördert. Beiersdorf tritt künftig als Vermieter auf, Bauherrin ist die von Unternehmensgründer Oscar Troplowitz ins Leben gerufene Alters- und Hinterbliebenenstiftung TROMA. Am Dienstag stellten Stefan Best, Geschäftsführer der Beiersdorf Immobiliengesellschaft, Bezirksamtsleiter Gätgens, Eimsbüttels Baudezernent Rolf Schuster sowie TROMA-Geschäftsführer Peter Wenzel den Siegerentwurf des städteplanerischen Wettbewerbs für die Quartiersgestaltung vor.

Er stammt vom Kölner Büro ASTOC Architects and Planners und den Düsseldorfer Landschaftsplanern von LAND – und hat sich gegen sieben weitere Bewerber durchgesetzt. Die elfköpfige Jury lobt an dem Siegerentwurf vor allem, dass er eine „hervorragende städtebauliche Grundlage für die Entwicklung eines lebendigen Viertels“ schaffe und mit seiner angedachten Gebäudetypologie und der vorgeschlagenen Freiraumstruktur den Stadtteil positiv ergänze. Baudezernent Schuster nennt das Quartier einen „neuen Stadtbaustein, der sich selbstverständlich in die Umgebung einfügt“. Die hier entwickelten städtebaulichen Strukturen mit ihrer Offenheit zu den angrenzenden Quartieren seien ebenso gelungen wie der Brückenschlag zum Park „Am Weiher“.

An einem hölzernen Modell ist gut zu sehen, was er meint. Die insgesamt fünf Blöcke des noch namenlosen Quartiers setzen sich aus locker angeordneten Gebäuden zusammen, die neue Wegeverbindungen und Plätze für Passanten, aber auch Privatheit für die Bewohner ermöglichen. Die meisten Gebäude greifen die Höhe der überwiegend siebengeschossigen Nachbarschaft auf. Lediglich zwei Gebäude sollen „städtebauliche Akzente“ setzen und zehn, beziehungsweise zwölf Stockwerke hoch werden. Mit Läden im Erdgeschoss sollen sie an einem Weg stehen, der von der Unna- zur Quickbornstraße durchs Quartier führt – und direkt am Park „Am Weiher“ beginnt, wo ein Platz mit (Außen-)Gastronomie geplant ist.

Bürgerbeteiligung ab Herbst

Bislang ist nur entschieden, wie die Gebäude aussehen und angeordnet sein sollen. Im Herbst sollen das Bebauungsplanverfahren auf Grundlage des Siegerentwurfs fortgesetzt und weitere Details formuliert werden. Bürgerbeteiligung ist dann im Rahmen der Öffentlichen Plandiskussion möglich.

Schon der jetzige Siegerentwurf entstand mit öffentlicher Beteiligung. „Die Perspektiven der Bürger sollten in diesem Prozess frühzeitig berücksichtigt werden“, so TROMA-Geschäftsführer Wenzel. Dafür war im vergangenen Jahr eigens die „Stadtmacherei“ eröffnet worden: eine Art Planungswerkstatt, in der bei Workshops Ideen von Anwohnern, darunter auch Kindern und Jugendliche, zu Themen wie Städtebau, Wohnen, Mobilität und Nahversorgung gesammelt und diskutiert worden waren.

Insgesamt hat es seit Sommer 2018 zehn öffentliche Veranstaltungen gegeben, an denen sich mehr als 3000 Menschen beteiligt hatten. Dabei habe es zwar auch kritische Anmerkungen gegeben, so Bezirksamtsleiter Gätgens. Die hohe Konfliktträchtigkeit, die es sonst bei Wohnungsbauvorhaben in dieser Größe gebe, habe er bislang aber nicht wahrgenommen. Der Bau des neuen Quartiers soll 2022 beginnen und könnte – wenn der Fitness-Club Meridien an der Quickbornstraße seinen Mietvertrag verlängert – 2028 abgeschlossen sein. Zieht der Club aus, werden dort Wohnungen gebaut, was bis 2032 dauern könnte.

Die „Stadtmacherei“ (Osterstraße 45) stellt vom 16. bis zum 28. September alle Entwürfe aus. Geöffnet Mo bis Fr, 16 - 19 Uhr, Sa 10 - 14 Uhr