Hamburg

Muss die Spielbank am Stephansplatz schließen?

Die Spielbank Hamburg am Stephansplatz. Die Konzession hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember dieses Jahres. Was danach geschieht ist ungewiss.

Die Spielbank Hamburg am Stephansplatz. Die Konzession hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember dieses Jahres. Was danach geschieht ist ungewiss.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Die Konzession der Jahr + Achterfeld GmbH & Co. KG läuft Ende des Jahres aus. Ausschreibung ist noch immer nicht entschieden.

Hamburg. Die Spielbank Hamburg residiert seit 2006 in einem imposanten Gebäude am Stephansplatz. In der ersten Etage vom „Casino Esplanade“ werden die Gäste von den Croupiers beim Roulette an den mit Stoff bezogenen Spieltischen um ihren Einsatz gebeten. Doch damit könnte bald Schluss sein – stattdessen könnte es wie beim Roulette „rien ne va plus“ (nichts geht mehr) heißen. Auf Abendblatt-Anfrage bestätigte Maik Janßen, Sprecher der Spielbank Jahr + Achterfeld GmbH & Co. KG, die seit 1977 eine Konzession für den Betrieb der Spielbank samt drei Dependancen besitzt: „Die aktuelle Konzession hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2019 und läuft somit Ende des Jahres aus.“

Bis dahin sind es nur noch gut vier Monate. Und was danach passiert, das dürfte nicht nur die Spieler, sondern vor allem die rund 300 Mitarbeiter interessieren. Denn ohne gültige Konzession, müsste die Spielbank wohl schließen. „Wir hängen ganz schön in der Luft“, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Frist „für die Einreichung der Gebote“ endete am 27. Juni

Das liegt an einer europaweiten Ausschreibung der Hamburger Innenbehörde, bei der es um die Vergabe einer Konzession für den „Betrieb einer öffent­lichen Spielbank bestehend aus einem Hauptstandort und Dependancen für den Zeitraum vom 1.1.2020 bis zum 31.12.2034“ geht. So steht es in der Konzessionsbekanntmachung, die dem Abendblatt vorliegt. Darin heißt es auch, dass die Frist „für die Einreichung der Gebote“ oder den „Eingang der Angebote“ bereits am 27. Juni dieses Jahres endete.

Fest steht, „das Vergabeverfahren ist noch nicht abgeschlossen“, sagte ein Sprecher der Innenbehörde auf Abendblatt-Anfrage. Die Behörde scheint keine Eile zu haben. Wann die Entscheidung verkündet wird, wer künftig die lukrative Konzession erhält? Dazu äußerte sich die Behörde nicht oder es gibt schlichtweg noch keinen Termin. Der Sprecher sagte dazu: „Das Vergabeverfahren läuft planmäßig und den gesetzlichen Vorgaben entsprechend.“ Wirklich? FDP-Fraktionschef Michael Kruse berichtete: „Im Vergabeverfahren gibt es erhebliche Verzögerungen, weil es dem Vernehmen nach Einwände dagegen gab. Dass es immer noch keine Entscheidung gibt, sorgt für große Unsicherheit bei dem Unternehmen und den Mitarbeitern. Es ist deshalb wichtig, das EU-Vergaberecht zu optimieren.“

Bewerber müssen erhebliche finanzielle Mittel nachweisen

Eines steht fest: Die Spielbank Jahr + Achterfeld GmbH & Co. KG habe sich an der Ausschreibung beteiligt, bestätigte Sprecher Janßen. Ob es noch andere finanzkräftige Interessenten gibt, ist geheim. In der „Konzessionsbekanntmachung“ steht: Die Bewerber müssen einen Nachweis darüber erbringen, „dass sie erhebliche finanzielle Mittel als Sicherheit und zum Betrieb der Spielbank – es geht um eine Summe von immerhin zwölf Millionen Euro – zur Verfügung stellen und gleichzeitig nachweisen können, woher diese Mittel stammen.“

Interessant ist auch. Zurzeit haben die Betreiber der Spielbank nur eine „Interimskonzession“, die wie bereits gesagt Ende des Jahres ausläuft. Dazu der Sprecher der Innenbehörde: „Ziel des Hamburgischen Spielbankgesetzes ist es unter anderem, den Spieltrieb der Bevölkerung zu kanalisieren. Die erforderliche Neufassung dieses Gesetzes befand sich 2016/2017 noch im parlamentarischen Abstimmungsprozess, sodass eine Ausschreibung zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich war.“ Der Interimsvertrag sei geschlossen worden, um das Spiel­angebot ununterbrochen aufrechtzuerhalten

Ver.di sieht dringenden Handlungsbedarf

Auch die Gewerkschaft Ver.di sieht einen dringenden Handlungsbedarf: „Dass es immer noch keine Entscheidung darüber gibt, wer künftig die Konzession für den Betrieb der Spielbank erhält, das ist eine unangenehme Situation für die Mitarbeiter. In gut vier Monaten läuft die Konzession aus und die Mitarbeiter wissen immer noch nicht, wie es weitergeht. Es sollte hier nun dringend Klarheit geschaffen werden“, sagte Ira Gloe-Semler, Landesfachbereichsleiterin Finanzdienstleistungen bei Ver.di.

Aber was passiert, wenn ein anderes Unternehmen den Zuschlag für die Konzession erhält? „Naheliegend wäre, dass es einen Betriebsübergang gibt und die erfahrenen qualifizierten Mitarbeiter mit ihrer engen Kundenbindung übernommen werden. Allerdings gibt es dafür natürlich keine Garantie, dass im Falle eines neuen Konzessionärs, auch alle Arbeitsplätze erhalten bleiben“, so Ira Gloe-Semler.

Die erste Spielbank wurde im Hotel InterContinental eröffnet

Hinter den Kulissen der Spielbank dürfte es zurzeit hoch hergehen. Aber eine Gesprächsanfrage wurde von der Geschäftsführung abgelehnt. Das Geschäft mit Glücksspielautomaten, Black Jack und Roulette hat Tradition in der Hansestadt: Am 20. Januar 1978 wurde die erste Spielbank hoch über den Dächern der Stadt eröffnet. Der Ort war die neunte Etage im damaligen Luxushotel InterContinental an der Außenalster. Das Luxushotel wurde abgerissen und heute steht dort die Nobelherberge The Fontenay von Klaus-Michael Kühne.