Hamburg

Neues Bildungszentrum – ein Werkzeug von Islamisten?

Mit Spruchbändern  zogen die Demonstranten der Furkan-Gemeinschaft am Wochenende durch die Innenstadt.

Mit Spruchbändern zogen die Demonstranten der Furkan-Gemeinschaft am Wochenende durch die Innenstadt.

Foto: Miochael Arning

"Ort des Kennenlernens" in Wandsbek eröffnet. Verein soll jedoch zur extremistischen Furkan-Gemeinschaft gehören.

Hamburg. Bei Instagram sind die Bilder der Eröffnung zu sehen: Mehrere Dutzend Männer und Frauen vor dem Gebäude nahe des Kinokomplexes am Friedrich-Ebert-Damm, eine Festrede, Girlanden aus Herzen im Inneren. "Möge Allah diese Einrichtung schützen", steht dazu geschrieben - das neue Bildungszentrum an der Straße Am Stadtrand solle ein "Ort des Kennenlernens" für Muslime und Andersgläubige sein. Nach Abendblatt-Recherchen wird die neue Institution jedoch bekannten Islamisten zugerechnet

Ein Sprecher des Verfassungsschutzes bestätigte auf Anfrage, dass das Bildungszentrum über den Verein "Jugend, Bildung und Soziales e.V." der als extremistisch eingestuften Furkan-Gemeinschaft zuzuordnen sei. Diese teilte auch die Bilder der Eröffnung in den sozialen Netzwerken. Erst am vergangenen Woche hatte eine Demonstration mit 260 Teilnehmern in der Innenstadt für Aufsehen gesorgt. Männer und Frauen demonstrierten dabei getrennt. Nach Angaben des Verfassungsschutzes strebt die extremistische Organisation die Errichtung einer Art weltweites Kalifat an.

150 Anhänger der Gruppe in Hamburg

Nach Zahlen von Ende 2018 hat die Gemeinschaft in der Hansestadt rund 150 Anhänger. Nachdem es sich in der Vergangenheit überwiegend um Anhänger mit türkischem Migrationshintergrund gehandelt habe, öffne sich die Organisation mittlerweile auch für Personen anderer Herkunft und anderer islamistischer Gruppierungen, hieß es. Ein Sprecher des Verfassungsschutzes warnt deutlich davor, dass Bildungszentrum in Wandsbek zu besuchen: "Die Ideologie dieser extremistischen Organisation ist mit unserer Demokratie unvereinbar."

Die Furkan-Gemeinschaft wird bereits seit dem Jahr 2016 vom Hamburger Verfassungsschutz beobachtet. Am 20. Oktober vergangenen Jahres hatten 200 Anhänger erstmals auch bei einer Demonstration in Hamburg die Freilassung ihres in der Türkei inhaftierten geistigen Oberhaupts gefordert. Nach Angaben der Polizei verlief der Protestzug damals friedlich.

Verfassungsschutz warnt vor "Entgrenzung"

Wie es von den Sicherheitsbehörden heißt, versuchen Islamisten wie andere extremistische Gruppierungen, sich über scheinbar harmlose soziale Träger tiefer in der Gesellschaft zu verankern und neue Mitglieder zu gewinnen. Zuletzt war etwa der Fußballverein Adil e.V. von mutmaßlichen Islamisten der Gruppe "Hizb-ut Tahrir" in Wilhelmsburg als Werkzeug gegründet worden. Im April löste sich der Verein auf, nachdem ihm die Spielerlaubnis entzogen worden war.