Nahverkehr

Wie die Hochbahn in die Zukunft des Busverkehrs investiert

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Ulrich Gaßdorf
Busdesigner Daniel-Vincent Seeger im neu gestalteten Hochbahn-Bus.

Busdesigner Daniel-Vincent Seeger im neu gestalteten Hochbahn-Bus.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Neues Innendesign soll Fahrgäste locken. Zudem wird mehr emissionsfreie Technik kommen. Nächste U-Bahn-Generation in Planung.

Hamburg.  Der Mobilität in Hamburg sind keine Grenzen mehr gesetzt. Der Elektroshuttle Moia ist seit April auf dem Markt, Tausende E-Scooter können für kurze Strecken ausgeliehen werden, und Free Now bietet seit Kurzem den Fahrservice Ride an, der deutlich günstiger als eine Fahrt mit dem Taxi ist. Und dann gibt es da noch die Hamburger Hochbahn, die ihre neuen Elektrobusse mit einem frischen Design ausgestattet hat und um Fahrgäste wirbt. 15 Mercedes-Benz-eCitaro-Busse werden bereits eingesetzt. Weitere 15 dieser per Batterie betriebenen Fahrzeuge, die eine Reichweite von 150 Kilometern haben, sollen noch in diesem Jahr geliefert werden.

Die Hochbahn setzt auf Wohlfühlatmosphäre

Der Hochbahn-Designmanager Daniel-Vincent Seeger und sein Team sind für die Neugestaltung verantwortlich. „Die Konkurrenz ist groß, deshalb müssen wir unseren Fahrgästen auch etwas bieten. Bei einer Busfahrt geht es nicht mehr nur darum, die Kunden von einem Ort zum anderen zu bringen, sondern auch um eine gewisse Wohlfühlatmosphäre“, sagte Seeger.

Das sieht dann so aus: Der Fußboden ist in dunkler Holzoptik gehalten, die 25 Sitzplätze sind mit cremefarbenem Stoff mit grauen Punkten bezogen. Im hinteren Bereich ist viel Platz für Kinderwagen oder Rollstühle. Die Halte­schlaufen zum Festhalten sind aus braunem Leder.

Wer sein Aufladekabel dabei hat, kann sein Handy an die Ladebuchsen anschließen und das kostenlose WLAN nutzen. „Wir wollten bewusst keine grellen und auffälligen Farben, sondern ein dezentes, ansprechendes Design“, sagte Seeger.

Hochbahn will bis 2030 alle Dieselbusse stilllegen

Ins Auge fallen auch die beiden Monitore. Auf dem einen werden die Fahrgäste über den Streckenverlauf informiert, auf dem anderen über die emissionsfreien Busse. Dieses Thema ist auch schon auf dem in rot-weiß lackierten Fahrzeug mit einer blauen Zierleiste sichtbar. Die Fenster sind mit Sprüchen wie „Emissionsfreier Überflieger mit 110 Prozent Bodenhaftung“ oder „Hamburgs neue Kiezgrößen. Saubere Weste statt digge Hose“ beklebt.

Für Markus Dietmannsberger, Projektleiter E-Mobilität bei der Hochbahn, ist wichtig: „Unsere Kunden sollen nicht nur den Fahrkomfort in den Elektrobussen erleben, sondern sollen auch wissen, was die Vorteile dieser Antriebsart sind. Es ist ja bekannt, dass wir ab 2020 nur noch emissionsfrei Busse bestellen werden.“ Ziel sei es, dass die Hochbahn ab etwa 2030 keine Dieselbusse mehr in seiner Fahrzeugflotte habe.

2021 kommen Brennstoffzellen-Busse

In diesem Jahr werden insgesamt 30 Elektrobusse, die mit Batterie betrieben werden, angeschafft. 30 weitere dieser Fahrzeuge sollen im kommenden Jahr ausgeliefert werden. Diese sollen eine Reichweite für den Batteriebetrieb von rund 200 Kilometern haben. Insgesamt kosten die 60 Elektrobusse rund 36 Millionen Euro.

Am Donnerstag wurde verkündet, dass die Hochbahn und Mercedes-Benz eine Entwicklungspartnerschaft vereinbart haben. Es sollen Ende 2021 die ersten zwei emissionsfrei angetriebenen Gelenkbusse mit Brennstoffzelle als Range Extender (Reichweitenverlängerer) in Hamburg eingesetzt werden.

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Das ist eine Weiterentwicklung des eCitaro, der den serienreifen Batterieantrieb mit Wasserstofftechnologie kombiniert. „Von der Neuentwicklung des Brennstoffzellenbusses auf der Basis des reinen Elektrobusses erwarten wir Vorteile gerade bei höheren Reichweiten“, sagte Hochbahn-Chef Henrik Falk.

Jetzt ginge es darum, die Fahrzeuge möglichst schnell in großer Stückzahl auf die Straße zu bringen.

Der Busdesigner arbeitet auch an der nächsten U-Bahn-Generation

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) auf einer Delegationsreise vor Kurzem deutsche Hersteller kritisiert hatte. „Wir erkennen noch nicht die Ambition, die wir in Japan erleben. Wenn die deutsche Fahrzeugindus­trie nicht liefern kann, setzen wir auf ausländische Anbieter“, sagte Tschentscher.

Unterdessen arbeitet Daniel-Vincent Seeger mit seinem Team auch schon an der neuesten Fahrzeuggeneration der U-Bahn. Das ist der DT 6, der auf der neuen Linie U 5 eingesetzt werden soll. „Wir haben bereits erste Entwürfe für das Innendesign entwickelt. Natürlich setzen wir auch hier auf Komfort und Funktionalität“, sagte der Designer.

Aber bis der DT 6 auf den Markt kommt, dauert es noch einige Jahre. Die ersten U-Bahnen auf dem rund 5,8 Kilometer langen Abschnitt der U 5 vom Bramfelder Dorfplatz bis in die City Nord sollen 2026/2027 fahren.

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