Prozess

Verbotenes Autorennen: Mit Tempo 170 durch Hamburg

Justitia, Hamburg, Gericht, Strafgericht, Symbolbild

Justitia, Hamburg, Gericht, Strafgericht, Symbolbild

Foto: Michael Rauhe / HA

Mit einem aufgemotzten AMG durch die Stadt gerast: 22-jähriger Mercedes-Mitarbeiter erhält 4500 Euro Geldstrafe.

Hamburg.  Der Mann gab Vollgas. Doch trotz aller Bemühungen gelang es dem Polizisten nicht, einem Raser auf den Fersen zu bleiben. „Der Abstand wurde immer größer“, erzählt der Polizist. Tempo 170 hatte der Beamte damals in der Spitze selber drauf – in der Hansestadt. Doch die zwei hochmotorisierten Sportwagen, die er verfolgte, hängten ihn locker ab.

Einer, der seinerzeit bei einem Mercedes C43 AMG am Steuer saß, sitzt jetzt als Angeklagter vor dem Amtsgericht – ganz entschleunigt, kann man das wohl nennen. Denn Kanil E. hat wegen seiner Raserei vom 12. Januar zurzeit keinen Führerschein mehr. Und der 22-Jährige wirkt zerknirscht angesichts der Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, er habe an jenem Tag an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen teilgenommen. „Ich bereue, dass es zu so einer unnötigen und dummen Situation gekommen ist“, heißt es in einer Erklärung, die der junge Mann über seinen Verteidiger abgibt.

Ein Rennen geliefert

Der Angeklagte räumt ein, sich vom Heidenkampsweg bis zur Autobahn 252 mit einem Mercedes der S-Klasse ein Rennen geliefert zu haben. Er habe so etwas noch nie vorher getan und werde es auch nie wieder tun. „Das war ein ganz blöder Gedanke, eine dumme Situation“, sagt der kräftig gebaute Mann mit akkurat frisiertem Schopf auf die Frage, wieso er sich auf ein solches Rennen eingelassen habe.

Der Wagen gehörte nicht ihm. Er hatte ihn als Mitarbeiter bei Mercedes mieten können. Wichtig ist dem jungen Mann, möglichst bald wieder Auto fahren zu dürfen. Insbesondere für Nachtschichten sei es kaum machbar, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu seinem Arbeitsplatz in Wilhelmsburg zu kommen, erzählt er.

Ein Polizist schildert als Zeuge, wie er wegen lauter Motorengeräusche auf die beiden Autos aufmerksam wurde. An einer Ampel sah er zwei ähnlich aussehende Mercedes, von denen einer bei Grün „extrem schnell anfuhr“. Bei der nächsten roten Ampel hielten die Autos, die Fahrer drückten im Leerlauf offenbar voll aufs Gas, sodass die Motoren aufröhrten. Bei Grün hätten dann beide „extrem beschleunigt. Ich habe versucht, dranzubleiben.“ Doch das sei trotz Vollgas nicht gelungen. Einmal sei von einem Fahrer so stark gebremst worden, „dass das Bremslicht flackerte“.

Polizei kam nicht hinterher

Dies geschehe nur dann, wenn es eine Gefahrenbremsung gibt. Dann habe der Wagen wieder auf Vollgas beschleunigt. „Ich kam nicht hinterher.“ Erst später habe einer der Fahrer sein Tempo gedrosselt und schließlich angehalten. „Er wirkte gelangweilt. So nach dem Motto: Polizei, das muss ja jetzt nicht sein.“

Schließlich erhält Kanil E. eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 50 Euro. Zudem soll der Führerschein, den der 22-Jährige schon für zwei Monate abgeben musste, für weitere zehn Monate eingezogen werden. Entscheidend für die Frage, ob es sich um ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen handelte, sei, dass beide Autos sich vorher trafen und die Fahrer an einer roten Ampel im Leerlauf Vollgas gaben. „Das reicht schon als verbotene Absprache“, sagt der Richter.

Verboten seien solche Rennen deshalb, „weil dadurch viel zu viele tödliche Unfälle passieren“. Bei einem solchen Tempo reiche schon ein kleiner Fahrfehler oder eine geringe Unaufmerksamkeit aus, um folgenschwere Crashs zu verursachen. Und dass Kanil E. seinen Führerschein für etliche Monate los ist und damit Probleme beim Arbeitsplatz bekommen wird, habe er selbst zu verantworten. „Sie sind sehenden Auges da reingefahren.“