Hamburg

Kammerrebell Teichert will die SPD nach links rücken

Torsten Teichert würde es auch auf eine Kampfkandidatur ankommen lassen (Archivbild)

Torsten Teichert würde es auch auf eine Kampfkandidatur ankommen lassen (Archivbild)

Foto: Andreas Laible

Früherer Lloyd-Fonds-Chef Torsten Teichert möchte für die Bürgerschaft kandidieren. Olaf Scholz als Parteichef lehnt er ab.

Hamburg.  Er war Referent von Bürgermeister Klaus von Dohnanyi, hat die Filmförderung geleitet und die Investment-Gesellschaft Lloyd Fonds geführt; er hat sich für die (gescheiterte) linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ um Linken-Ikone Sahra Wagenknecht eingesetzt und als einer der Rebellen gerade noch (erfolglos) für das Amt das Handelskammer-Präses kandidiert. Ausgelastet ist Torsten Teichert aber offenbar nicht. Denn nun will der Literaturwissenschaftler, der über den Schriftsteller Hubert Fichte promovierte, mit 62 Jahren richtig in die Politik einsteigen. Gerade hat er in der SPD seine Kandidatur für einen Platz auf der Landesliste zur Bürgerschaftswahl 2020 angekündigt.

Dabei geht es Teichert nach eigenem Bekunden darum, die SPD weiter nach links zu rücken. „Ich kandidiere, weil ich mithelfen möchte, die SPD wieder zu einer linken Volkspartei zu machen“, sagte Teichert dem Abendblatt. „Die SPD hat aufgrund vieler Fehlentscheidungen das Vertrauen der Menschen verloren.“

Teichert: "Olaf Scholz wäre der falsche Vorsitzende"

So sei in der ersten rot-grünen Bundesregierung der Spitzensteuersatz von 53 auf 42 Prozent abgesenkt worden, „gleichzeitig wurden mit Hartz IV die Ärmsten bestraft“, so Teichert. „Dieser neoliberale Kurs dauert bis heute. Die ungleiche Vermögensverteilung ist ein Skandal.“ Daher brauche man eine „klare Erbschafts- und Vermögenssteuer“ und die Schuldenbremse müsse gelockert werden. „Wir sollten einen Mindestlohn für Staatsbetriebe und öffentliche Aufträge von 15 Euro einführen.“ Da Gesundheit „kein Spekulationsobjekt sein darf, sollten wir versuchen, das gesamte Krankenhauswesen wieder in kommunale Hand zu bekommen“, so Teichert.

Passend dazu stellt sich der Parteilinke klar gegen Ambitionen von Ex-Bürgermeister Olaf Scholz, den Vorsitz der SPD zu übernehmen. „Olaf Scholz wäre der falsche Vorsitzende. Mit ihm würde sich die Talfahrt der SPD beschleunigen“, glaubt Teichert. „Deshalb setze ich meine Hoffnung auf linke Kandidaten, insbesondere auf Simone Lange.“

Entscheidung fällt am 2. November

Ob er mit diesem Kurs eine Chance auf einen guten Listenplatz hat, ist offen. Derzeit arbeiten die Parteikreise an Vorschlägen für die Landesliste, auch Teicherts Kreis Altona. Danach wird es einen Gesamtvorschlag des Landesvorstandes geben. Die Entscheidung fällt auf der SPD-Landesvertreterversammlung am 2. November. Sollte die Parteiführung ihn nicht nominieren, würde er es wohl auch auf eine Kampfkandidatur ankommen lassen, so Teichert.