Prozess

Zwangen zwei Männer 15-Jährige in Hamburg zur Prostitution?

Symbolbild

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Foto: Michael Rauhe / HA

Die beiden 20 Jahre alten Angeklagten sollen das Mädchen "gekauft" und von ihr verlangt haben, die "Schulden abzuarbeiten".

Hamburg. Ahmad Q. sieht deutlich jünger aus, als es seine 20 Jahre erwarten lassen. Dunkle leicht lockige Haare, dünne Arme, Kindergesicht. Neben ihm sitzt Miguel K., der zweite Angeklagte, sein mutmaßlicher Komplize. Gemeinsam sollen sie eine 15-Jährige zur Prostitution gezwungen haben. Mit ihr war Miguel K., ebenfalls 20 Jahre alt, zeitweise liiert.

Gerade hat ihn ein Justizbeamter an Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Auf dem Weg dorthin ist ihm seine aktuelle Freundin, eine junge Frau, stürmisch um den Hals gefallen. Sie nennt den Angeklagten mit dem kahlrasierten Kopf „Liebster“ und „Schatzi“.

Angeklagte sollen die 15-Jährige "gekauft" haben

Die beiden wegen Zwangsprostitution angeklagten jungen Männer sollen, so wirft es ihnen die Staatsanwaltschaft vor, die 15 Jahre alte Hamburgerin Louisa G. (Name geändert) im November 2018 zur Prostitution „überredet“ haben. Wobei es „überredet“ wohl nicht ganz trifft.

Wie es im Anklagesatz heißt, sollen sie das Mädchen, das sich schon zuvor prostituiert haben soll, von einem unbekannten Dritten für 2000 Euro „gekauft“ haben. Sie müsse ihre „Schulden“ nun „abarbeiten“ und ihnen die Einnahmen aus dem Verkauf ihres Körpers zur Verfügung stellen, hätten sie ihr zu verstehen gegeben.

Polizei deckte die Zwangsprostitution auf

Auf Anzeigen-Internetportalen sollen sie die Sex-Treffen beworben haben, mit Annoncen von der Art „18-Jährige sucht Auto-Dates“. Sodann soll das Mädchen mit zumeist älteren Freiern den geschützten und ungeschützten Geschlechtsverkehr vollzogen haben. Mal im Auto, mal am Hauptbahnhof, mal in Absteigen. In einem Fall habe ein etwa 55 Jahre alter Mann 200 Euro für eine Nummer mit der Jugendlichen auf einem Autoparkplatz gezahlt.

Nachdem sich ein Polizeibeamter zum Schein Ende Februar dieses Jahres mit ihr getroffen hatte, nahm die Polizei Ahmad Q. fest. Einen Monat später war auch das Spiel für Miguel K. aus. Louisa G., das Opfer, ist seither in einer Einrichtung der Jugendhilfe untergebracht.

Den 20-Jährigen drohen noch mehr Strafen

Die Angeklagten wollen sich am Donnerstag zu den Vorwürfen äußern, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Falle geständiger Einlassungen könne vermutlich auf die Opfer-Vernehmung verzichtet werden, was sich wiederum strafmildernd für die Angeklagten auswirken könnte, sagte der Vorsitzende Richter. Sollte das Gericht die Heranwachsenden nach Jugendrecht verurteilen, drohen ihnen bis zu fünf Jahre Haft.

Über ihnen schweben noch zwei weitere Verfahren. So wird gegen Ahmad Q. wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Er soll während eines Streits mit seiner damaligen Freundin zwei Zeugen mit einem Teleskopschlagstock auf den Kopf geschlagen und schwer verletzt haben. Miguel K. steht ab Ende Oktober wegen schwerer räuberischer Erpressung vor Gericht – unter anderem wegen bewaffneter Überfälle auf ein NH-Hotel und ein Mercure-Hotel in Hamburg.