Polizei

Lastwagen im Visier – jeder sechste Fahrer alkoholisiert

Eine Polizistin bei einer Lkw-Kontrolle. Bundesweit sollen am 12. September Tausende Lastwagen und ihre Fahrer überprüft werden.

Eine Polizistin bei einer Lkw-Kontrolle. Bundesweit sollen am 12. September Tausende Lastwagen und ihre Fahrer überprüft werden.

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

5000 Beamte sind bei dem Aktionstag im September im Einsatz. 58.000 Vergehen gab es allein in Hamburg innerhalb eines Jahres.

Hamburg.  Der Sattelzug aus Litauen kam plötzlich von der Fahrbahn ab und krachte in den Graben – der Auflieger drehte sich quer zur Fahrbahn. Beim 34 Jahre alten Fahrer des Lastwagens wurden wenig später 2,67 Promille Alkohol im Atem festgestellt. Zehn Stunden lang ging rein gar nichts mehr auf der Autobahn 7 in Höhe Rendsburg. Der Sachschaden: rund 200.000 Euro.

Es sind Unfälle wie dieser vor wenigen Wochen, die Politik und Polizei alarmieren. Deshalb soll am 12. September eine bundesweite Großkontrolle die Fahrer und Logistikunternehmen sensibilisieren. Bis zu 5000 Polizisten werden im Einsatz sein und die Lastwagen überprüfen. „Wir alle kennen schreckliche Bilder von Lkw, die auf Stauenden aufgefahren sind, die sogenannten Elefantenrennen und endlose Lkw-Schlangen“, sagte der schleswig-holsteinische Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) am Montag bei der Vorstellung des Aktionstages. „Wir wissen aber auch, dass gerade die gewerblichen Lkw-Fahrer heute einem immer größer werdenden Zeit- und Kostendruck ausgesetzt sind.“

Aufklärung ist wichtig

Mit der Großkontrolle sollte deshalb vor allem Aufklärung betrieben werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer, der technische Zustand der Lkw und die Sicherung der Ladung. Denn wegen ihrer Größe, Schwere und der transportierten Güter käme den großen Fahrzeugen auch eine besondere Bedeutung im Straßenverkehr zu. Zuletzt wurden im Jahr 2018 bei 29.000 Unfällen mit Lastwagen in Deutschland im vergangenen Jahr rund 40.000 Menschen verletzt, 762 Menschen kamen ums Leben.

In Hamburg wurde im Juni ein 52 Jahre alter Fahrradfahrer in St. Georg von einem Lkw erfasst und erlag später seinen Verletzungen. Im Vorjahr hatte ein weiterer tödlicher Unfall am Eppendorfer Weg zahlreiche Protestaktionen von Fahrradfahrern und eine politische Debatte über die Verkehrssicherheit ausgelöst. Nach der Statistik der Hamburger Polizei waren im Jahr 2018 auch zwei Lkw-Fahrer unter den 29 Verkehrstoten. In Schleswig-Holstein gab es laut Landespolizeidirektor Michael Wilksen 1700 Verletzte bei Unfällen mit Lastwagen, ein Plus von drei Prozent. 27 Menschen starben.

Jeder sechste Lkw-Fahrer war alkoholisiert

Das Risiko, bei einer solchen Kollision getötet zu werden, ist laut Polizei für andere Verkehrsteilnehmer fast viermal so hoch wie für die Fahrer der Lastwagen. Zu den häufigsten Ursachen für die schweren Unfälle gehörten neben Fehlern beim Abbiegen, mangelndem Abstand und zu hoher Geschwindigkeit auch Übermüdung der Lkw-Fahrer.

Bei Kontrollen im Bundesgebiet war mitunter jeder zehnte, in Einzelfällen sogar jeder sechste Lastwagenfahrer alkoholisiert. Dieses Problem betreffe vor allem ausländische Fahrer, heißt es von Polizeibeamten. Bei Alkohol am Steuer sind ihnen jedoch 0,5 Promille erlaubt, auch wenn etwa der schleswig-holsteinische Logistikverband bereits eine 0,0-Promille-Grenze gefordert hat.

In Hamburg wurden allein im Jahr rund 58.500 Verstöße von Lkw-Fahrern gegen Verkehrsregeln bemerkt, so ein Polizeisprecher auf Anfrage – darunter 1000 Fälle von Handynutzung am Steuer. In knapp 180 Fällen wurde eine Verkehrsstraftat im Zusammenhang „mit Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln“ festgestellt – davon 89-mal bei einem Unfall.

Schlecht gesicherte Ladung

Ein weiteres Problem ist schlecht gesicherte Ladung. Die Polizei demons­trierte am Montag in Kiel, wie Flüssigkeitsbehälter schon bei Tempo 20 nach einer Vollbremsung wuchtig über die Ladefläche purzeln, wenn sie nicht gesichert sind. Landespolizeisprecher Torge Stelck räumte mit einer Mär auf: „Eigengewicht sichert überhaupt nicht“, betonte er. Schon kleine Maßnahmen könnten dabei große Wirkungen entfalten.

In den vergangenen Jahren kamen zahlreiche Assistenzsysteme auf den Markt, um etwa Kollisionen beim Abbiegen innerhalb von Ortschaften und die häufigen Auffahrunfälle auf den Autobahnen besser zu verhindern. In der Praxis gibt es dabei aber noch Probleme. So sagte der Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung der „FAZ“, dass der Platz auf den Autobahnen für den Mindestabstand selten ausreiche – „dann können die Notbremsassistenten nicht richtig arbeiten“. Lastwagenfahrer sagten, dass die Systeme zuweilen abgeschaltet würden, da sie auch in unkritischen Situationen auslösten. Insgesamt soll die fortschreitende Technik den Verkehr sicherer machen – ab dem Jahr 2022 wird ein elektronischer Abbiegeassistent europaweit zur Pflicht für LKW. mit dpa