Hamburg

Der Appetit fährt mit: Eine Bootstour zum Sattessen

Servicekraft Lukas füllt das Büfett auf der „Serrahn Deern“ auf und serviert an Bord.

Servicekraft Lukas füllt das Büfett auf der „Serrahn Deern“ auf und serviert an Bord.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Bei Passagieren sind Schifffahrten mit üppigem Büfett besonders beliebt. Das Abendblatt hat das Angebot der „Serrahn Deern“ getestet.

Bergedorf. Eine kleine Tafel mit den Namen der Gäste steht auf den Tischen, daneben eine Kanne mit frisch gebrühtem Kaffee. Es duftet nach Rührei und frischem Brot. Der Gast könnte sich für einen Augenblick in einem Mittelklassehotel wähnen, würde sich nicht gleich das Brunch-Büfett samt Tischen und Bänken in Bewegung setzen.

Die „Serrahn Deern“ der Bergedorfer Schifffahrtslinie wird an diesem Morgen zum schwimmenden Frühstücksraum. Brunchfahrt „XL“ heißt die Tour von Bergedorf durch die Marschlande bis zum Hamburger Hafen und wieder zurück. 50 Kilometer zum Sattessen. Denn der Appetit fährt immer mit auf Bille, Elbe und Alster. Deshalb bieten zahlreiche Reedereien besondere Fahrten mit Catering an.

Flussfahrt macht immer hungrig und durstig

Bei der Bergedorfer Schifffahrtslinie begann das genussvolle Fahren auf dem Wasser mit Erbsensuppe. „Eine Schlachterei in der Region hat sie gekocht, das war 1999“, sagt Heiko Buhr, Geschäftsführer der Reederei. Damit setzte das neu gegründete Unternehmen eigene Akzente gegenüber den Wettbewerbern – und immer mehr Passagiere kamen deshalb an Bord. Buhr, der vormals im Amt für Strom und Hafenbau arbeitete, hält an diesem Erfolgsrezept bis heute fest.

Als die „Serrahn Deern“ den Schleusengraben, eine der ältesten künstlichen Wasserstraßen in Deutschland passiert, ist das Büfett eröffnet. Tischweise bedienen sich die Gäste, rund 25 an der Zahl, von den rustikalen und italienischen Köstlichkeiten: Tomate mit Mozzarella, Schinken, garniert mit Radieschen, Lachs, Garnelen und Antipasti. An der Backbordseite wartet bereits das Mittagessen. Flussfahrt macht immer hungrig und durstig.

Die Qualität der Speisen, so das Urteil der Gäste, ist sehr gut, die Angebotsvielfalt ebenfalls. Heiko Buhr, der bei längeren Flusskreuzfahrten auch als Schiffsführer unterwegs ist, sagt das so: „Wir brauchen auf dem Schiff Menge.“ Für jeden solle genug zum Essen da sein. Denn nichts wäre schlimmer, als wenn mitten bei der Fahrt keine Brot- oder Käsereserven vorhanden seien oder sonst etwas fehlen würde.

Das Unternehmen arbeitet mit Restaurants zusammen

Das XL-Büfett haben Mitarbeiter vom Rahlsteder Partyservice Meyer gezaubert und in den frühen Morgenstunden zum Anleger im Bergedorfer Hafen gebracht. Bei weiteren Genussfahrten arbeitet die Reederei mit anderen Anbietern wie örtlichen Restaurants zusammen. Beliebt sind Lichterfahrten durch die Marschlande bis zum Hamburger Hafen, bei denen Hähnchenspieße, Nudeln und Hamburger Beerengrütze gereicht werden. Rustikaler geht es beim Spanferkelabend und bei Grünkohlfahrten zu. Das Essen begleitet der Gesang eines Shantychors.

Fast das ganze Jahr über werden die Passagiere der Bergedorfer Schifffahrtslinie mit gastronomischen Angeboten bei Laune gehalten. Los geht es im Fe­bruar, „und die letzte Fahrt im Jahr ist Silvester“, sagt Heiko Buhr. Inklusive geschlossener Gesellschaften absolvieren die Schiffe seiner Flotte rund 750 Fahrten pro Jahr. Während des kollektiven Schmausens betrachten die Gäste auf der „Serrahn Deern“ Kanada- und Brandgänse, die auf grünen Wiesen liegen, und die idyllischen Häuser am Uferrand. Doch als das Schiff die Tatenberger Schleuse passiert, gibt es Wichtigeres als zu essen. Da heißt es: raus auf das Außendeck und gucken. Bis das Mittagessen und ein Bierchen locken.

Die Brunchfahrt „XL“ kostet 57 Euro an Wochentagen und 62 Euro an Wochenenden, italienischer Abend mit Büfett 45 Euro, Lichterfahrt 62 Euro. Weitere Infos: bergedorfer-schifffahrtslinie.de