Hamburg

Grüne: Mönckebergstraße soll zur Fußgängerzone werden

Hamburg: Wird die Mönckebergstraße ganz zur Fußgängerzone oder zumindest zur autofreien Zone?

Hamburg: Wird die Mönckebergstraße ganz zur Fußgängerzone oder zumindest zur autofreien Zone?

Foto: Thorsten Ahlf

Zumindest versuchsweise für drei Jahre. Große Teile der City sollen weitestgehend autofrei werden – auch besondere Viertel.

Die Grünen haben ihr mit Spannung erwartetes Konzept für die Hamburger Innenstadt vorgelegt – und das hat es in sich. So soll der gesamte Bereich rund um die Binnenalster neu gestaltet werden. Mehr Fußgängerzonen und schönere Plätze, dafür große Teile der City weitestgehend autofrei: Mit diesem Vorschlag wollen die Hamburger Grünen in den beginnenden Bürgerschaftswahlkampf 2020 ziehen.

So soll die Mönckebergstraße nach ihrem Willen zur reinen Fußgängerzone werden – zunächst versuchsweise für drei Jahre. In dieser Zeit wird die Straße für den barrierefreien Ausbau der U-Bahnstationen ohnehin teilweise gesperrt. Während dieser Bauzeit sollen die Busse und Taxen, die bisher in großer Zahl durch die Mönckebergstraße fahren, die parallel verlaufende Steinstraße nutzen, die ihrerseits (wie bisher die Mönckebergstraße) für den Individualverkehr gesperrt werden soll.

Hamburger Mönckebergstraße als Pilotprojekt

„Wir verstehen dies als Pilotprojekt und wollen testen, ob die Mönckebergstraße nach dem Umbau eine Fußgängerzone bleiben soll“, sagte Hamburgs Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks. Davon sollten auch die Einzelhändler profitieren. Während der Testphase wollen die Grünen zusammen mit den Händlern Vorstellungen erarbeiten, wie die Fußgängerzone gestaltet und belebt werden kann.

Der Jungfernstieg soll nach den Vorstellungen der Grünen bis zur Ecke Bergstraße/Domstraße ebenfalls autofrei werden – nur noch Busse und Taxen sollen die Prachtmeile an der Binnenalster nutzen dürfen. Vom Dammtor kommender Verkehr würde dann nur noch rechts über den Gänsemarkt in den Valentinskamp führen. Zu einer Fußgängerzone wollen die Grünen den südlichen Teil des Ballindamms machen – hier wäre aus ihrer Sicht ein guter Platz für einen Spielplatz, den es bisher in der Innenstadt noch nicht gebe.

Ballindamm und Neuer Jungfernstieg sollen wasserseitig attraktiver gestaltet werden und sich mit Pontons mehr zur Binnenalster öffnen. Die Busse müssen nach den Wünschen der Grünen komplett vom Rathausmarkt verschwinden. Die Buslinien 3, 4, und 5 sollen auf leicht veränderten Routen weiter durch die Innenstadt führen, betonte Tjarks.

Autoverkehr nur noch in die Parkhäuser

Zweitens wollen die Grünen das Passagenviertel rund um den Neuen Wall und die Großen Bleichen ebenso „weitestgehend autofrei“ gestalten wie das Kontorhausviertel zwischen Steinstraße und Willy-Brandt-Straße. Nur die Parkhäuser sollen hier – aus rechtlichen Grünen – anfahrbar bleiben. Auch der Lieferverkehr bleibt – möglicherweise zwischen 23 Uhr und 11 Uhr – weiterhin ermöglicht. Klar ist aber für die Grünen: Die innere City soll nicht mehr von Durchgangsverkehr belastet werden. Individualverkehr soll auf die Ost-West-Straße ausweichen müssen.

Dritte Leitidee des Grünen-Konzepts für die Innenstadt: Die Plätze im Kontorhausviertel sollen aufgewertet werden, auch um das Viertel zu einem belebten Bindeglied zwischen Innenstadt und HafenCity zu machen und das Weltkulturerbe aufzuwerten. So wollen die Grünen die Autos vom Burchard-Platz und vom Deichtorplatz verbannen, ebenso vom Taxiplatz am Kattrepel. Damit – so die Vorstellung – würde das Kontorhausviertel über vier attraktive Plätze verfügen.

