Bauforum

Hamburgs Ausfallstraßen sollen „Stadträume“ werden

Die Kieler Straße gehört zu den am stärksten befahrenen Strßaen in Hamburg.

Die Kieler Straße gehört zu den am stärksten befahrenen Strßaen in Hamburg.

Foto: imago stock&people

Die Hansestadt ist derzeit Hauptstadt der Architektur: 150 Experten diskutieren in Deichtorhallen die Zukunft der Magistralen.

Hamburg. In dieser Woche ist Hamburg die Hauptstadt der Architektur: Rund 150 Experten aus dem In- und Ausland sind in die Deichtorhallen gekommen, um sich in der offenen Planungs- und Ideenwerkstatt mit den Hamburger Magistralen zu befassen. Gleich sieben zentrale Ausfallstraßen nehmen Architekten und Stadtplaner unter die Lupe.

Dabei geht es um die Stresemannstraße bis zur Wedeler Landstraße (B 431), die Kieler Straße bis zur Pinneberger Chaussee (B 4), die Grindelallee bis zur Langenhorner Chaussee, den Steindamm bis zur Meiendorfer Straße, die Amsinckstraße bis zur Holtenklinker Straße (B 5), die Buxtehuder bis zur Cuxhavener Straße (B 75) sowie den Ring 2. Zur Eröffnung versprach Bürgermeister Peter Tschentscher am Dienstagabend in den Deichtorhallen: „Wir werden die Mobilität in Hamburg in Zukunft leiser und umweltschonender organisieren und wollen die Magistralen zu attraktiven Stadträumen weiterentwickeln.“

140.000 Menschen leben im Umfeld der Einfallsstraßen

Schon am Montagabend war das Bauforum in einem lockeren Rahmen eröffnet worden. Dabei bezeichnete Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, die Entwicklung der Magistralen als Jahrhundertprojekt. So lebten im Umfeld der Einfallstraßen rund 140.000 Menschen – deutlich mehr als etwa in der Neuen Mitte Altona oder dem geplanten neuen Stadtteil Oberbillwerder. Die Magistralen böten faszinierendes Potenzial für die Stadtentwicklung in der wachsenden Metropole.

Franz-Josef Höing, Oberbaudirektor und Impulsgeber des Bauforums, rief den beteiligten Architekten halb im Spaß zu: „Wissen Sie eigentlich, dass eine Menge Arbeit und Streit vor Ihnen liegen?“ Höing erhofft sich von der Planungs- und Ideenwerkstatt nicht weniger als ein „Drehbuch für die Magistralen“. Über diese wichtigen Straßen sei in der Vergangenheit lange nicht nachgedacht worden, vieles nicht aktiv gestaltet, manches gar entstellt worden. „Wir haben die Pflicht, mehr Vorzeigbares zu schaffen.“ Er rief die beteiligten Kreativen auf, durchaus in großen Maßstäben zu denken, warnte aber zugleich: „Wir sollten nicht zu Bilderstürmern werden.“

Amerikanischer Stadtplaner Jeff Speck hält Impulsvortrag

Die 14 Arbeitsgruppen für die sieben Magistralen trafen sich an langen Tischen mit Wein und kleinen Köstlichkeiten. Dabei konnten sich die nationalen und internationalen Architekten kennenlernen. Sie werden in den kommenden Tagen von Studenten, Experten aus der Verwaltung und sogenannten Querdenkern begleitet. Am Sonnabend sollen die Ergebnisse präsentiert werden.

Das Bauforum in den Deichtorhallen öffnet immer wieder seine Pforten für interessierte Bürger: Am Dienstagabend hielten Jeff Speck, US-amerikanischer Stadtplaner und Designer, und die Planerin und Städtebau-Professorin Paola Viganó Impulsvorträge. Heute Nachmittag werden gleich drei Foren öffentlich sein: Um 15 Uhr geht es um die Magistralen in den Medien, um 16 Uhr gibt es ein Gespräch mit Entwicklern und um 17 Uhr eine Debatte mit Politikern. Der Eintritt zu den einstündigen Talkrunden in den Deichtorhallen ist frei.