Fegebanks Pläne für das Kontorhausviertel

„Mit mehr Platz für Kommunikation, Fußgängerzonen und Grünflächen können wir diesem urbanen Raum mehr Leben einhauchen“, sagte die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) bei der Vorstellung. Wie viele Parkplätze insgesamt durch das Konzept wegfallen würden, konnten sie und Tjarks nicht beziffern. Klar sei aber, dass es insgesamt weniger Individualverkehr geben solle.

„Hamburg hat eine der schönsten Innenstädte der Welt, leider nutzen wir sie viel zu wenig“, sagte Fegebank, die die Grünen als Spitzenkandidatin in den Bürgerschaftswahlkampf führen will. Hier werde vor allem gearbeitet und eingekauft, gelebt werde in anderen Stadtteilen. Fegebank sieht die Aufwertung der Innenstadt als großes neues Projekt nach dem Bau der HafenCity.

„In den vergangenen 20 Jahren war die HafenCity das beherrschende Stadtentwicklungsprojekt der Stadt“, sagte sie bei der Vorstellung des Konzepts. Das habe dazu geführt, dass die Entwicklung der Innenstadt ein stückweit aus dem Fokus verdrängt worden sei. „Es wird Zeit, dass wir uns der Innenstadt als unserem historischen Kern zuwenden, auch weil er ein wichtiger Teil unserer Identität ist.“

Die Grünen wollen ihr Innenstadtkonzept breit mit allen gesellschaftlichen Parteien diskutieren, beginnend heute nachmittag auf der Grünen Stadtentwicklungskonferenz im Hammerbooklyn. Vor allem aber soll es Eingang in ihr Regierungsprogramm finden, mit dem die Grünen in den Wahlkampf ziehen – und dürfte bei möglichen Koalitionsverhandlungen nach der Bürgerschaftswahl im Februar 2020 eine zentrale Rolle spielen. „Wir ziehen keine roten Linien“, sagte Spitzenkandidatin Fegebank. „Aber dies ist ein ganz entscheidender Baustein unserer Vorstellungen von der Verkehrswende.“

Andere Parteien üben Kritik

Die Kritik der anderen Parteien ließ nicht lange auf sich warten: Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) äußerte sich beim Radiosender Hamburg Zwei kritisch zur Idee einer komplett autofreien Innenstadt. Deren Größe und die leistungsfähigen Verkehrsadern machen das Vorhaben für ihn unmöglich „Es geht ja darum, dass das alles funktioniert, und wir sind gegen flächendeckende Fahrverbote.“ Offen sei er dagegen für weitere Fußgängerzonen.

Die CDU-Fraktion bezeichnete das Konzept als „durchschaubares Wahlkampfmanöver“, das nicht funktionieren werde. Weniger mobile Menschen wie Senioren oder Familien mit kleinen Kindern seien auf eine Anfahrt mit dem Auto angewiesen, so der Verkehrsexperte der CDU-Fraktion, Dennis Thering. „Schon heute ist die Konkurrenz durch den Onlinehandel, der einem die Waren bis vor die Haustür bringt, sehr groß“, sagte der CDU-Abgeordnete David Erkalp. „Viele Geschäfte in der Innenstadt können nur überleben, wenn die Einkäufe mit dem Auto transportiert werden können.“

Die FDP-Fraktion kritisierte, dass Zahlen zu Kosten oder wegfallenden Parkplätzen fehlen. Verbote würden die Innenstadt zudem nicht attraktiver machen. „Wir haben nichts gegen verkehrsberuhigte Zonen, um die Innenstadt aufzuwerten“, sagte Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein. „Diese müssen aber in enger Abstimmung mit Anliegern und Händlern eingerichtet werden.“ Die Linken erklärten, die Grünen enttäuschten mit einem halbherzigen Verkehrskonzept, das wenig Neues biete.